Stiftskreuzprozess: Staatsanwältin fordert drei Jahre

Borghorst/Münster -

Drei Jahre Haft fordert die Vertreterin der Anklage für den 42-jährigen Deutsch-Türken. Für sie ist klar: Der Bremer hat vor gut dreieinhalb Jahren seinem Neffen und seinen Freunden den Auftrag gegeben, für jeweils 1000 Euro Lohn das Stiftskreuz aus der Borghorster Nikomedeskirche zu stehlen. Das, was der Vater von fünf Kindern getan haben soll, bezeichnet die Staatsanwältin als besonders schweren Fall der Mittäterschaft bei einem Diebstahl, wie sie am Mittwochmorgen in ihrem Plädoyer vor der Dritten Strafkammer des münsterischen Landgerichts erläuterte.

Von Axel Roll

Die beiden Juristen-Kollegen auf der Gegenseite im Saal A 11 des Landgerichts wollen allenfalls Begünstigung als Tatvorwurf gelten lassen. Darum halten die Verteidiger des mutmaßlichen Drahtziehers des Stiftskreuzdiebstahls eine Geldstrafe für angemessen. Das letzte Wort hat natürlich das Gericht. Es wird am Freitag der kommenden Woche sein Urteil verkünden. In den Plädoyers kommt den Aussagen der beiden bereits verurteilten Stiftskreuzdiebe eine zentrale Bedeutung zu. Die Männer hatten den 42-Jährigen durch ihre massiven Beschuldigungen zuerst in U-Haft und dann auf die Anklagebank gebracht. Die Staatsanwältin hat nicht den geringsten Zweifel, dass die Kernaussage der Komplizen richtig ist: Der Beschuldigte hat den Auftrag für die Diebestour nach Borghorst gegeben. Die drei Täter hätten das Kreuz dann selbst versteckt, um noch mehr als die 1000 Euro pro Person herauszuschlagen. Und als der Strippenzieher das kostbare Kirchenkunstwerk zurückerhalten habe, sei es von ihm an einen unbekannten Dritten für 150 000 Euro weiterverkauft worden. Davon hätten zwei der Kreuzdiebe jeweils 37 500 Euro erhalten.

Dass sich beiden Verurteilten in Teilen ihrer Aussagen vor Gericht widersprachen, ist für die Staatsanwältin kein Grund, an deren Glaubwürdigkeit zu zweifeln. „Erst wenn die Aussagen gleich gewesen wären, wären sie abgesprochen gewesen“, so die Vertreterin der Anklage. Das sah die Verteidigung ganz anders. Für sie sind die beiden Belastungszeugen, die ihren Mandanten bewusst in die Pfanne hauen wollten. Die Widersprüche werten die Verteidiger als Beweis für einen Komplott: „Da kann man eben nicht jede Einzelheit absprechen.“

Was auch die Staatsanwältin dem 42-Jährigen, der nach eigenem Bekunden weder lesen noch schreiben kann, hoch anrechnet, ist seine Mitwirkung am Wiederauffinden des Stiftskreuzes. Die Geschichte, die der Angeklagte dazu schon zu Beginn des Prozesses erzählt hatte, klingt für die Staatsanwältin hingegen wenig glaubwürdig. So will der Bremer einen Kredit über 52 000 Euro von einem Unternehmer in der Hansestadt aufgenommen haben, um das Kreuz wieder zurückzukaufen. Die Staatsanwältin wörtlich: „Das Geld kam nicht vom Angeklagten, das Geld kam von der Provinzial-Versicherung.“ Als Beweis für den Kredit präsentierten die Anwälte dem Gericht einen entsprechenden Vertrag.

Dass der 42-Jährige unmittelbaren Zugriff auf das Kreuz hatte, ist für die Anklage sehr wahrscheinlich. Ein Indiz: „Das Kreuz ist erst wieder aufgetaucht, als der Angeklagte in Haft saß.“

Die Verteidigung lieferte für die Rückgabe des Reliquiars eine eigene Erklärung. „Durch ein Wunder“, so der Anwalt, habe er nach der Festnahme seines Mandanten Kontakt zu dem Mann, er soll mit Vornamen Thomas heißen, herstellen können. Der hatte das Kreuz angeblich für 150 000 Euro angekauft.

Zu Beginn des Verhandlungstages hatte die Kammer mitgeteilt, dass sie der vor drei Wochen eingereichten Haftbeschwerde der Verteidigung stattgegeben habe. Die Verteidiger werten den Beschluss als Hinweis darauf, dass das Richtergremium ihrer Argumentation folgen und den 42-Jährigen nur wegen Begünstigung verurteilen.

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