Ausstellung „Heinrich Neuy und die Musik“
Emotionen lösen Farben aus

Borghorst -

Heinrich Neuy war einer der jüngsten Bauhaus-Künstler. Viele der Werke des 2003 verstorbenen Borghorsters sind durch gegenständliche Architektur-, Landschafts- und Portraitstudien gekennzeichnet.

Sonntag, 28.01.2018, 17:16 Uhr aktualisiert: 28.01.2018, 17:18 Uhr
Der Borghorster Bauhaus-Künstler Heinrich Neuy hat Töne in seinen Werken sichtbar gemacht. Der Borghorster Komponist Buster Flood hat einige seiner Bilder in Partituren umgesetzt, die im HeinrichNeuyBauhausMuseum zu hören sind. Foto: Matthias Lehmkuhl

Heinrich Neuy gehörte außerdem zu den wenigen Menschen, die Töne der Musik in unterschiedliche Farben und Formen oder Buchstaben und Zahlen übersetzen können. Menschen mit dieser ungewöhnlichen Fähigkeit werden „Synästhetiker“ genannt.

Diese Gabe setzte Heinrich Neuy in den 1980er und 1990er Jahren in malerische Kompositionen um. Einige dieser Bilder sind seit Sonntag in einer Ausstellung noch bis zum 27. Mai im HeinrichNeuyBauhausMuseum zu sehen. Als Maler und Zeichner richtete Neuy sein Interesse vor allem darauf, durch Form und Farbe Phänomene wie Charaktereigenschaften, Jahreszeiten und insbesondere musikalische Klänge sichtbar zu machen. Mehr als 70 kunstbegeisterte Gäste waren am Sonntagmorgen im Borghorster Museum zur Ausstellungseröffnung erschienen.

Gastgeberin Hedwig Seegers und Kuratorin Dr. Dagmar Kronenberger-Hüffer zeigten sich angesichts des großen Interesses sehr erfreut. „Ich bin mir sicher, auch Sie sind der Überzeugung, dass diese Ausstellung mehr als gelungen ist“, unterstrich Hedwig Seegers. Die Tochter von Heinrich Neuy sagte Claudia Seeger, Expertin für Musik und Malerei, als Laudatorin an. Die Unternehmerin und Coach versetzte die Gäste in eine Zeitreise mit Heinrich Neuy. Seeger konzentrierte sich in ihrer Lobrede zunächst auf das Aufeinandertreffen des Borghorster Künstlers mit seinen berühmten Bauhaus-Zeitgenossen Ludwig Mies van der Rohe, Lyonel Feininger und vor allem Wassily Kandinsky, der ihn künstlerisch und philosophisch sehr stark beeinflusste.

Während des letzten Jahres seiner Ausbildung in der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Krefeld (1930) überzeugten ihn seine Lehrherren, nach Dessau zu gehen. Dort wurde Heinrich Neuy vor allem von Kandinsky beeinflusst, „von dem wir wissen, dass beide sich oft auch privat getroffen haben“, so Claudia Seeger. Während des Unterrichts im Dessauer Bauhausatelier habe Heinrich Neuy seine Fähigkeit entdeckt, Töne, Sprache und Musik in Farben auszudrücken. „So hat Heinrich Neuy das Grollen und Donnern des Gewitters in dunklen und grauen aber auch bunten Farben gemalt“, erläuterte Seeger.

50 Jahre später sei der Bauhauskünstler in Borghorst einen Schritt weiter gegangen. Dort traf er den gebürtigen Engländer Buster Flood. Der Musiker und Komponist leitete das renommierte Jugendorchester und die städtische Musikschule. Flood vertonte Neuys Werke und übersetzte sie in Partituren. Derartige Klangbeispiele sind im HeinrichNeuyBauhausMuseum beim Anschauen der Bilder per Kopfhörer zu hören.

„Viele Porträts, die Heinrich Neuy malte, bildeten geometrische Figuren, krumme und gerade Linien ab. ‚Das sind Sie!‘ sagte er seinen ungläubig schauenden Kunden, als sie ihr Abbild betrachteten“, schilderte die Laudatorin. Neuy sei in der Lage gewesen, die jeweiligen Charaktere wie Freude, Sentimentalität, Unbeschwertheit oder Trauer in seinen Porträts umzusetzen.

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