Stiftskreuzprozess Vitrine mit Schlüssel geknackt

Borghorst/Münster -

Sie hatten weder Vorschlaghammer noch Kuhfuß, nicht einmal einen Schraubenzieher dabei. Ein einfacher Hausschlüssel hat dem 33-jährigen Stiftskreuzdieb am Nachmittag des 29. Oktober 2013 gereicht, um die Tür der Sicherheitsvitrine in der Nikomedeskirche aufzufummeln. Sein Kompagnon nahm das Kreuz dann heraus, steckte es unter den Pullover und unter dem Alarm-Geläut der Kirchenglocken ging die Fahrt mit dem schwarzen Mercedes-Kombi zurück nach Bremen.

Von Axel Roll
Das Borghorster Stiftskreuz. Foto: Pier
Das Borghorster Stiftskreuz. Foto: Gunnar A. Pier

„Eigentlich wollten wir das Kreuz noch gar nicht stehlen. Wir wollten erst einmal die Lage checken“, erzählte am Dienstag der inzwischen verurteilte Täter vor der 3. Großen Strafkammer des münsterischen Landgerichts. Dort wird gegen den mutmaßlichen Auftraggeber des Diebstahls verhandelt. Da aber niemand in der Kirche war und der Glaskasten so wenig Widerstand bot, griff das Trio sofort zu.

„Er hat uns die ganze Zeit nur verarscht“

Der Dieb im Zeugenstand, der seine Strafe gerade in der JVA in Bremen absitzt, belastete den 42-jährigen mutmaßlichen Drahtzieher schwer. Und nicht nur das: „Er hat uns die ganze Zeit nur verarscht“, sagte der 33-Jährige mehrfach bei seiner vierstündigen Aussage.

Nach seiner Darstellung fing es damit an, dass der mutmaßliche Kopf eines Bremer Familienclans – in seinem Stadtteil soll er der „Bürgermeister“ genannt worden sein – dem Trio nur jeweils 1000 Euro für die Fahrt nach Borghorst zahlen wollte. „Auf dem Weg zurück haben wir gesehen, dass das Kreuz viel mehr wert ist“, schilderte der Zeuge seine Version der Geschichte. So hätten die Drei vereinbart, den Kirchenschatz erst einmal nicht ihrem Auftraggeber auszuhändigen, sondern selbst zu verstecken.

So sah der Deal aus

Nach einigem Hin und Her sei es zu einem Deal gekommen: Die Täter sollten 150.000 Euro bekommen und der „Bürgermeister“ wollte das Stiftskreuz zurückgeben und sich das Geld von der Versicherung zurückholen. In der Wohnung des 42-Jährigen soll er jeweils 37.000 Euro an zwei der drei Täter ausgezahlt haben. Die Scheine waren in Alufolie verpackt. „Bis auf die 500er.“ Nur das Reliquiar fand nicht seinen Weg zurück in die Borghorster Kirche. Dafür stand die Polizei schon bald vor der Tür und nahm die drei Diebe fest.

Der 33-Jährige glaubte, wie er sagte, bis zum Tag seiner Verurteilung, dass der Auftraggeber das goldene Diebesgut herausrückt und er dann frei- oder mit einer milden Strafe davonkommt. Darum habe er im Prozess gegen sich auch geschwiegen. Während der Verhandlung habe ihm noch die Mutter des „Bürgermeisters“ zugeflüstert, er solle durchhalten. „Er wird das Kreuz zurückgeben.“

„Ich weiß, wer das Kreuz hat.“

Kurz vor dem Richterspruch habe der 33-Jährige aber genug gehabt und informierte seinen Anwalt: „Ich weiß, wer das Kreuz hat.“ Der habe aber nichts mehr davon wissen wollen und gesagt, das sei jetzt zu spät. Anfang Juni des vergangenen Jahres packten der 33-Jährige und sein ebenfalls inhaftierter bester Freund bei der Polizei aus – und im Februar war der schmerzlich vermisste Kirchenschatz wieder da.

Der Dieb auf dem Zeugenstuhl will erst nach der Tat realisiert haben, was er da angerichtet hatte. „Mein Vater war richtig sauer auf mich.“ Dazu hatte der Erziehungsberechtigte schon häufiger Gelegenheit. Sein Sohn hat inzwischen 160 Straftaten auf dem Kerbholz.

Mehr zum Thema

Auftakt zum zweiten Stiftskreuzprozess:  Diebe träumten von sehr viel Geld

Millionenschwerer Kirchenschatz: Das Borghorster Stiftskreuz ist wieder da [MIT VIDEO]

Stiftskreuzprozess: Polizei stoppt Tumult im Gericht

Neue Popularität nutzen: Eine Chance für Borghorst?

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4702813?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F