Jung, stark, modern: Tief berührende „Iphigenie“-Aufführung des Theatrum-Ensembles Drama über menschliche Größe

Saerbeck -

Griechische Mythologie gepaart mit altmodischem Sprachstil, ist das heutzutage noch zeitgemäß? Auf jeden Fall, dachte sich wohl auch der Arbeitskreis Kunst-Kultur-Kirche, der zusammen mit dem Katholischen Kreisbildungswerk Steinfurt, mit Unterstützung der Sparkasse, das „Ensemble Theatrum Schloss Hohenerxleben“ zum dritten Mal nach Saerbeck einlud.

Von Tünde K.-Linnemann
Die Schauspieler beeindruckten die Zuschauer mit ihrem großen schauspielerischen Talent und enormem Tiefgang, der die Seele berührte.
Die Schauspieler beeindruckten die Zuschauer mit ihrem großen schauspielerischen Talent und enormem Tiefgang, der die Seele berührte. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Nach „Maria Magdalena“ 2014 und „Das Hohe Lied der Liebe“ zwei Jahre später, hatte es nun den Goethe-Klassiker „Iphigenie“ im Gepäck. Darin geht es darum, wie es der verstoßenen Königstochter und Priesterin Iphigenie gelingt, das Herz des grausamen Königs Thoas zu erweichen, um ihren zum Tode verurteilten Bruder Orest und dessen Gefährten Pylades zu retten.

Das wollte sich eine stattliche Anzahl an „Bildungsbürgern“, wie Pastoralreferent Werner Heckmann das Publikum begrüßte, am Sonntag in der Bürgerscheune nicht entgehen lassen. Er betonte, wie aktuell die Thematik gerade hier und jetzt sei, auch von Seiten der katholischen Kirche. „In unserem Vaterland sollen Flüchtlinge Schutz finden, weil sie unsere Schwestern und Brüder sind“, appellierte Heckmann. Dieser aktuelle Bezug war neben der Liebe zur Sprache für das „Ensemble Theatrum“ auch ausschlaggebend dafür, „Iphigenie“ in sein Repertoire aufzunehmen. Friederike von Krosigk (Iphigenie), Thomas Zieler (Thoas), Hubertus von Krosigk (Orest) und Lucia Keller, Nachwuchsdarstellerin und Musikerin mit griechischen Wurzeln, beeindruckten die Zuschauer mit ihrem großen schauspielerischen Talent und enormem Tiefgang, der die Seele berührte.

Mit ungeheurer Intensität formte Friederike von Krosigk die Figur der Iphigenie, die „Mut zum Menschsein“ macht, wie sie selbst sagt. „Kann uns zum Vaterland die Fremde werden?“ stellt Iphigenie die Frage, wie sie aktueller nicht sein könnte. Ihre Antwort lautet: „Fremd ist mir das Vaterland geworden.“ Mit großer Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft gestalteten Thomas Zieler und Hubertus von Krosigk ihre Rollen. Durch Lucia Keller erhielt „Pylades“ seinen jugendlichen Elan. Außerdem sorgte sie mit klangvollen griechischen Liedern und gekonnter Klavierbegleitung für die musikalische Komponente. In dieser Inszenierung, in der Darstellung, Bühnenbild, Kostüme, Musik und adäquate Lichtregie wunderbar zusammenpassen, lag der besondere Fokus auf dem klassischen Humanitätsgedanken. Thoas‘ „Leb wohl“, mit dem er die Gefangenen und Iphigenie ziehen ließ, schrieb Literaturgeschichte. „Toleranz sollte auch die Antwort auf die Frage nach der deutschen Leitkultur sein“, da waren sich die Schauspieler einig.

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