Professor Vasiyl Stepanowitsch Zagorodnuk zeichnet die Lebenslinie seines Onkels Konrad Sahorn nach Das Schicksal eines Heimatlosen

Saerbeck -

Die Plätze wurden knapp am Donnerstagabend im Pfarrheim. Mehr als 100 Zuhörer füllten den Pfarrsaal. Über die große Resonanz zum Themenabend „Heimatlos im Kalten Krieg“ freute sich der Heimatverein. Gespannt erwarteten die Besucher den Vortrag von Professor Vasiyl Stepanowitsch Zagorodnuk von der Universität Cherson nahe Kiew. Er rezitierte in seiner Muttersprache Verse aus seinem Buch „Die Liebe hat doch gesiegt“. Bei der anschließenden Übersetzung erfuhren die Teilnehmer, dass der Referent damit die Lebenslinie seines Onkels Konrad Sahorn nachgezeichnet hatte, die in Saerbeck schließlich ein glückliches Ende fand.

Von Marlies Grüter
Prof. Vasiyl Stepanowitsch Zagorodnuk und seine Übersetzerin bei dem Vortrag im Pfarrheim.
Prof. Vasiyl Stepanowitsch Zagorodnuk und seine Übersetzerin bei dem Vortrag im Pfarrheim. Foto: prf

Die Plätze wurden knapp am Donnerstagabend im Pfarrheim. Mehr als 100 Zuhörer füllten den Pfarrsaal. Über die große Resonanz zum Themenabend „Heimatlos im Kalten Krieg“ freute sich der Heimatverein. Gespannt erwarteten die Besucher den Vortrag von Professor Vasiyl Stepanowitsch Zagorodnuk von der Universität Cherson nahe Kiew.

Er rezitierte in seiner Muttersprache Verse aus seinem Buch „Die Liebe hat doch gesiegt“. Bei der anschließenden Übersetzung erfuhren die Teilnehmer, dass der Referent damit die Lebenslinie seines Onkels Konrad Sahorn nachgezeichnet hatte, die in Saerbeck schließlich ein glückliches Ende fand.

Woher stammte Konrad Sahorn? Mit einem Lichtbildervortrag und einem Dokumentarfilm stellte Professor Zagorodnuk den Saerbeckern das kleine Dorf in der Nähe der Schwarzmeerküste vor, in dem er selbst und sein Onkel Konrad Sahorn geboren wurden.

Vor vier Jahren machten sich André und Johanna Sahorn auf die Suche nach Konrad Sahorn, von dem man in Saerbeck bis dahin nur wusste, dass er 1942 ins Münsterland kam und als NS-Zwangsarbeiter in Deutschland arbeiten musste. In einem mühsam, recherchierten Bericht schrieben André und Johanna Sahorn dazu unter anderem: „Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kamen die Sowjets, um alle Zwangsarbeiter wieder zurück zu holen. Der damals 17-Jährige konnte sich jedoch monatelang bei einer älteren Dame in Greven verstecken. Als Konrad Sahorn eine Uhr bei einem Grevener Uhrmacher zum Reparieren gab, verpfiff der den jungen Mann, um sich an der Uhr zu bereichern. Bei Abholung seiner Uhr standen Vertreter des KGB und der russische Geheimdienstes vor der Tür, um Sahorn zu verhaften. Doch er konnte durch einen Hintereingang flüchten und rannte in Richtung Saerbeck. Auf dem Bauernhof Adrian konnte er erneut untertauchen. Dort erfuhr er, dass ein verwandter Lohnunternehmer einen Arbeiter sucht. Er bekam sie und lebte in der Besatzungszeit fortab auf dem Hof Adrian-Massmann. Aus Kindrad Sahorodnyk wurde Konrad Sahorn von den Behörden eingedeutscht. Alle nannten ihn Franz, damit er als untergetauchter nicht auffällt und niemand dumme Fragen stellt. Bis 2008 lebte er in Saerbeck und starb im Alter von 81 Jahren.“

Herzlich bedankte sich Zagorodnuk bei allen Saerbeckern für ihren den Mut und das Engagement, mit dem sie dazu beitragen konnten, Konrad Sahorn in Deutschland bleiben durfte und ein neues Leben aufbauen konnte. Wäre er während des Kalten Krieges abgeschoben worden, hätte ihn dort der sichere Tod erwartet.

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