Geschäftsidee für den Handel erhält Leader-Förderung Lieferservice auf zwei Rädern

Steinfurt -

Eigentlich ist die Idee aus der Not geboren. Doch wie mit vielen Dingen im Leben lassen sich mit etwas Fantasie und unternehmerischem Gespür aus vergleichbaren Gedankenspielen durchaus Projekte entwickeln, die es lohnt, dass man sie weiter verfolgt und vielleicht zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell ausbaut. Wie zum Beispiel in diesem Fall, bei dem es um einen Lieferservice für Steinfurt geht.

Von Dirk Drunkenmölle
Mit einem vergleichbaren Lastenfahrrad könnte sich nach Vorstellung von Dieter Kater der Steinfurter Lieferdienst schon in diesem Frühjahr auf den Weg machen und Produkte Steinfurter Firmen zu ihren Kunden bringen.
Mit einem vergleichbaren Lastenfahrrad könnte sich nach Vorstellung von Dieter Kater der Steinfurter Lieferdienst schon in diesem Frühjahr auf den Weg machen und Produkte Steinfurter Firmen zu ihren Kunden bringen. Foto: Drunkenmölle

Genauer gesagt darum, Menschen, die vielleicht nicht mehr so mobil sind oder nur wenig Zeit haben, um schnell ein paar Besorgungen um die Ecke zu erledigen, mit Produkten aus ihrer Nachbarschaft zu versorgen. Dieter Kater hat sich dazu Gedanken gemacht. Er hat beobachtet, dass er mit seiner Kaffeerösterei an der Meteler Stiege eigentlich zu weit entfernt von der Innenstadt und seiner Kundschaft ist, dass diese mal eben ihre frischen Bohnen direkt bei ihm an der Theke im Gewerbegebiet Sonnenschein kauft. Wenn der Kunden also nur schwer zum Kaffee kommt, dann muss der Kaffee leichter zum Kunden kommen, hat sich Kater gedacht und sich vorgestellt, dass es bestimmt nicht nur ihm, sondern möglicherweise einer ganzen Reihe Geschäftsleuten ähnlich ergehen könnte, Kunden zu binden.

Warum sollte man, so hat der Geschäftsmann sich gefragt, sich nicht zusammenschließen und mit einer frischen und auf Nachhaltigkeit angelegten Strategie Kundenströme, die sich zugleich immer mehr in Einkaufszentren oder ins Internet verlagern, zurück in den heimischen Handel lenken? „Der Bedarf ist da“, hat Kater beobachtet und ein Konzept entwickelt, dass offenbar so überzeugend ist, dass ihm die Verantwortlichen, die beim Kreis Steinfurt über Mittel des Leader-Projekts zur Regionalförderung entscheiden, schon kurz nach seiner Präsentation eine mündliche Förderzusage geben haben. „Ich war baff, wie schnell das gegangen ist“, konnte Kater sein Glück kaum glauben. Das war der Ansporn auf die Suche nach Mitstreitern zu gehen, die sein Projekt zu einem Steinfurter Projekt machen wollen.

Das Ganze soll so ablaufen: Kunden können ihre Bestellungen bei Steinfurter Geschäftsleuten bei einer zentralen Adresse per E-Mail oder Telefon aufgeben. Anschließen werden die Waren mit einem Lastenfahrrad ausgeliefert. Transportiert werden kann alles (bis auf verderbliche, heiße oder kalte Lebensmittel), was in die Fahrradkiste passt – also ein Netz Apfelsinen vom Obsthändler, Karten für die Kinovorstellung, Wäsche aus der Reinigung, eine Torte vom Bäcker, Schrauben aus dem Baumarkt oder Medikamenten aus der Apotheke. Besondere attraktiv ist das Modell deshalb, weil es mehrere Vorteile verspricht: dem Kunden entstehen (und das war eine Voraussetzung für die Leader-Förderung) keine zusätzlichen Kosten. Der Einzelhandel könnte verloren gegangene Kaufkraft zurückgewinnen und seine Produkte vor Ort besser absetzen. Kater: „Das trägt auch zur Wertschöpfung vor Ort bei.“

Image-Vorteile ergeben sich zudem daraus, dass der Service CO-neutral ist (die Akkus für den Fahrradantrieb ließen sich mit Solarenergie aufladen). Schließlich könnte der Betrieb mit Mitarbeitern oder gut Deutsch sprechenden Asylbewerbern organisiert werden, die es schwer haben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Dieter Kater ist zurzeit dabei, in Steinfurt Werbung für die Idee zu machen. Ziel ist es, im Frühjahr eine Testphase zu starten. Bis dahin sollen organisatorische Details geklärt sein. Noch, so räumt Dieter Kater ein, fallen die Reaktionen auf seine Idee zurückhaltend aus. Mit der Förderung durch das Leader-Programm verspricht er sich allerdings jetzt Anschub. Mit etwas Mut, Fantasie und Unternehmergeist lasse sich am Ende vielleicht doch etwas für die Stadt bewegen . . .

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