Handwerker decken Borghorster Kirche neu ein St. Nikomedes aufs Dach gestiegen

Borghorst -

In 20 bis 30 Metern Höhe arbeiten seit November Zimmerleute und Dachdecker auf dem Borghorster Gotteshaus. Sie erneuern das Schieferdach aus dem 19. Jahrhundert.

Von Linda Braunschweig
In luftiger Höhe bringt Manfred Kortüm die neue Holzverstärkung an. Ernst Telgmann (r.) erläutert die Vorzüge des sauerländischen Schiefers im Vergleich zum alten englischen.
In luftiger Höhe bringt Manfred Kortüm die neue Holzverstärkung an. Ernst Telgmann (r.) erläutert die Vorzüge des sauerländischen Schiefers im Vergleich zum alten englischen. Foto: lb

Oberhalb von Chorbereich und Querschiff steigen die Handwerker dem Gotteshaus aufs Dach. Sie erneuern die Abdeckung aus englischem Schiefer, die aus dem 19. Jahrhundert stammt. Ein Großprojekt: Rund eine halbe Million Euro investieren das Bistum Münster und zu einem kleinen Teil auch die Pfarrei St. Nikomedes in die Arbeiten, die dringend notwendig waren. An vielen Stellen war das Dach undicht, die Schieferplatten kaputt und die Belüftung im Gebälk praktisch nicht vorhanden, so dass das Holz morsch wurde. Zimmermann Ernst Telgmann und seine Kollegen von der Zimmerei Ueding machten im Winter den Anfang: Sie entfernten die alte Abdeckung und verstärkten die Eichenbalken darunter mit neuem Holz. Teilweise musste das Gebälk auch statisch ertüchtigt werden. Dann nagelten sie neue Dachpappe auf. Jedes Teilstück, das sie öffneten, musste bei Feierabend wieder verschlossen sein, damit es nicht hinein regnet. Schlechtwettertage nutzten die Handwerker, um im Gewölbe an den Balken zu arbeiten.

Dann rückten die Fachleute von der Firma Prange aus Brilon an. Als Sauerländer kennen sie sich mit Schiefer aus, im Gegensatz zu vielen hiesigen Dachdeckern, wie Bautechniker Werner Kersting vom Büro Steinberg Koeppen sagt, der das Projekt geplant hat. „Das ist eben nicht typisch münsterländisch.“ Dachdecker Sebastian Schulze und seine Kollegen nehmen jede Platte dessauerländischen Schiefers mehrfach in die Hand: Am Boden schlagen sie kleine Löcher hinein, dann transportieren sie die Platten mit einem Aufzug in luftige Höhe, wo sie angezeichnet, gelegt und mit zwei Nägeln sowie einem Haken am unteren Ende jeder Platte befestigt werden. Dabei müssen die Abstände stimmen. Viel Aufwand. Und entsprechende Kosten: Etwa doppelt so teuer wie ein Ziegeldach ist die Schieferversion. Aber etwas anderes wäre auch mit Blick auf den Denkmalschutz für St. Nikomedes ohnehin nicht infrage gekommen. „Dafür ist das Material sehr lebendig und hält lange“, sagt Schulze. Und das Naturmaterial aus dem Sauerland hat gegenüber der Ende des 19. Jahrhunderts verbauten Variante aus England einen Vorteil: Wenn es bricht, dann quer. Die englischen Platten reißen meist längs auseinander, werden dann nicht mehr vom Haken gehalten und rutschen herunter. Das kann nun nicht mehr passieren.

Die nächsten 150 Jahre, so schätzt Werner Kersting, braucht St. Nikomedes nach der Sanierung niemand mehr aufs Dach zu steigen. Wenn doch mal etwas kaputt geht, haben Dachdecker künftig eine zusätzliche Sicherung. Oberhalb der Sakristei entsteht ein umlaufender Sicherheitsgang, von dem aus speziell ausgebildete Dachdecker an Seilen gesichert arbeiten können. „Dort kann man aus Platzgründen keinen Hubsteiger einsetzen“, erklärt Karl Westermann, der die Dachsanierung für den Kirchenvorstand betreut, die Gründe.

Bis Mai, schätzt Werner Kersting, werden die Arbeiten noch dauern. Dann sind 900 Quadratmeter Dachfläche noch eingedeckt. In den kommenden Jahren sollen die weiteren Flächen folgen – und irgendwann auch der Innenraum der Kirche.

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