Nacht der Bibliotheken „Das Land, wo die Gabionen blühen“

Burgsteinfurt -

„Lektüre-Intoleranz“ hatte am Freitagabend keine Chance. Im Gegenteil: Lust auf Lesen machte die „Nacht der Bibliotheken“ in der Stadtbücherei Steinfurt. „The place to be“ lautete das Motto der diesjährigen Ausgabe des NRW-weiten Veranstaltungsformates. Wieder einmal zeigte sich, dass die Stadtbücherei ein Kommunikationszentrum ist, in dem jeder sich wohlfühlt. Ein kaltes Buffet, angerichtet von den Förderern der Bibliothek, tat ein Übriges.

Von Diäten bis zu Sechs-Wort-Gesprächen: Mario Siegesmund (l.) und Achim Leufker gingen die Themen nicht aus. Dem Publikum gefiel es.
Von Diäten bis zu Sechs-Wort-Gesprächen: Mario Siegesmund (l.) und Achim Leufker gingen die Themen nicht aus. Dem Publikum gefiel es. Foto: Nix

Leiterin Monika Frieling hatte gemeinsam mit dem Förderverein zwei Autoren eingeladen, für die Spaß beim Schreiben ganz selbstverständlich dazu gehört. Achim Leufker aus Rheine und Mario Siegesmund aus Hamm amüsierten das Publikum ganz prächtig mit ihren schrägen Geschichten über Ehefrauen, Töchter, Pflanzenflüsterer, regionale Sprachsymptome, Diäten, Boxspringbetten und Haustiere. Den Wortakrobaten zur Seite standen zwei exzellente Musiker. Hans-Ralf Waterkamp mit seiner groovigen Gitarre und seinem Gesang im Duo mit Thomas Krause, der auf seiner Cajon – auch Kistentrommel genannt – den zuverlässigen Rhythmus schlug.

Zum „Warm up“ spielten die zwei unter anderem den Song „The Boxer“ vom „wohl großartigsten Singer-/Songwriter-Duo“ Simon and Garfunkel. Leufker glänzte mit einer Geschichte, die aus intelligenten Wortspielen mit bekannten Buchtiteln bestand: „Wem die Stunde schlägt, dem bleibt zum Schluss nicht einmal die Bürgschaft für den Schatz im Silbersee.“

„Kennst du das Land wo die Gabionen blühen?“, fragte Siegesmund. Wer kennt sie nicht, die Drahtschotterkästen in welche kleine und große Steine so gedankenlos eingesperrt werden? Manche Vorgärten seien „eine Verhöhnung der pflanzlichen Lebensform“, klagte der Autor und appellierte: „Stoppt die Gabionisierung des Abendlandes“.

Hamm ist das Tor zum Ruhrgebiet. Der eingeborene Autor entdeckte dort das „Sechs-Worte-Gespräch“, das seinesgleichen sucht: „Wie iss?“, „Muss, ne“, „Grüß schön“. Von hoher Aktualität ist auch das „Essay“ über „Boxspringbetten“, das SUV des kleinen Mannes. Diese „Erwachsenenhüpfburg ist so etwas wie der „Heilige Gral der REM-Schlafphase“.

Mit den ungeschriebenen Gesetzen des Ehestreits beschäftigte sich Achim Leufker. Was er im Laufe der Jahre lernte? Keinen Jahrestag zu vergessen, nicht gemeinsam zu tapezieren und zwei Badezimmer einzurichten. Mit den Katzenbesitzern verscherzte es sich der Dichter wohl auf immer und ewig. Wie kühn von ihm, den Samtpfoten Arroganz, Überheblichkeit und Selbstüberschätzung zu attestieren.

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