Jeder Tag ist spannend Der Pfarrer ist der Chef

Borghorst -

Der Griff in den Schrank mit den Gewändern erfordert einige Überlegung: Welche Farbe ist die richtige? Aus wie vielen Kleidungsstücken er auswählen kann, weiß Peter Timmerhues gar nicht einmal. Auf jeden Fall einer Menge.

Von Bernd Schäfer
Wie viele Gewänder genau in den Schränken der Sakristei hängen hat Peter Timmerhues noch nicht gezählt – genauso wenig wie die Hostien, die er nach der Formel „Pi mal Daumen“ in die Schale füllt (kl. Bild).
Wie viele Gewänder genau in den Schränken der Sakristei hängen hat Peter Timmerhues noch nicht gezählt – genauso wenig wie die Hostien, die er nach der Formel „Pi mal Daumen“ in die Schale füllt (kl. Bild). Foto: Bernd Schäfer

Weiße, grüne, violette, rosafarbene, schwarze, blaue, rote – und alle in verschiedenen Größen. „Weiß ist für Weihnachten, jetzt kommt grün“, erklärt er. Heute muss es ein jedoch ein violettes sein, gleich beginnt nämlich eine Trauerfeier in der St. Nikomedes-Kirche. Die erste für den neuen Küster der Gemeinde, der am 1. Januar gemeinsam mit Elisabeth Bussmann die Nachfolge von Monika und Robert Badde angetreten hat.

„Das ist ein angenehmes Arbeiten: Mir ist keiner fremd, ich kenne alle Leute und alle Leute kennen mich“, sagt der 50-Jährige mit Blick auf seine vorherigen Stationen in der Pfarrgemeinde. „Ich bin vor 42 Jahren als Messdiener angefangen, danach war ich Gruppenleiter, im Pfarrgemeinderat und im Kirchenvorstand“, zählt er auf. Daher sind die Abläufe rund um die Gottesdienste für ihn nichts unbekanntes. Die Tücken stecken in den Details: Wer macht sich schon Gedanken darüber, dass für eine Trauerfeier die Osterkerze aufgestellt werden muss. Oder dass es verschieden große Oblaten für die unterschiedlichen Gottesdienstorte gibt. Oder immer den richtigen Schlüssel zur Hand zu haben: Das wichtigste Dutzend hat Peter Timmerhues zu einem Schlüsselbund zusammengestellt, den er immer bei sich trägt. „Aber es gibt noch einen Schlüsselkasten, da sind Hunderte drin. Hier ne Tür, da ne Tür, da kommt was zusammen.“

Alleine um zum Beispiel eine Glühbirne im Hauptschiff zu wechseln, muss er so einige öffnen. Und hoch ins Gewölbe steigen, um die Lampe von dort aus herunterzulassen.

Wie alles funktioniert, hat er sich in den vergangenen Wochen von seinen Vorgängern abgeguckt. „Ich habe ihnen sozusagen als kleiner Praktikant mitgeholfen“, lacht er. Jetzt muss er alleine oder gemeinsam mit Elisabeth Bussmann an unendlich viele Kleinigkeiten denken. Muss irgendwo eine Kerze ausgewechselt werden? Ist der Blumenschmuck noch frisch genug? Oder die klassische Frage: Habe ich richtig abgeschlossen? „Ich bin schonmal nachts um eins aufgestanden, um nachzusehen, ob ich die Kirchentür auch wirklich abgeschlossen habe“, schmunzelt Elisabeth Bussmann, die schon Erfahrung aus Urlaubsvertretungen für die Baddes mitbringt. Vor vier Jahren absolvierte sie die Ausbildung zur Sakristanin – die ihrem Kollegen noch bevorsteht, der sie in diesem Jahr berufsbegleitend machen wird. „Die Arbeit ist interessant und vielseitig mit immer neuen Herausforderungen“, findet Elisabeth Bussmann. Und hängt mit einem Augenzwinkern an: „Zum Beispiel, wenn wir auf die Spontaneität unserer Pastöre eingehen müssen.“ Neben der Vorbereitung der Messen gehört auch ein gewisses handwerkliches Geschick zu den Aufgaben eines Küsters. Als ehemaligem Inhaber des Radio- und Fernsehfachgeschäfts Flügemann ist für Timmerhues vor allem der Umgang mit der Elektrik natürlich kein Problem. „Davon gibt es auch in einer Kirche immer mehr“, sagt er und zeigt dabei auf die beiden großen Schaltschränke in der Sakristei mit ihren blinken Lichtern, die unter anderem die Tonanlage steuern.

Vieles ist in einer Jahrhunderte natürlich Tradition. „Trotzdem: wir können auch Vorschläge machen, etwas zu ändern“, sagt der neue Küster. „Aber klar: Markus Dördelmann ist der Chef, er hat das letzte Wort.“

Der Beginn der Trauerfeier rückt näher, langsam muss Peter Timmerhues sich sputen. Aus einem Schrank zieht er eines der violetten Gewänder, überlegt kurz, wer den Gottesdienst leitet und entscheidet dann: „Das müsste passen.“

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