Tanzen gegen Demenz Besser als Kreuzworträtsel lösen

Saerbeck -

Margret Wieskötter führt für ihr Anliegen einen prominenten Zeugen an: den TV-Moderator, Mediziner und Wissenschaftsjournalisten Dr. Eckhart von Hirschhausen. Dessen Aussage ist klar: „Kein Medikament, kein Schachspiel, keine Nahrungsergänzung hat bislang eine bessere Wirkung gegen Demenz gezeigt, als regelmäßig ein paar Schritte aufs Parkett zu legen“, schrieb er im „Spektrum der Wissenschaft“-Themenheft „Gehirn & Geist“ – nachdem er es selbst ausprobiert hatte.

Von Alfred Riese
Körper und Geist zusammen in Bewegung, das hält Tänzer auch im Kopf fit. Auf dem Parkett des Tanzsportclubs „young and old“ in Emsdetten sind hier Margret Wieskötter (Tanzleiterin für Senioren) und ihr Mann Hermann unterwegs sowie Wiebke Breitzmann und Julian Schulte-Austum.
Körper und Geist zusammen in Bewegung, das hält Tänzer auch im Kopf fit. Auf dem Parkett des Tanzsportclubs „young and old“ in Emsdetten sind hier Margret Wieskötter (Tanzleiterin für Senioren) und ihr Mann Hermann unterwegs sowie Wiebke Breitzmann und Julian Schulte-Austum. Foto: Alfred Riese

Und er war damit voll auf einer Wellenlänge mit der Saerbecker Tanzsporttrainerin und Tanzleiterin für Senioren.

„Demenz und Depression können miteinander verbunden sein und werden in Zukunft deutlich zunehmen“, davon ist Margret Wieskötter überzeugt. Wer bei klarem Verstand erkennen müsse, dass die eigenen Fähigkeit schnell nachlassen und die Fehler mehr werden, der könne auch rasch in eine Depression rutschen. Ihr Rezept zur Vorbeugung: tanzen. Für die vielseitige, heutige Breitensport-Trainerin, die früher mit ihrem Mann Hermann selbst auf S-Klasse-Turnieren antrat, gibt es nichts Besseres, um die geistige und körperliche Fitness im Alter nicht zu verlieren. „Tanzen fordert und fördert das Gehirn“, beschreibt Margret Wieskötter den Mechanismus. Aber man müsse rechtzeitig, mit etwa 40 Jahren, damit anfangen. Deshalb rührt sie die Werbetrommel für Tanzen als Präventionssport zwei oder drei Jahrzehnte, bevor die Diagnose der schleichenden Demenz droht.

Die Grundlage ihrer Überzeugung ist auch eine Untersuchung von Prof. Christian E. Elger, Leiter der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn und in den 1980er Jahren Oberarzt in der Klinik für Neurologie der Universität Münster. 1000 Teilnehmer übten sich in zehn verschiedenen Sportarten, ihre Gehirnaktivität wurde im MRT begutachtet. Eckhart von Hirschhausen lernte das Tanzen neu und beschrieb das Ergebnis auf den Tomografie-Bildern so: „Es zuckte und leuchtete von der Birne bis in die Beine und zurück.“ Seine Schlussfolgerung: „Offenbar erhält nichts unsere grauen Zellen so gut wie ein buntes und bewegtes Leben.“ Kreuzworträtsel lösen und Schwimmen schnitten schlechter ab.

„Tanzen fordert und erfreut uns auf vielen Ebenen. Wir bewegen unseren Körper und den eines anderen oder uns innerhalb einer Gruppe. Wir lernen neue Bewegungsmuster, der soziale Kontakt und die Musik machen uns glücklich“, so beschreibt Margret Wieskötter die Wirkungen des Tanzens. Es trainiere vieles gleichzeitig und sorge für den Aufbau neuer Verbindungen im Gehirn. Die soziale Komponente fördere das Denkorgan ebenso. Auch deshalb zählt wohl der Rollatortanz, den die Trainerin anbietet, zum regelmäßigen Programm des Seniorenzentrums am See.

Wo und wie getanzt wird, ist Margret Wieskötter eigentlich egal: Bauchtanz, Zumba-Goldies in ihren Club „young and old“, Paartanz im Sportclub Falke, Hiphop Ü30 im HK Dance Studio in Saerbeck, Rollator- oder Seniorentanzgruppe, Volkstanzgruppe oder bei den Seniorentanzgruppen, die die DJK Greven demnächst startet. „Einfach mal mit Geduld ausprobieren“, rät sie, und rechtzeitig anfangen. Aber selbst im Seniorentanzkreis erlebe sie immer wieder bemerkenswerte Lernleistungen, wenn das Gehirn auf Touren kommt.

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