Unterschiedliche Meinungen zu Autos in der Fußgängerzone Öffnen oder nicht?

Borghorst -

Die Borghorster Werbegemeinschaft will bei ihrer Jahreshauptversammlung am 29. März über eine mögliche Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr diskutieren. Siegfried Knüpp, Inhaber des Weinkontors und stellvertretender Vorsitzender der Werbegemeinschaft, hat die Initiative zusammen mit den Vorteilspartnern angestoßen.

Von Linda Braunschweig
Autos auf dem roten Pflaster? Die Idee wird in der Kaufmannschaft durchaus kontrovers diskutiert.
Autos auf dem roten Pflaster? Die Idee wird in der Kaufmannschaft durchaus kontrovers diskutiert. Foto: Axel Roll

Die Münsterstraße solle nicht für den Durchgangsverkehr geöffnet werden, erklärt er, sondern nur von beiden Seiten aus bis zum Marktplatz jeweils in eine Richtung befahrbar sein. Dort würden die Autos per Beschilderung gezwungen, rechts oder links abzubiegen und so die Münsterstraße wieder zu verlassen. Samstags und mittwochs müsse die Fußgängerzone wegen des Markts weiterhin autofrei bleiben, so Knüpp. Die Straßen seien dafür ausgelegt, denn die Regelung habe es vor Jahren schon mal gegeben. „Das Problem ist, dass wir zu wenig Besucher in der Stadt haben“, sagt Knüpp, der hofft, dass mehr Menschen den Weg ins Herz von Borghorst finden, wenn sie mit dem Auto dorthin fahren können. Kurzzeit-Parkplätze und Schrittgeschwindigkeit seien dabei ein Muss. Dort, wo die Autos bereits fahren könnten, wie am südlichen Ende der Fußgängerzone, profitierten die Händler davon.

An einem Online-Voting dieser Zeitung zu dem Thema haben sich bis Montag 138 Leser beteiligt. 52 Prozent von ihnen stimmten für eine Öffnung, 41 Prozent dagegen. Sieben Prozent gaben an, dazu keine Meinung zu haben. Und was halten die Borghorster Kaufleute von der Idee?

„Ich bin der Meinung, man sollte diesen Versuch starten“, sagt Paul Werning, Inhaber des Modehauses Wissing. Natürlich brauche es dafür ein Konzept mit Schrittgeschwindigkeit und Flächen für Kurzzeitparker, damit die Kunden kleine Besorgungen erledigen könnten. „Das deckt sich auch mit den Anregungen unserer Kunden“, sagt Wissing. Gleichzeitig, so meint der Geschäftsmann, werde es vielleicht leichter fallen, Leerstände unmittelbar entlang der Münsterstraße wieder zu vermieten. „Geschäfte für Dinge des täglichen Bedarfs siedeln sich eher dort an, wo sie schnell mit dem Auto erreichbar sind“, sagt Werning. Das gelte auch für Cafés und Bäckereien.

Den Schritt, Fußgängerzonen wieder aufzuheben, seien auch schon andere Klein- und Mittelzentren gegangen. „Meiner Meinung nach käme das Geschäfts- und Kundeninteressen gleichermaßen entgegen“, sagt Werning, der sich noch daran erinnern kann, dass die alte B 54 unmittelbar vor seinem Geschäft herführte.

Sigrid Waltermann, Inhaberin des Bücherecks, sieht das anders. „Dieser Schritt wird die Innenstadt nicht wiederbeleben“, ist sie sich sicher. Die Menschen würden ohnehin im Internet kaufen, ob nun wieder Autos durch die Fußgängerzone fahren dürften, oder nicht, ist Waltermann überzeugt. „Meiner Meinung nach sollte man die jetzige Situation so lassen“, so die Geschäftsfrau. Denn dann könnten Eltern in Ruhe mit ihren Kinderwagen durch die Stadt schieben, ihre Kinder auf dem Marktplatz spielen lassen und vielleicht noch ein Eis essen. Ihre Kunden hat Waltermann noch nicht darüber klagen hören, dass sie nicht unmittelbar vor der Tür parken können. Der nächste Parkplatz an der Geiststraße sei ja auch keine 50 Schritte von ihrem Geschäft entfernt, so Sigrid Waltermann.

„Ich begrüße das ausdrücklich, das wäre super“, sagt Sebastian Balster von der Parfümerie Balster. Fußgängerzonen sind aus seiner Sicht überholt. „Die Menschen wollen einfach bequemes Einkaufen. Gerade die Älteren überlegen sich zweimal, wo sie hinfahren.“ Da hätten Standorte auf der Grünen Wiese mit ihren großen Parkflächen Vorteile. Geschäfte wie die Parfümerie würden meist direkt angesteuert, weil sie der Bedarfsdeckung dienten. Parkplätze vor der Tür, um kurz reinzuspringen, kämen dem entgegen.

Alessandro Polla, Inhaber des Eiscafés Venezia, betrachtet die neue Diskussion um die Straße vor seiner Tür mit gemischten Gefühlen. Für sein Geschäft sieht er Vor- und Nachteile: „Für unsere Außengastronomie wäre es besser, wenn es so bliebe“, sagt Polla. Für diejenigen, die sich ein Eis für zu Hause holten, wäre die andere Variante von Vorteil.

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