Infektions-Bilanz Magen-Darm-Erreger im Vormarsch

Kreis Steinfurt -

Magen-Darm-Erreger waren im vergangenen Jahr im Kreis Steinfurt auf dem Vormarsch: 609 Fälle von Campylobacteriose wurden registriert, 146 Fälle von Rotavirus-Gastroenteritis, 541 mal schlugen Noroviren zu und 104mal Salmonellen – ein deutlicher Zuwachs gegenüber 2014. Positiv: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Grippewelle dieses Jahr ausfällt ist eher hoch.

Von Achim Giersberg

Die häufigste meldepflichtige Infektionskrankheit im vergangenen Jahr im Kreis Steinfurt war die Campylobacteriose. In 609 Fällen wurden die Campylobacter-Bakterien eindeutig als Ursache eines heftigen Brech-Durchfalls diagnostiziert. 2014 waren es noch nur 458 Fälle im Kreisgebiet. Insgesamt gibt es bei allen meldepflichtigen Infektionskrankheiten, die den Magen-Darm-Bereich betreffe, im vergangenen Jahr kreisweit einen zum Teil deutlichen Anstieg zu verzeichnen.

So erhöhte sich die Zahl der durch einen Norovirus verursachten Krankheiten von 301 Fällen in 2014 auf 541 im vergangenen Jahr. Ähnlich drastisch – von 89 auf 146 Fälle – fiel der Zuwachs bei der Rotavirus-Gastroenteritis aus, einem Brech-Durchfall, von dem besonders häufig Kleinkinder und Säuglinge betroffen sind. Und auch die Zahl der Salmonellose-Fälle stieg an – von 89 auf 104. Relativ wenig Auffälligkeiten gab es bei den übrigen meldepflichtigen Infektionskrankheiten; ihre Zahl bewegte sich auf dem Vorjahresniveau oder sank sogar leicht. Wie erklärt sich der Experte diese Entwicklung?

Dr. Detlef Schmeer, Leiter des Kreis-Gesundheitsamtes, hat zumindest bei der Campylobacteriose eine Vermutung: Der warme, grillintensive, Sommer 2015 könnte schuld sein – und der zunehmende Verzehr von Hähnchenfleisch. Denn nicht ausreichend durchgegartes Hühnerfleisch gilt als eine Haupt-Infektionsquelle. „Wenn viel gegrillt wird, gehen die Zahlen hoch“, sagt Schmeer.

„Hygienefehler“ spielen dagegen bei der Norovirus-Gastroenteritis, umgangssprachlich auch Magen-Darm-Grippe genannt, nach Schmeers Einschätzung seltener eine Rolle; die Übertragung geschehe eher von Mensch zu Mensch. Es gebe „Noro-starke und -schwache Jahre“, sagt Schmeer, die Ursachen für diesen Wechsel seien aber unklar.

Den Anstieg bei der Rotavirus-Gastroenteritis müsse man relativieren. Vor 2014 hätten die Fallzahlen jedes Jahr über 200 gelegen, bevor 2014 der starke Rückgang kam Der habe eventuell auch mit der neuen Impfempfehlung für Kleinkinder gegen diese Viren zu tun.

Salmonellen seien, so Schmeer, „eigentlich längst schon aus der Mode“. Früher seien mit Salmonellen belastete Eier und Eierspeisen wie Tiramisu Hauptursache für Erkrankungen gewesen. Heute würde das Problem schon im Rahmen der Legehennen-Haltung bekämpft und sei „relativ gut im Griff“ – glücklicherweise, denn eine Salmonellen-Infektion sei immer eine sehr ernste und unangenehme Angelegenheit.

Eine positive Perspektive lässt sich allerdings auch aus der Statistik des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein Westfalen ableiten, und die betrifft die Influenza, also die „echte Grippe“, nicht zu verwechseln mit einer einfachen Erkältung. 253 Fälle gab es 2015 im Kreis Steinfurt, im Jahr zuvor waren es nur 11. 2013 registrierten die Statistiker 302 Fälle, 2012 wiederum nur 10. Dieser Wechsel habe durchaus System, meint Dr. Schmeer, denn der aktuelle Influenza-Impfstoff schütze immer besonders gut gegen den Erreger der vorherigen Saison. Außerdem seien einmal Infizierte immun gegen denselben Erreger. „Ich vermute also, dass wir in 2016 wieder wenige Fälle und nur eine schwache Grippe-Welle haben werden“, sagt Schmeer. Das sei allerdings keine Garantie, sondern auch „eine Menge „Spekulation“.

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