Stadtgeflüster-Interview: Tom Feuerstacke und Désirée Nosbusch (nicht nur) über schlechte Banken "Bad Banks"

Ach wie gerne wollen doch alle zum Fernsehen, wollen berühmt werden. Dabei braucht es so viel, um diesen Weg beschreiten zu können – und doch so wenig, um diesen nicht gehen zu dürfen. Wenn man allerdings als junges Mädchen naiv genug ist und zugleich ehrgeizig auftritt, keine Angst vor großen Namen zeigt, das Leben liebt und bejahend durch die Welt geht … dann darf man am Ende auch eine echt
intrigante Person als Hauptrolle in einer großartigen Serie verkörpern.

Von Tom Feuerstacke
Stadtgeflüster-Interview: Tom Feuerstacke und Désirée Nosbusch (nicht nur) über schlechte Banken : "Bad Banks"
Désirée Nosbusch wurde 1965 in Esch an der Alzette geboren. Bereits als 12-Jährige hatte sie ihren ersten öffentlichen Auftritt als Moderatorin bei Radio Luxemburg. Foto: Stadtgeflüster

„Bad Banks“, eine neue Serie des ZDF, läuft seit Anfang März in deutschen und französischen Wohnzimmern. Was darfst du uns über dieses Format erzählen, in dem du eine Hauptrolle spielst?

Es handelt sich um eine sehr mutige Geschichte, die von Christian Schwochow gedreht und von Oliver Kienle geschrieben wurde. Diese findet in der Bankenwelt statt.

 

Was ist mutig an der Serie?

Mutig ist „Bad Banks“ insofern, dass es in Deutschland so eine Serie, in der Form, noch nicht gab. Der Art, wie sie gefilmt wurde, und des Themas wegen, das sie anspricht. Es geht um die Machenschaften oder vielmehr die Kriminalität in der Hochfinanzwelt. Dabei geht es in die Büros der Bosse, die das Verbrechen vorantreiben, während das Fußvolk ausführt. Mutig am Ende, weil hier die Finanzwelt realistisch gezeigt wird – so, wie sie ist, wie sie international und in vielen verschiedenen Sprachen agiert.

 

Du spielst darin eine Person, die zum einen liebende Mutter ist, und zum anderen die Fäden in der Hand hält, was für die verbrecherischen Dramen in dieser Serie sorgt?

Ich spiele Christelle Leblanc, die Chefin der Investmentbanking-Abteilung. Ich bin in einer männerdominierten Welt unterwegs, behaupte mich dort als Frau. Die Fäden halte ich insofern in der Hand, als dass es um die Fusion von zwei Bankhäusern geht – und ich mir bewusst bin: Läuft die Zusammenführung dieser Banken nicht so, wie ich mir das vorstelle, lande ich im Sterbehaus der Banken.

 

Es gibt ein „Banken-Hospiz“, in das Leute abgeschoben werden, die man nicht mehr braucht!?

Das gibt es wirklich. Ich war genauso überrascht wie du. Dort landen Menschen, die zum Teil aus vertraglichen Gründen oder weil sie zu teuer sind, nicht gefeuert werden können. Die werden in ein kleines Büro verfrachtet, haben dort einen Bleistift und Papier, werden von sämtlichen Interna ferngehalten. Sie spielen quasi nicht mehr mit – und sitzen herum. Im besten Fall sind die irgendwann so mürbe, dass sie von selbst gehen.

 

Das ist der Hammer…

… wirklich unglaublich. Ich habe während der Recherche zu meiner Rolle Menschen kennenlernen dürfen, die diese Art von Karriere hinter sich haben. Die den Preis des Verlustes ihrer Familie bezahlt haben und am Ende doch ausgestiegen sind, weil sie nach eigenem Bekunden das Gefühl hatten, draufzugehen. Es geht um extrem viel Geld und Macht. Das Ganze wird zu einer Droge. Da zählt der Mensch nicht mehr. Doch obwohl ich viel mehr verstehe als vorher, bleibt diese Welt für mich immer noch sehr abstrakt.

 

Klingt nach Monopoly im Großen?

Mit Menschen als Spieler, die den Adrenalin-Kick brauchen, ohne die Schicksale hinter den Summen zu sehen. Man muss sich vorstellen, dass Menschen vor einem Bildschirm freudig jubeln, weil ein Erdbeben auf der Richterskala höher ausfällt als vermutet. Der daraus entstandene finanzielle Mehrwert steigt daduch deutlich höher als erwartet…

 

Wie begegnest du der Bankenwelt nach diesen Recherchen?

