Wieder einmal eine ungewöhnliche „Zehn-Minuten-Auszeit“ in St. Georg Die Zeitung als Gebetbuch

Saerbeck -

Nanu, was soll das denn? Wer setzt sich denn zum Zeitunglesen in die Kirchenbank? Die Besucher der zweiten „Auszeit“ in St. Georg glaubten wohl zuerst an einen Werbe-Gag ihrer Lokalzeitung, als Pastoralreferent Werner Heckmann sie aufforderte, statt des Gebetbuchs eine Zeitung vom Stapel zu nehmen, den er im Mittelgang der Kirche ausgelegt hatte. Aber wer die erste „Auszeit“ am Freitag voriger Woche besucht hatte, hätte ahnen können, dass es auch diesmal wieder zunächst irritierende zehn Minuten werden würden. Vergangene Woche hallte plötzlich der bekannteste Song von „Geier Sturzflug“ durch die Kirche: „Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“.

Von Hans Lüttmann
Gebete aus der Zeitung? Ja, sagten Clara Leiting und Werner Heckmann und belegten es mit der aktuellen Tageszeitung.
Gebete aus der Zeitung? Ja, sagten Clara Leiting und Werner Heckmann und belegten es mit der aktuellen Tageszeitung. Foto: Hans Lüttmann

Nanu, was soll das denn? Wer setzt sich denn zum Zeitunglesen in die Kirchenbank? Die Besucher der zweiten „Auszeit“ in St. Georg glaubten wohl zuerst an einen Werbe-Gag ihrer Lokalzeitung, als Pastoralreferent Werner Heckmann sie aufforderte, statt des Gebetbuchs eine Zeitung vom Stapel zu nehmen, den er im Mittelgang der Kirche ausgelegt hatte.

Aber wer die erste „Auszeit“ am Freitag voriger Woche besucht hatte, hätte ahnen können, dass es auch diesmal wieder zunächst irritierende zehn Minuten werden würden. Vergangene Woche hallte plötzlich der bekannteste Song von „Geier Sturzflug“ durch die Kirche: „Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“.

Diesmal also, nach einer meditativen Einstimmung von Clara Leiting über Körperwahrnehmung und das Fallen einer Last von den Schultern, die Zeitung als Gebetbuch. Werner Heckmann verlas vor der Zeitungslektüre ein dazu sehr passendes Zitat des im vergangenen Jahr verstorbenen Fernsehpfarrers Jörg Zink: „Die Zeitung lesen heißt sich entsetzen, heißt erschrecken, heißt staunen und bangen. Wer nicht weiß, was er beten soll, schlage eine Zeitung auf und rede mit Gott über das, was er liest. Er wird, ehe er es sich versieht, ein Fürbittender sein. Er wird für sein eigenes Ergehen danken. Er wird verstehen, was es bedeutet, dass fremde Menschen seine Brüder und seine Schwestern sind. Er wird von sich selbst frei werden. Er wird vielleicht auf diesem Wege das Gebet entdecken.“

Gebete aus der Zeitung lassen das Gelesene nicht so, wie es da steht. Vielleicht lesen die „Auszeit“-Besucher ihre Tageszeitung jetzt mit einem anderen Blick und merken, wie selbstverständlich das tägliche Gebet damit sein kann und wie es sie verändert.

Zum Thema

Die nächste „Auszeit“ findet am Freitag, 17. März, um 10 Uhr statt.

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