Landwirtschaft Ungewöhnliches Hobby: Maisernte statt Sommerurlaub

Burgsteinfurt -

 „Prümers, Du bist bekloppt!“ Solche Sprüche hört Jochen "Jogi" Prümers häufig. Der Grund: Er nimmt sich extra Urlaub, um seinem Hobby nachzugehen: Mais ernten.

Von Axel Roll
Wenn sich Horst Neier mit seinem Ungetüm durch die Maisfelder frisst, sind Jogi Prümers und seine Kollegen nicht weit. Sie müssen den geernteten Mais abfahren und danach schnell wieder zur Stelle sein.
Wenn sich Horst Neier mit seinem Ungetüm durch die Maisfelder frisst, sind Jogi Prümers und seine Kollegen nicht weit. Sie müssen den geernteten Mais abfahren und danach schnell wieder zur Stelle sein. Foto: Axel Roll

Jogi hört‘s immer wieder: „Prümers, Du bist bekloppt!“ Ärgern konnte sich Jochen, wie der Jogi richtig heißt, über solche Sprüche noch nie. „Eigentlich haben meine Freunde ja Recht“, zuckt der 30-Jährige mit den Schultern, blockiert mit einem Tastendruck die Lenkung des Abschiebewagens, legt erst den Rückwärtsgang ein, schaltet dann auf Vorwärts und schaut im Rückspiegel aufmerksam zu, wie sein Hänger rund 18 Tonnen frisch gehäckselten Mais langsam auf den Silagehügel spuckt.

Wenn jemand seine Arbeit, so wie Jochen Prümers gerade, richtig gerne macht, ist er natürlich nicht automatisch bescheuert. Wenn er aber vier Wochen Jahresurlaub nimmt, um diesen alles andere als stressfreien Job zu machen, dann muss er sich solche Bemerkungen von seinen Kumpels wohl gefallen lassen. . .

„Mir macht der Umgang mit diesen Maschinen einfach Spaß“, grinst Prümers. Heute sitzt er im Führerhaus eines 270-PS-Monsters mit mannshohen Reifen. Diesen Schlepper der neuesten Generation fährt er besonders gern. Auch, weil Jogi bekennender Schalke-Fan und das Blech himmelblau gespritzt ist. „Der bringt die Kraft aber besonders gut auf die Straße“, weiß der Landwirtssohn aus Erfahrung. Und Kraft braucht Jogi reichlich. Ist der Hänger voll, ist er Herr über 35 rollende Tonnen Gewicht. Herausforderung, Verantwortung und Spaß zugleich.

Maisernte , das zeigt dieser Vormittag nur zu deutlich, ist Teamarbeit. Jogi und sein Gespann sind ein Glied in einer langen Kette. Oberstes Ziel: „Der Häcksler auf dem Feld darf nicht stillstehen.“ Darum muss die ungemein gefräßige Erntemaschine immer in Begleitung eines Treckers mit Hänger sein, der das von der Häckselpfeife ausgeblasene Pflanzen-Kleinklein auffängt. Auf dem Bock des Häckslers sitzt auch so einer wie Jogi. Horst Neier . Seine Freunde nennen ihn Häcksel-Horst. Und das sagt alles. Auch Neier ist bei jeder Maisernte dabei. Heute hat er besonders viel Spaß. Sein Chef, Lohnunternehmer Frank Palstring, hat einen Vorführ-Häcksler geordert. Der ist nicht nur niegelnagelneu und mit allem Pipapo ausgestattet, das man sich nur vorstellen kann. Er ist auch besonders hungrig, macht zehn Reihen Mais gleichzeitig den Garaus. Zwei mehr als der firmeneigene Häcksler.

Jochen Prümers weiß, dass seine Kollegen und er unter den Autofahrern nur wenige Freunde haben. „Wir bauen auf das Verständnis der Verkehrsteilnehmer“, betont Prümers. „Klar, wir können uns leider nicht in Luft auflösen“, weiß er. Aber sie würden so weit es geht Rücksicht nehmen. Und für dieses Jahr: „Wir haben Halbzeit bei der Ernte, dauert also nicht mehr lange.“

Wenn sich die Begeisterung der Autofahrer in Grenzen hält, die motorisierte Maisernte-Truppe hat doch so etwas wie eine Fangemeinde. Jogi zwinkert: „Wir nennen sie Mais-Touristen.“ So wie der Fahrer des schwarzen Mercedes da am Feldrand. Fasziniert schaut er zu, wie Häcksel-Horst das Feld im Handumdrehen abräumt. „Die gibt es immer mehr“, kann sich Jochen Prümers nicht wundern. Wie seine Freunde sagen, ist er ja auch so ein Verrückter. . .

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