Robert Badde und Markus Lehnert gestalten Erzählabend im Bauhaus-Museum Bücher erzählen Stifts-Geschichte

Borghorst -

Als Markus Lehnert am Freitagabend auf seinem Cembalo französische Swieten und barocke Tanzsätze von Johann Sebastian Bach erklingen ließ, begaben sich seine Zuhörer in dem kleinen Raum vor der Stiftsbibliothek St. Nikomedes auf eine Zeitreise. Seine Musik bildete einen wunderbaren Rahmen, um im Neuy-Bauhaus-Museum, dem ehemaligen Stiftskurienhaus aus dem Jahre 1668, den Worten des Küsters Robert Badde zu folgen, der die alten Bücher präsentierte und seinen Zuhörern in die Hand gab.

Von Karl Kamer
Robert Badde lieferte seinen Zuhörern einen interessanten Einblick in die Stiftsbibliothek, deren ältestes Buch aus dem Jahr 1492 stammt.
Robert Badde lieferte seinen Zuhörern einen interessanten Einblick in die Stiftsbibliothek, deren ältestes Buch aus dem Jahr 1492 stammt. Foto: Karl Kamer

„In der Stiftsbibliothek befinden sich die historischen Buchbestände des 1811 aufgehobenen Kanonissen- und Damenstiftes Borghorst“, begann der ehemalige Küster von St. Nikomedes den Abend. Sie umfasse 764 Titel mit 1147 Bänden, davon über 950 Bände älterer Literatur, teils von bemerkenswerter Qualität. Darüber hinaus berichtete Badde über die Geschichte des 968 gegründeten Stiftes, der Urzelle des Ortes Borghorst. Die Borghorster Bibliothek gehört zu den interessanten Büchersammlungen mit älteren und schützenswerten Drucken wie auch die im Zisterzienserinnen-Kloster Gravenhorst, in der Stiftsbibliothek Metelen, in der Bibliothek des Gymnasiums Arnoldinum sowie in der Fürstlich-Bentheimischen Bibliothek.

Zu den Beständen in Borghorst gehören theologische Schriften in lateinischer und deutscher Sprache, viele als Übersetzungen aus dem Französischen und Italienischen. Daneben sind historische und philosophische Werke, sowie klassische Philologie vertreten. Unter den ehemaligen Besitzern fallen vor allem die Seelsorger im Stift und in der Pfarrei ins Auge. „Da ist zum Beispiel Wilhelm Zumhasch, der Pfarrer von 1886 bis 1901 war. Von ihm haben wir hier 150 Bände“, erklärte Badde. Interessant sei, dass die Stiftsdamen in keinem einzigen der Bücher als Vorbesitzer erscheinen. Es sei aber davon auszugehen, dass sie die Bücher nicht nur für den Schulunterricht nutzten, sondern sich auch zwecks eigener Bildung dem Buchstudium widmeten. In diesem Zusammenhang wies er gerne auf die Äbtissin Hedwig von Galen (1674 bis 1681) als Gründerin der Marienschule hin.

Die Geistlichen hätten ihre Bücher einfach zurückgelassen und der Gemeinde geschenkt, genauso wie ihm jetzt Pfarrer em. Heinrich Wernsmann, nach seinem Umzug vom Pfarrhaus in den Neubau an der Ecke Kolpingstraße/Nordwalder Straße, zwei Kartons voller wertvolle Bücher mit Predigten aus dem Kloster Gerleve übergeben hätte. Der Küster erzählte auch von den Folgen der französischen Revolution (1789 - 1802), als eine ungeheuer große Zahl Franzosen auswanderten. „23 französische Priester fanden Aufnahme in Borghorst. Sie unterrichteten die Kinder und brachten ihnen die französische Sprache bei“, sagte Badde.

Der Leiter des Dezernats Historische Bestände und Fachreferent für Geschichte und Buchwissenschaft der Universitäts- und Landesbibliothek in Münster, Reinhard Feldmann, sorgte unter Pfarrer Karl Holthaus für die Restaurierung der Bücher und deren sachgerechte Katalogisierung.

„Das älteste Buch in unserer Stiftsbibliothek stammt aus dem Jahre 1492, also nur 40 Jahre nach der ersten gedruckten Bibel“, freut sich Badde als er seinen Zuhörern das sehr gut erhaltene Buch zeigte und in die Hände gab. Der Titel lautet „Ambrosius Opera sancti Ambrosi“.

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