32 000 Schusswaffen im Kreis Steinfurt Hohe Waffendichte

Kreis Steinfurt -

Über 32 000 Gewehre und Pistolen in Privatbesitz sind im Kreis Steinfurt registriert – meistens sind sie im Besitz von Jägern und Sportschützen. Aber auch der „kleine Waffenschein“ ist derzeit stark gefragt.

Von Frank Klausmeyer
Über 26 000 Langwaffen  sind im Kreis Steinfurt in Privatbesitz registriert. Hinzu kommen über 6000 Kurzwaffen. Alle, die eine Waffenbesitzkarte haben, sind nach Polizeiangaben entweder Jäger oder Sportschützen.
Über 26 000 Langwaffen  sind im Kreis Steinfurt in Privatbesitz registriert. Hinzu kommen über 6000 Kurzwaffen. Alle, die eine Waffenbesitzkarte haben, sind nach Polizeiangaben entweder Jäger oder Sportschützen. Foto: Colourbox

Ein elfjähriges Mädchen ist in der Neujahrsnacht im bayrischen Oberaurach von einem ehemaligen Sportschützen mit einem Kleinkalibergewehr erschossen worden – einfach so, weil der 53-Jährige sich über die Silvesterböllerei in seiner Nachbarschaft geärgert hatte. Die Waffe besaß er legal. Kein Einzelfall. Jedes Jahr gibt es in Deutschland dutzende Angriffe und Unfälle mit registrierten Schusswaffen. Da stellt sich der unbewaffnete Bürger schon mulmig die Frage, wie es um seine Sicherheit bestellt ist.

Grundsätzlich sei die Waffendichte in ländlichen Gebieten höher als in der Stadt, sagt Reiner Schöttler, Sprecher der Kreispolizeibehörde. Im Kreis Steinfurt mit seinen rund 440 000 Einwohnern sind 26 337 Langwaffen und 6247 Kurzwaffen registriert. Diese 32 584 Schusswaffen befinden sich im Besitz von 6397 Personen. „Alle, die im Kreis Steinfurt eine Waffenbesitzkarte haben, sind entweder Sportschützen oder Jäger“, erläutert Schöttler.

Voraussetzung bei Jägern für die Ausstellung einer Waffenbesitzkarte ist ein Jagdschein. Sportschützen müssen, um eine Waffe besitzen zu dürfen, laut Schöttler Mitglied eines Vereins sein, der dem Sportschützenverband angehört. Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, einen sogenannten großen Waffenschein zu beantragen. Dieser wird aber nur ausgestellt, wenn der Antragsteller glaubhaft machen kann, dass er „wesentlich mehr als die Allgemeinheit durch Angriffe auf Leib oder Leben gefährdet“ ist und „dass der Erwerb der Schusswaffe und der Munition geeignet und erforderlich ist, diese Gefährdung zu mindern“, wie es im Waffengesetz heißt. „Einen großen Waffenschein hat im Kreis Steinfurt aber niemand“, sagt Schöttler.

Dafür wurden aber jede Menge kleine Waffenscheine ausgegeben. Bis Ende vergangenen Jahres waren es 1882 im Kreisgebiet. Offenbar angeheizt durch die Übergriffe an Silvester in Köln ist – wie bundesweit – auch im Kreis Steinfurt die Nachfrage spürbar gestiegen. „Im gesamten vergangenen Jahr hatten wir 80 Anträge, allein in den ersten beiden Wochen dieses Jahres waren es schon 40“, berichtet der Sprecher der Kreispolizeibehörde.

Der kleine Waffenschein, für den laut Schöttler die Zuverlässigkeit und persönliche Eignung des Antragstellers geprüft werden, gestattet dem Inhaber das Mitführen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen – nicht aber deren Gebrauch. Erlaubnisfrei kaufen und zu Hause aufbewahren darf solche Waffen allerdings jeder Erwachsene.

Auch die Nachfrage nach dem landläufig so genannten Pfefferspray ist seit Kurzem laut Medienberichten erheblich gestiegen. Dieses darf theoretisch schon an Kinder verkauft werden. „Es handelt sich dabei eigentlich um ein Tierabwehrspray“ betont Schöttler. Reizstoffsprühgeräte, wie Polizeibeamte sie bei sich tragen, seien nicht frei verkäuflich.

Wie viele Schreckschuss- und Reizgaswaffen unterwegs sind, weiß die Polizei nicht. Kontrollen gibt es schon gar nicht. Die vorschriftsgemäße Aufbewahrung von Jagdgewehren und Sportwaffen werde dagegen von den Bezirksdienstbeamten und von den fürs Waffenwesen zuständigen Mitarbeitern der Kreispolizeibehörde überwacht, versichert Schöttler. Kontrolliert werde aber nur im Einzelfall und nicht bei Jedem, räumt er ein.

Bei Verstößen werde eine Frist zur Nachbesserung eingeräumt, in schwerwiegenden Fällen könnten die Waffen auch sofort sichergestellt, die Waffenbesitzkarte widerrufen und Bußgelder verhängt werden.

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