Hof Fleckenbühl als Ausweg Letzte Chance für einen Süchtigen

Steinfurt -

Das Steinfurter Amtsgericht hat einen 27-jährigen Borghorster – mit elf Einträgen im Bundeszentralregister – erneut zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein gerechtes Urteil?

Von Bettina Laerbusch

Martin Schmitt (Name v.d. Redaktion geändert) war elf Jahre alt, als er das erste Mal Alkohol trank. Drogen – Ecstasy, Cannabis, Amphetamin – kamen im Laufe der Zeit dazu. Wenn er betrunken war, wurde er aggressiv, oft gewalttätig, schließlich straffällig.

Elf Einträge sind über Schmitt, 1988 in Borghorst geboren, im Bundeszentralregister zu finden. Die Richterin las sie am Dienstag im Amtsgericht Steinfurt vor. Unter anderem wegen räuberischer Erpressung, Widerstand gegen Vollzugsbeamte und vorsätzlichem Vollrausch hat der 27-Jährige bereits vor Gericht gestanden. Jetzt musste er sich erneut verantworten: dieses Mal wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Zu mehreren Jugendarresten ist der 27-Jährige bereits verurteilt worden, auch zu zwei Gefängnisstrafen – jeweils zur Bewährung ausgesetzt. Unmöglich, dass ein Mann mit so einem Vorleben noch ein weiteres Mal mit einer Bewährung davonkommt – oder? Mitnichten: Zehn Monate – auf Bewährung –, so lautete kurz nach 12 Uhr das Urteil. Eine zu milde Strafe?

Nach einem gemeinsamen Abend war Martin Schmitt im April 2015 mit einer langjährigen Bekannten und deren Freundin zur Übernachtung in die Wohnung der Bekannten gegangen. Er sei mehr als sonst betrunken gewesen, sagten beide Frauen aus. „Mit dem Kopf im Hundekorb“ sei er eingeschlafen. Als die Bekannte ihn weckte, um ihm einen besseren Schlafplatz zuzuweisen, rastete der 27-Jährige „wie ein Psycho“ aus, berichtete das Opfer. Er warf sie auf ein Terrarium, schlug und trat sie. Die Freundin holte die Polizei. Diesen Vorfall werteten Richterin und Staatsanwalt als gefährliche Körperverletzung.

Ein zweiter Fall spielte sich bei der Schwester des Angeklagten ab. Deren Freund betonte vor Gericht indes, dass er keine Klage eingereicht habe. „Er hat schon genug Probleme. Er ist bei uns willkommen – aber nur, wenn er nüchtern ist“.

Um von seiner Sucht loszukommen, lebte der Borghorster 2014 ein ganzes Jahr in einem Kloster. Danach wurde er aber sofort rückfällig. Seit sechs Monaten ist er nun auf dem Hof Fleckenbühl in der Nähe von Frankfurt zu Hause – und trocken. Alle Bewohner dort hatten ein Suchtproblem. In der therapeutischen Gemeinschaft leben und arbeiten sie zusammen. Die Älteren helfen den neu Aufgenommenen. Dort gebe es sehr harte Regeln, betonte der Bewährungshelfer des Angeklagten, denen er sich bisher gebeugt habe.

Die Richterin gab Schmitt eine „letzte Chance“. „Ich hoffe, dass Sie auf einem guten Weg sind.“ Sie betonte, dass alle Bewährungsstrafen zusammenfließen würden, wenn er es jetzt nicht schaffe. Das Strafrecht habe auch und vor allem die Resozialisierung im Blick. Zwölf Monate muss Martin Schmitt bei den Fleckenbühlern bleiben: In diese Bewährungsauflage hatte er vor der Urteilsverkündung sofort eingewilligt.

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