Jahreshauptversammlung des LOV Prümers stellt den Frieden wieder her

Burgsteinfurt -

„Wir müssen uns verändern, weil wir durch unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.“ Es ist dieser eine Satz in den Kernaussagen der „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), der zahlreiche Bauern auf die Palme bringt. Auch in Burgsteinfurt. Dort haben die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV) ihrem langjährigen Vorsitzenden, der heute Spitzenrepräsentant des WLV-Kreisverbandes ist, bei dessen „Heimspiel“ am Mittwoch beinahe die Gefolgschaft dafür gekündigt, dass er, so der Vorwurf, seinen Berufskollegen „an die Karre flicken“ wollte.

Von Dirk Drunkenmölle
Johann Prümers erläuterte am Mittwochabend seinen Burgsteinfurter Berufskollegen die „Offensive Nachhaltigkeit“ des WLV. Er gestand ein, dass eine Formulierung in den Kernaussagen falsch gewesen sei und versprach, die Aussage deutlich anders zu verfassen.
Johann Prümers erläuterte am Mittwochabend seinen Burgsteinfurter Berufskollegen die „Offensive Nachhaltigkeit“ des WLV. Er gestand ein, dass eine Formulierung in den Kernaussagen falsch gewesen sei und versprach, die Aussage deutlich anders zu verfassen. Foto: Drunkenmölle

„Wir müssen uns verändern, weil wir durch unsere Art und Weise der landwirtschaftlichen Erzeugung dazu beitragen, dass Boden, Wasser, Luft und Tiere sowie Elemente der Kulturlandschaft geschädigt werden.“ Es ist dieser eine Satz in den Kernaussagen der „Offensive Nachhaltigkeit“ des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV), der zahlreiche Bauern auf die Palme bringt. Auch in Burgsteinfurt. Dort haben die Mitglieder des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV) ihrem langjährigen Vorsitzenden, der heute Spitzenrepräsentant des WLV-Kreisverbandes ist, bei dessen „Heimspiel“ am Mittwoch beinahe die Gefolgschaft dafür gekündigt, dass er, so der Vorwurf, seinen Berufskollegen „an den Karren fahren“ wollte. Ja, gestand Prümers auf der LOV-Versammlung, er habe an dieser Kernaussagen mitgewirkt. Und ja, er bereue die Formulierung. Prümers ruderte zurück. Er versprach: „Ich werde dafür sorgen, dass die Aussage deutlich verändert wird.“ Da hatte sich die erste Aufregung wieder gelegt. Am Ende der fast dreieinhalbstündigen Sitzung war der Burgfriede der Bauern mit ihrem Verband wieder hergestellt.

Unruhe im Saal

Bereits zu Beginn der Sitzung in der Gastwirtschaft Korthus war Unruhe im Saal. LOV-Vorsitzender Henning Stoyke sprach von stürmischen Zeiten und davon, dass die Landwirtschaft zunehmend im Kreuzfeuer stehe. Hinzu komme, dass auch der Zusammenhalt innerhalb des Berufsstandes nicht mehr so stark sei. Landwirtschaftliche Produktionsmethoden in Tierhaltung und Ackerbau würden einen Akzeptanzverlust erfahren, der allein durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit nicht mehr aufgefangen werden könne, spielte Stoyke den Ball seinem Vorgänger zu, um zu erklären, was der WLV mit seiner „Offensive Nachhaltigkeit“ bezweckt hat.

Probleme benennen

Prümers machte wiederholt deutlich, dass es das zentrale Ziel gewesen sei, die Außenwahrnehmung und Akzeptanz landwirtschaftlichen Handelns deutlich und spürbar zu verbessern. Dazu gehöre auch, nicht nur Stärken und Kernkompetenzen herauszustellen, sondern Probleme und Schwachstellen der Produktion zu benennen und aktiv an einer Problemlösung zu arbeiten. In diesem Sinne sei der zitierte Satz zwar missverständlich formuliert, sei aber fruchtbar für die interne Diskussion gewesen, offen und ehrlich über das Selbstverständnis der Landwirte mit dem Ziel zu diskutieren, die ökonomische und soziale Stabilität der Betriebe zu verbessern, negative ökologische Auswirkungen der Produktion zu verringern und die Akzeptanz der Gesellschaft für die Landwirtschaft zu erhalten. „Wir haben die Kernkompetenz. Wir denken und handeln in Verantwortung für Generationen“, suchte Prümers den Schulterschluss mit seinen Berufskollegen und appellierte an den LOV, sich an der Diskussion des Papiers zu beteiligen und aufgeschlossen für Veränderungen zu sein. Nur so könne man mit Gesprächspartnern auf Augenhöhe reden und Vertrauen zurückgewinnen. Dazu gehöre es auch, Fehler einzuräumen . . .

Dauerbrenner: Westtangente und Campingplatz

Westtangente und Campingplatz. Der LOV-Vorstand wird nicht müde, seinen Widerstand gegen diese beiden Planverfahren jedes Jahr neu zu formulieren. Was die vom Kreis vorgeschlagene Trassenführung zur Entlastung der FH angeht, bleiben die Bauern dabei, keine Flächen für den Straßenbau zur Verfügung zu stellen. Keinen Zentimeter würden die betroffenen Grundstückseigentümer von dieser Position abweichen, machte LOV-Vorsitzender Henning Stoyke die Haltung unmissverständlich deutlich. Die Bauern fürchten um die Existenz ihrer Betriebe. „Keiner kann erklären, was das soll. Das ist völlig unverständlich“, sparte Stoyke nicht mit Kritik an dem von der Stadt im Zuge des Projekts in die Entwürfe aufgenommenen Wirtschaftsweg. Sollte das Planfeststellungsverfahren von der Bezirksregierung genehmigt werden, sei man bereit, den Klageweg einzuschlagen, wiederholte Stoyke seine Kampfansage an Politik und Verwaltung. Stoyke führte in diesem Zusammenhang noch einmal den Alternativvorschlag der Landwirtschaft an, die Verkehrssituation durch eine Verbindung zur FH über die Leerer Straße zu verbessern. Das sei nicht nur kostengünstiger und wesentlich einfacher zu planen, sondern auch schneller umzusetzen. Die Bauern würden dafür ihre Flächen zur Verfügung stellen. Was die Diskussion um den Campingplatz betrifft, freute sich Stoyke über den Beschluss der Stadt, dort kein „Dauerwohnen“ zuzulassen. Auch in der Bauerschaft Veltrup befürchten die Anrainer, dass den Höfen durch Fremdenverkehr ihr Radius beschnitten und der Natur- und Umweltschutz ausgehebelt wird. (dru)

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