Finnenbahn im Bagno Ein ganz spezielles Lauferlebnis

Steinfurt -

Mit der Finnenbahn im Naturschutzgebiet Bagno hat Steinfurt eine Laufstrecke zu bieten, die in der Region beinahe Alleinstellungsstatus hat. Inmitten alter Buchenwälder geht es auf Hackschnitzeln durch Kurven, Anhöhen und Senken. Wie ist das Laufgefühl? Redakteur Ralph Schippers machte den Selbsttest.

Von Ralph Schippers
Unterwegs auf der Finnenbahn von Marathon Steinfurt: Sylvia Gehling feuert den Gast auf den letzten Metern vor dem Ziel noch einmal an.
Unterwegs auf der Finnenbahn von Marathon Steinfurt: Sylvia Gehling feuert den Gast auf den letzten Metern vor dem Ziel noch einmal an. Foto: Axel Roll

Zugegeben – beim Vorbeifahren am Hinweisschild auf der Landstraße zwischen Burgsteinfurt und Borghorst habe ich mich schon oft gefragt, was es denn wohl genau auf sich hat mit der Finnenbahn, die sich dort befindet. Als Nicht-Steinfurter fängt man schnell an zu spekulieren: Handelt es sich um eine Schmalspur-Eisenbahnstrecke oder gar um eine Skilanglauf-Loipe? Schnell war dann nach entsprechender Nachfrage klar: Es ist eine Waldlaufstrecke mit speziellem Untergrund, nämlich Holzhackschnitzel, wie sie beim Zerkleinern von Rohholz entstehen. Und nun? Stehe ich zusammen mit Sylvia Gehling auf dem Parkplatz am Eingang der 1000 Meter langen Laufstrecke, um sie selbst einmal unter die Laufschuhe zu nehmen.

Die Pressebeauftragte von Marathon Steinfurt ist von dieser Idee durchaus angetan. Sie nutzt die Gelegenheit, die Werbetrommel für die Finnenbahn, die nach ihren Worten der „Dreh- und Angelpunkt“ des Vereins ist, zu rühren. Wir schauen auf einen Haufen Hackschnitzel, der am Rande des Parkplatzes lagert. „Es ist der Rest unserer Sanierungsaktion, die wir in den vergangenen Wochen durchgeführt haben“, sagt die Laufsportbegeisterte. Orkan Friederike hatte dem Marathon-Schmuckstück zu Jahresanfang arg zugesetzt. Und bei den anschließenden Aufräumarbeiten der Forstverwaltung der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer konnten weitere Schäden an der viel genutzten Laufstrecke verständlicherweise ebenfalls nicht vermieden werden.

Was im Sommer nach deren Beendigung folgte, war der größte Arbeitseinsatz in der Vereinsgeschichte. „An sechs Wochenenden haben sich Freiwillige getroffen, um zunächst die aus Holzstämmen bestehende Randbegrenzung der Bahn wieder in Stand zu setzen“, berichtet Sylvia Gehling. In einer großen Kraftanstrengung wurde abschließend im September ein neuer Hackschnitzel-Belag aufgebracht. „Mit Schubkarren und Schaufel – alles manuell“, erinnert sich die Marathon-Frau. Ich kann nur ahnen, wie groß der Aufwand war.

Lange war die Bahn aufgrund der Nachwirkungen von Friederike gesperrt. Nach der feierlichen Wiedereröffnung kann sie nun wieder genutzt werden. Und das wird sie, wie die Läufer, die uns an diesem nasskalten Freitagmittag passieren, zeigen. „Es ist ein ganz besonderes Laufgefühl“, gibt mir Sylvia Gehling – sie selbst kann wegen einer Muskelverletzung nicht mitlaufen – aufmunternd mit auf den Weg. Na dann los.

Schon auf den ersten hundert Metern fallen mir Bäume auf, die offensichtlich aus einer Patenschaft stammen. Eine Idee, die, wie ich später erfahren werde, zum zehnjährigen Bestehen der Bahn 2005 von Georg Schröder aufgegriffen wurde. Schröder war der erste Beauftragte von Marathon Steinfurt, der sich federführend um Pflege und Instandhaltung der Bahn kümmerte. Heute hat diese Aufgabe sein Schwiegersohn Rainer Dwersteg inne.

Weiter geht‘s auf durch das herbstliche Bagno. Die Naturstrecke entfaltet eine große Schönheit, fordert aber auch. Der Bodenbelag vermittelt ein einzigartig federndes Laufgefühl, dabei müssen Gelenke und Muskeln aber immer wieder korrigierend eingreifen, um den Körper insgesamt im Rhythmus zu halten. „Die Muskeln werden viel umfangreicher beansprucht als beim Lauf auf Asphalt“, hatte Sylvia Gehling vor dem Start gesagt. Anspruchsvoll ist die Strecke aber auch deshalb, weil es rauf und runter geht und sie zudem ziemlich kurvig geführt ist. Nach rund 300 Metern ist der Puls bei mir mächtig nach oben geschnellt. Ob Eckhard Kormann dies ganz bewusst so einkalkuliert hat? Das Marathon-Mitglied der ersten Stunde hatte Anfang der 1990er-Jahre die Idee zum Bau der Finnenbahn. Vorbild war eine ganz ähnliche Laufstrecke in Recke-Obersteinbeck, von der er in einer Fachzeitschrift gelesen hatte.

Grundbesitzer Christian Fürst zu Bentheim und Steinfurt war von dem Vorhaben der Marathonis sofort angetan und unterstützte es von Anfang an – zuletzt übrigens, in dem er das Holz für die Hackschnitzel, die im September aufgebracht wurde, spendete.

Das 500-Meter-Schild ist erreicht. Im Hintergrund sind die Verkehrsgeräusche der nahen B 54 zu hören – vielleicht die einzige Einschränkung, die der Läufer auf der Strecke hat. Die geht nach dem Passieren des 700-Meter-Schildes merklich bergan. Konzentration ist gefordert, denn die Stämme, die die Begrenzungen bilden, schwanken in ihren Abständen leicht.

Sylvia Gehling schwärmt von den Reizen, die die Strecke zu allen Jahreszeiten zu bieten hat. Selbst im Sommer, bei Temperaturen über 30 Grad, sei es dort noch angenehm zu laufen. Die Finnenbahn ist ganzjährig für Jedermann offen. Nur bei Eis und hohem Schnee sei sie nicht nutzbar, so die Pressewartin von Marathon Steinfurt. Ich muss sagen, mich begeistert vor allem die prachtvolle Farbenvielfalt, die das herbstliche Bagno zu bieten hat. 850 Meter – durch eine Lichtung fällt der Blick auf den Hof Schulze Spenneberg an der Landstraße zwischen Burgsteinfurt und Borghorst. Der Endspurt auf dem Rundkurs steht an. Der Puls geht noch mal nach oben, dann habe ich es geschafft. Durchatmen ist angesagt. Für einen, der sonst überwiegend Rad fährt, ist das Joggen schon etwas ungewohnt.

Apropos Rad: Die Finnenbahn ist für Pedalritter absolut tabu. Nicht alle halten sich an die Verbotsschilder, die gut sichtbar, aber leider auch teils beschädigt, darauf hinweisen. Vor allem mit Mountainbike-Piloten haben die Marathonis immer mal wieder Stress. Mir würde es nicht einfallen, mit dem Rad auf diese tolle Naturlaufstrecke zu gehen. Wohl aber wieder als Läufer. Eine Einladung dazu erhalte ich ja regelmäßig. Vom Hinweisschild auf der Fahrt entlang der Landstraße zwischen Burgsteinfurt und Borghorst ...

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