Wirtschaft Fusion für die Champions-League

KREIS STEINFURT/RHEINE -

Die genossenschaftliche Bankenlandschaft ist massiv im Umbruch. Auch in der Region. Gerüchte gab es hier schon länger. Am Freitag äußerten sich dann zeitgleich die Vereinigte Volksbank Münster und die VR-Bank Kreis Steinfurt.

Von Peter Henrichmann
Sie blicken sehr optimistisch  nach vorne und sind sicher, dass die Fusion mit Münster genau der richtige Weg ist: Die VR-Bank Kreis Steinfurt Vorstände Hubert Overesch, Franz-Josef Konermann und Ulrich Weßeler.
Sie blicken sehr optimistisch  nach vorne und sind sicher, dass die Fusion mit Münster genau der richtige Weg ist: Die VR-Bank Kreis Steinfurt Vorstände Hubert Overesch, Franz-Josef Konermann und Ulrich Weßeler. Foto: Peter Henrichmann

Das ging im Turbo-Tempo: Erst seit Anfang Januar 2017 sind die Chefetagen der VR-Bank Kreis Steinfurt und der Volksbank Münster im Gespräch miteinander. Nach nur zehn Wochen ist klar: Beide wollen eine Fusion. Drei Jahre wird der Weg dahin dauern. Im Mai 2020 sollen die Vertreterversammlungen die Fusion offiziell absegnen. Entstehen wird ein Institut (die drittgrößte Genossenschaftsbank in NRW) mit einem Bilanzvolumen von knapp fünf Milliarden Euro. Der neue Name? Ist noch unklar. Der neue Hauptsitz? Noch geheim. . .

Die VR-Bank-Vorstände Franz-Josef Konermann, Hubert Overesch und Ulrich Weßeler zeigten sich jetzt bei einem Pressegespräch in Rheine „sehr optimistisch“, dass das Projekt gelingt: „Die Kulturen der Häuser passen zusammen, wir denken ähnlich und sprechen die gleiche Sprache“, sagt Weßeler. Zudem lockt die große Stadt: „Münster ist für uns ein attraktives Geschäftsfeld mit solidem Wirtschaftswachstum und hoher Kaufkraft“, urteilt Hubert Overesch. Die neue Bank wird nach der Fusion spezialisierter im Geldgeschäft arbeiten können.

Sie wird die Erträge verbessern und wird deutlich größere Firmenkunden bedienen können. Hinzu kommt, dass man künftig mit fünf Milliarden Euro Bilanzvolumen zukunftssicher und „auf Augenhöhe“ mit anderen Banken agieren kann: „Was wir hier spielen, ist Champions-League“, sagt Franz-Josef Konermann.

Der Weg bis dahin wird arbeitsreich. Im April 2017 sollen Kooperationsverträge geschlossen werden und die Vorstände tüfteln aus, wie es weitergehen soll. Ab 2018 erarbeiten Projektgruppen die Umsetzung der Fusion. Ab 2019 werden beide Häuser gemeinsam (und das dürfte ein klarer Fusions-Vorteil sein) ihre bankinterne Organisation (Prozesse, Personal, Produkte) neu regeln. Sie werden gemeinsam mit ihrem IT-Dienstleister Fiducia aus Münster eine komplett neue Software einführen: „Wir werden alles einmal auf links drehen“, deutet Hubert Overesch an, dass da extrem viel Arbeit auf die Mitarbeiter zukommt.

Apropos: Gemeinsam haben beide Institute heute 1100 Mitarbeiter. Im Personalbereich dürfte aber künftig nachhaltig gespart werden. Insgesamt 150 Stellen sollen ohne betriebsbedingte Kündigungen wegfallen. Auch bei den Sachkosten setzt man darauf, erhebliche Einspareffekte zu erzielen.

Wer bei der Fusion rechtlich gesehen wen schluckt, wer übernimmt und wer übernommen wird, das ist noch nicht raus. Fest steht aber: „Es ist schon so, dass die VR-Bank Kreis Steinfurt deutliche Spuren in der neuen Bank hinterlassen wird“, kündigt Konermann an.

KOMMENTAR

EIN ETWAS MULMIGES GEFÜHL

Größer, stärker, zukunftsfähig werden – eine Bankenhochzeit kann bei der miesen Lage am Finanzmarkt Sinn machen. Für die geplante Fusion der beiden Institute aus dem Kreis Steinfurt und der Domstadt Münster mag es sehr viele sehr gute Argumente geben. Aber ein etwas mulmiges Bauchgefühl bleibt auch. Denn die Herkulesaufgabe der Fusion zur VR-Bank Kreis Steinfurt zwischen Ibbenbüren und Rheine ist gerade erst verdaut, erweist sich gerade erst als tragfähig (oder doch nicht?), schon steht die nächste Elefantenhochzeit ins Haus. Das wirkt hektisch. Und sorgt für Zukunftsängste bei den Mitarbeitern. Viele Arbeitsplätze sind bei der VR-Bank fusionsbedingt abgebaut worden. Der Aderlass wird weitergehen. Festzustellen ist auch, dass alle Fusions-Bemühungen im Kreis, im regionalen Wirtschaftsraum hier vor der Haustür, gescheitert sind. Warum nur? Nun soll eine fünf Milliarden Euro schwere Großbank geschmiedet werden. Bleibt zu hoffen, dass zwischen Borghorst und Warendorf, zwischen Hopsten und Drensteinfurt nicht die Nähe zu Region und Kunden verloren geht. Eigentlich trägt doch die VR-Bank Kreis Steinfurt in ihrem Namen, was sie ist und wo sie hingehört. Münster steht da nicht drin. Ob‘ s rein passt, wird die Zukunft zeigen. Hoffen wir, dass die Fusion klappt! Peter Henrichmann

http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4694687?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686838%2F