Neujahrskonzert „Junge Wilde“ und die Liebe zum Tango

Gravenhorst/Kreis Steinfurt -

Stehende Ovationen erntete das „Ensemble 87“ beim Gravenhorster Neujahrskonzert für ihre Interpretation der Tango-Musik von Astor Piazzolla.

Von Achim Giersberg
Standing Ovations: Da hielt es das Publikum inklusive eines begeisterten Landrats nicht mehr auf den Plätzen – stehend applaudierten die Gäste einem großartigen „Ensemble 87“, das viel mehr als nur einen Hauch Argentinien nach Gravenhorst brachte.
Standing Ovations: Da hielt es das Publikum inklusive eines begeisterten Landrats nicht mehr auf den Plätzen – stehend applaudierten die Gäste einem großartigen „Ensemble 87“, das viel mehr als nur einen Hauch Argentinien nach Gravenhorst brachte. Foto: Achim Giersberg

Mann nehme vier Saxophone, ein Akkordeon, ein Klavier, sechs großartige Musiker, einen genialen Komponisten, einen klugen Moderator und ganz viel Tango: Fertig ist ein Gravenhorster Neujahrskonzert, das den rund 300 Gästen im restlos ausverkauften großen Saal des Kunstklosters noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Dabei war es nicht der einfache, eingängige Tango, der seinen Ursprung in den eher zwielichtigen Etablissements der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires hatte, den das „Ensemble 87“ so virtuos zelebrierte, sondern der „Tango nuevo“, erfunden von Astor Piazzolla, Komponist, Bandoneon-Spieler und bis heute ein Superstar des modernen Tango.

Moderator Winfried Fechner schaffte es, die Person Piazzollas mit wenigen biografischen Details und Anekdoten plastisch begreifbar zu machen. Nur knapp 1,50 Meter groß, körperlich gehandicapt, habe der sich mit eisernem Willen trotzdem zum Top-Schwimmer trainiert; „bockig“ sei er gewesen, eigenwillig – und hochmusikalisch. Wie im New Yorker Friseursalon seines Vaters dessen Tangobegeisterung auf den kleinen Astor abfärbte; wie er schon früh Klavier und Bandoneon lerne, wie er sich für Jazz nd Bach begeisterte und zum geschätzten Solist und Komponisten wurde, der sich vom Tango aber eher distanzierte – zu schlecht war der Ruf dieser Musik. Erst viel später, als er 1954 ein Stipendium gewann und in Paris bei Nadia Boulanger Komposition studierte und diese ihn entschieden ermunterte, zu seinen Tango-Wurzen zu stehen, kam Durchbruch.

Wie Sergey Markin (Klavier), Kristián Palágyi (Akkordeon) und Adrian Durm, Moritz Groß, Benjamin Reichel und Lukas Stappenbeck (Xenon-Saxophon-Quartett) die ursprünglich für ein Quintett aus Violine, Gitarre, Klavier, Bass und Bandoneon komponierten Stücke transferierten und interpretierten, war grandios: So viel Spielfreude, Können und musikalischen Überschwang wie bei diese „jungen Wilden“ des Tango hatte man schon lange nicht mehr gehört. Dass die sechs Musiker allesamt von der Dr. Karl Dörken-Stiftung gefördert werden, zu deren Kuratoren auch Winfried Fechner zählt, erlaubte zwischen Musikern und Moderator eine Vertrautheit, die dem Publikum so manchen Einblick in die Karriereplanung heutiger hochtalentierter Jung-Stars erlaubte. Am Ende gab es „standing ovations“ eines Publikums,, dessen anfängliche Skepsis („alles nur Piazzolla?“) schnell in pure Begeisterung umschlug. Dem Tango sei Dank.

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