Saerbecker Teilnehmer beim Sandstein-Seminar Wo Vogeltränken eineunzumutbare Beleidigung sind

Saerbeck/Dörenthe -

Nein, da lässt Friedel Niggemann nicht mit sich reden: „Vogeltränken machen wir hier nicht“, stellt er schon bei der Vorbesprechung für sein x-tes Sandstein-Seminar klar. „Und Eulen nur, wenn ich bestimmen darf, wie die aussehen.“ Und damit: Basta!

Fleißig bei der Arbeit waren alle Teilnehmer.
Fleißig bei der Arbeit waren alle Teilnehmer. Foto: Hans Lüttmann

Aber auch: Willkommen zu zwei anregenden – ach was, anstrengenden – Tagen am Kulturspeicher Dörenthe, an denen sich zehn Anfänger und leidlich Fortgeschrittene aus Saerbeck und Mettingen, Ibbenbüren, Emsdetten und Hagen am Teutoburger Wald dieselbe Frage stellen: Kann ich aus diesem Stein herausholen, was angeblich in ihm steckt?

Die Steine besorgt Steinmetz Niggemann, der auch das nötige Werkzeug mitbringt: Fäustel, Zahneisen, Bleistift und Klüpfel. „Sag jetzt bloß nicht: Hammer!“, rät ein Seminar-Wiederholer, der sich Großes vorgenommen hat und einen Stein auf den Arbeitstisch legt, den er nur mit zwei anderen Männern aus dem Anhänger holen kann. Auf allen Steinen, Reststücke oder Verschnitte wie es scheint, hat Friedel Niggemann die jeweiligen Vornamen („Wir duzen uns hier.“) der Seminarteilnehmer geschrieben, die bei der Vorbesprechung schon mal angekündigt haben, was sie aus dem Stein herausmeißeln wollen.

Bevor die schutzbebrillten Seminarteilnehmer zu Klüpfel und Eisen greifen, reißt Friedel Niggemann mit wenigen Bleistiftstrichen einige Konturen auf den Steinen auf, und schon bald weht der laue Sommerwind ein vielstimmiges Klopfkonzert über den Kanal.

Seit zwölf Jahren gibt Friedel Niggemann nun diese Sommerseminare und schickt mit diesem, für 2018 letzten, den 617. Teilnehmer nach getaner Arbeit lächelnd nach Hause; es hätten auch 619 sein können, aber ganze zwei aus dieser Schar von grob gerechnet 56 Fußballmannschaften, gaben ihre Ausflüge in die Steinmetzerei vorzeitig auf.

Zwei Tage lang klüpfeln, meißeln und schleifen sie, picken ab, schlagen weg, arbeiten heraus, was der Stein lieber für sich behalten möchte, und freuen sich nach wackerer, durchaus mühsamer Kratz- und Schaberei über ein sparsames Lob des Lehrmeisters: „Hans, ich bin fast einverstanden mit deinem Werk.“

Nichts auf der Welt ist ewig, aber Steine sind nah dran; vielleicht widersetzen sie sich deshalb jeder Versuche, sie in irgendwann ja doch vergängliche, verwitternde Gebilde umzuformen. Und Vogeltränke ist für einen fast Ewigen eine absolut unzumutbare Beleidigung.

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