Dietmar Mikolaiski ist Wolfsberater
Spuren werden wie im Krimi gesichert

Steinfurt -

Wer hat Angst vorm bösen Wolf? Dietmar Mikolaiski ganz sicher nicht. Und dass der Wolf überhaupt böse ist, ist ja auch eher die Sichtweise von Märchenbüchern.

Donnerstag, 10.01.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 11.01.2019, 15:44 Uhr
In seinem „Spusi“-Koffer hat Wolfsberater Dietmar Mikolaiski alle Werkzeuge, um Spuren und Informationen rund um den vermuteten Besuch eines Wolfs zu sichern – auch Wattestäbchen für DNA-Reste. Foto: B.Schäfer

Mit Märchen hat der Leiter des Steinfurter Hegerings auch oft in seiner Eigenschaft als Wolfsberater zu tun. „Wenn in den Medien etwas über Wolfssichtungen berichtet wird, kommt anschließend eine Welle von Fehlalarmen“, ist Mikolaiskis Erfahrung. Dann würden plötzlich an allen Ecken und Enden Wölfe auftauchen – die sich dann meist als ebenso real erweisen wie die aus dem Märchen.

Als einer von vier Wolfsberatern im Kreisgebiet hilft der Borghorster dabei, die Tatsachen von den Fake News zu trennen – zum Beispiel, wenn irgendwo ein gerissenes Tier entdeckt wird. „Das ist dann wie bei einem Tatort im Krimi. Aber ich bin nicht der Kommissar, sondern der von der Spurensicherung, der im Dreck rumrührt“, malt Mikolaiski ein plastisches Bild von seiner Aufgabe.

Für die hat ihm das LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) eigens einen „Spusi“-Koffer mit den wichtigsten Werkzeugen zur Verfügung gestellt: Mit Bechern für Kotproben, Gips, um Pfotenabdrücke zu sichern, Wattestäbchen für DNA-Proben und, etwas spooky, einem Leichensack, der auch für Menschen benutzt werden könnte – der beim Wolfsberater aber zum Einsatz kommt, wenn irgendwo einmal ein toter Wolf auftauchen sollte.

DNA-Probe räumt Zweifel aus

Meist stelle sich anhand der Fraßspuren schnell heraus, dass die Bisswunden an einem aufgefundenen Reh oder Schaf nicht von einem Wolf, sondern von Füchsen, Krähen oder streunenden Hunden stammen. Dennoch nimmt Mikolaiski an der Bissstelle manchmal noch eine DNA-Probe, die alle Zweifel ausräumt. Mit der Bewertung der Spuren hält er sich zurück. „Wir Wolfsberater fällen nicht das Urteil, wir sammeln nur Informationen.“

Die Fachkompetenz hat der Hegeringchef vor gut drei Jahren bei Seminaren der Natur- und Umweltschutzakademie erworben. Da gab es im Kreisgebiet niemand anderen, der beim Stichwort „Wolf“ gerufen wurde. „Da hab ich anfangs viele Kilometer gemacht – ich bin froh, dass ich nicht mehr der einzige bin.“ Schließlich macht er den „Job“ ehrenamtlich, nicht mal das Spritgeld wird erstattet.

Ich setze keinen Wolf aus und ich füttere auch keinen.

Dietmar Mikolaiski

„In der ersten Zeit bin ich selbst in meiner eigenen Gilde misstrauisch beäugt worden“, erinnert sich Mikolaiski, dass sein Engagement bei seinen Jägerkollegen nicht gut ankam. Und er ihnen versichern musste: „Ich setze keinen Wolf aus und ich füttere keinen.“ Die Frage, ob das Raubtier ins münsterländische Biotop gehöre, stelle sich in seiner Eigenschaft als Wolfsberater nicht. „Wir sind erstmal weder dafür noch dagegen. Wir helfen nur dabei festzustellen, ob einer da war oder nicht.“

Das kann übrigens auch durch die Auswertung von Aufnahmen geschehen. Wie im Fall des Jungtiers, das im April 2016 in Ibbenbüren fotografiert wurde. Dietmar Mikolaiski verglich die Umgebung auf dem Foto mit der, wo es aufgenommen worden sein sollte. Und konnte bestätigen: Die Aufnahme ist echt.

Seitdem entpuppten sich alle Sichtungen, die er als Experte begutachtete, als Fehlalarme. Einen echten Wolf in freier Wildbahn hat er dennoch schon selbst gesehen – allerdings nicht in Steinfurt, sondern in Brandenburg. Rund 40 Meter entfernt strich eines der Tiere entlang, hielt kurz inne, um den menschlichen Besucher seines Reviers zu beobachten, und trabte dann ohne größeres Interesse zu zeigen weiter.

In Steinfurt selbst gibt es noch keine Hinweise auf einen Wolfsbesuch. Ausgeschlossen ist der aber langfristig nicht. Wenn sie etwa neun Monate alt sind, müssen die männlichen Jungtiere nämlich ihr Rudel verlassen. „Und die müssen dann ja nunmal irgendwo hin ...“

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