Thema Nahwärme könnte wieder aktuell werden Großer Wärmeüberhang vor Ort

Saerbeck -

Das Thema Nahwärme für Wohnhäuser köchelt wieder hoch, nachdem im Frühjahr aus dem Rathaus die Absage für den letzten Versuch, ein eingeschrumpftes Mini-Netz von der Gläsernen Heizzentrale für Lindenstraße und Bürgerzentrum, gekommen war.

Von Alfred Riese
Industrie-Stillleben: Schraubenschlüssel und Rohrzange auf einem der beiden alten 500-Kilowatt-Blockheizkraftwerke der SaerGas-Biogasanlage im Bioenergiepark. Neben Strom produziert es mehr Wärme, als vor Ort gebraucht wird.
Industrie-Stillleben: Schraubenschlüssel und Rohrzange auf einem der beiden alten 500-Kilowatt-Blockheizkraftwerke der SaerGas-Biogasanlage im Bioenergiepark. Neben Strom produziert es mehr Wärme, als vor Ort gebraucht wird. Foto: Alfred Riese

Mit ungewöhnlicher Deutlichkeit haben beim jüngsten Energiestammtisch unter anderem Vertreter der SaerGas auf die großen Mengen überschüssiger Wärme hingewiesen, die an den Blockheizkraftwerken (BHKW) im Bioenergiepark (BEP) anfallen.

„Ich sage das in Richtung der Ratsmitglieder hier: Wir haben im Park einen großen Wärmeüberhang“, erklärte Manfred Stallfort, einer der Geschäftsführer der SaerGas GmbH & Co. KG. „Wir würden diese Wärme gerne zu den Saerbeckern bringen als regionale Versorgung“, bekräftigte er Vorschläge aus der Hochphase der Nahwärmenetzplanung im Jahr 2016. Stefan Brinkmann, Projektleiter beim Ingenieur-Netzwerk Energie eG (Ineg, Bad Iburg), sprang dem Saerbecker Landwirt und Biogas-Pionier bei. Der Ingenieur, der für die SaerGas die Aufrüstung der Biogasanlage und der BHKWs betreut, schlug mehrfach eine „Neuberechnung in Sachen Nahwärme“ vor. Die Ineg entwickelt auch solche Netze. „Die Wärme könnte viel sinnvoller genutzt werden“, reihte sich Dieter Ruhe ein, Vorstandsmitglied des Fördervereins Klimakommune als Veranstalter des Energiestammtischs. Direkt auf diesen Vorstoß eingestiegen ist keines der Ratsmitglieder aus CDU, SPD und von den Grünen, die beim Energiestammtisch dabei waren.

Der gerade abgeschlossene Ausbau der SaerGas-Anlagen im BEP hat zunächst das Ziel, Strom flexibler, entsprechend dem aktuellen Bedarf im Netz und damit wohl auch wirtschaftlicher liefern zu können. Dafür haben die Gärbehälter der Biogasanlagen Speicherkuppeln für Gas bekommen. Und es gibt einen großen Pufferspeicher für die Wärme. Die wird aktuell nur für die Trocknung von Gärresten zu Dünger gebraucht.

„Die Wärmenutzung ist für die Flexibilisierung der Stromproduktion sehr wichtig“, betonte Ineg-Ingenieur Brinkmann. Das liegt auf der Hand: 2031, 20 Jahre nach Inbetriebnahme, fällt die Biogas-Anlage aus den Vergütungsgarantien des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Die aktuellen Investitionen in Millionenhöhe fußen auf neueren Gesetzesänderungen und sind auch eine Vorbereitung auf „die Zeit danach“, das machte Hendrik Uhlenbrock, einer der SaerGas-Geschäftsführer, deutlich. Eine Wärmevermarktung könnte allerdings auch schon vor 2031 die Einnahmen erhöhen und den Betrieb wirtschaftlich absichern.

Gescheiterte Versuche:Versuche, die SaerGas-Wärme an den Mann beziehungsweise in die Häuser zu bringen, scheiterten bisher. Der Betrieb eines Nahwärmenetzes vom BEP in das Dorf unter dem Titel „KWK-Projekt“ rechnete sich nicht, das Projekt wurde Ende 2016 abgesagt. Andere Mini-Modelle kamen nicht über die Planungsphase hinaus. Mit steigenden Energiepreisen könnten sich die Rechnungen ändern, sagte Bürgermeister Wilfried Roos am Dienstag auf Nachfrage. Es gelte aber der Ratsbeschluss, keine weitere Arbeit in solche Projekte zu stecken. „Seitens der Gemeinde läuft nichts in Sachen Nahwärme aus dem Bioenergiepark für Bestandshäuser“, erklärte Roos. Für das angekündigte neue Wohnbaugebiet westlich der Hembergener Straße könnte es ihm zufolge ein anderes Energieproblem geben. „Es ist nicht sicher, dass die Gelsenwasser AG dort noch Gasleitungen legt“, sagte Roos. Ein Grund sei die geringe Gasabnahme von immer besser gedämmten Häusern. Ohne Gasnetz wären andere Lösungen für Heizung und Warmwasser gefragt.

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