Schwer zu glauben, wie gefährlich diese Welt ist – und was dort passiert. Ich hatte vorher nicht wirklich Kontakt zur Finanzwelt und ehrlich gesagt möchte ich ihn auch heute nicht. Vertrauen werde ich dort niemandem mehr. Damit meine ich nicht die nette Dame am Schalter der Stadtsparkasse, die das Sparbuch ausstellt.

 

Gab es einen Moment den Gedanken, die Rolle doch nicht spielen zu wollen?

Nein, nie, auf keinen Fall. Wenn man eine derartige Chance bekommt, für eine solche Rolle besetzt zu werden, ist das wie ein Sechser im Lotto. Am Ende war es bei allen entsetzlichen Tiefen, die sich da auftaten, trotzdem klar, dass es nicht nur Unmenschen sind, die wir zum Leben erwecken.

 

Wenn wir weiter über diese geile Story sprechen, haben wir am Ende alles verraten. Ich denke, wir wechseln besser das Thema. 1985 wurde ein Interview ausgestrahlt, das du mit Klaus Kinski geführt hast. Besonders spannend daran ist, dass das Interview zu dem Zeitpunkt bereits fünf Jahre alt war, weil du es als fünfzehnjähriges Mädchen geführt hast. Warum dieser lange zeitliche Versatz?

Das war ein echtes Dilemma. Das Ganze habe ich seinerzeit selbst produziert – und bin auf dem Material am Ende sitzengeblieben. Das hatte mir einfach niemand abgekauft. Es gab einfach keinen, der den Mut hatte, es zu senden. Es gab einige, die wollten kurze Ausschnitte. Aber zum Auseinanderreißen war es mir zu schade. Also ließ ich den Film liegen. Mir war klar, dass ich viel privates Geld in den Sand gesetzt hatte. Aber sei es drum, das war halt mein Risiko.

 

Aber 1985 sollte es dann soweit sein, das Interview flimmerte durch die deutschen Wohnzimmer. Da gab es offensichtlich ein Umdenken?

Ein Jahr zuvor moderierte ich den Grand Prix Eurovision de la Chanson und war fortan wohl salonfähig. Prompt kam die ARD und bot mir ein Format mit dem Titel „Zeit zu zweit“ an, wo ich einstündige Gespräche mit Prominenten führen sollte. Ich sagte ihnen, wenn sie mich wollen, müssten sie auch den Kinski senden. Leider ist dabei verlorengegangen, dass ich zur Zeit des Interviews erst fünfzehn Jahre alt war – und dieses Gespräch mit der dementsprechenden Naivität angegangen hatte. Es wurde halt nicht aufgefangen und erklärt. Aber heute scheint der Film viel Kultcharakter zu genießen. Obwohl sich seinerzeit die Geister daran schieden.

 

Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen ?

Ich war zu einem Interviewtermin im Frankfurter Hof. In diesem Fall wurde ich interviewt. An einem anderen Tisch im Restaurant saß Klaus Kinski und unterhielt sich, während eine Kapelle zum Essen spielte. Kinski war von der Musik dermaßen genervt, dass er ein Stück Roastbeef nahm und es Richtung Musiker schmiss. Dem Wurf folgte sogleich die lautstarke Aufforderung, mit dem Gedudel aufzuhören. Ich beobachtete das – und war gleichermaßen erschrocken und fasziniert von dem Benehmen.

 

Das reichte aus, um ihn zum Gespräch zu bitten?

Es ergab sich, dass wir in der Hotelhalle aufeinandertrafen. Scheinbar kannte er mich irgendwoher. Naiv und spontan wie ich damals war, sagte ich ihm, dass ich wahnsinnig gern mit ihm ein Interview führen würde. Er gab mir seine Telefonnummer, offenbarte, dass er in der Nähe von San Francisco wohnen würde, ich solle doch einfach vorbeikommen.

 

Klein-Désirée packt daraufhin ihre Koffer und jettet nach Frisco!?

Fast. Natürlich habe ich mir das nicht zweimal sagen lassen. Ich sparte Geld, stellte ein Team zusammen. Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, rief ich Kinski an und ließ mir bestätigen, dass es bei einem Termin bleiben würde. Das tat es – und wir flogen in die Staaten an die Westküste. Dass das Ganze noch kompliziert werden würde, stand auf einem anderen Blatt. Aber so entstand die Idee des Interviews.

 

Was wurde nach der Ankunft kompliziert?

Ich rief ihn vor Ort an – und er hatte auf einmal keine Lust mehr auf das Interview. Ich war total schockiert. Ich war mit drei Teammitgliedern auf eigene Kosten in die USA geflogen – und der Kinski hatte „keinen Bock mehr“. Nach einigem Lamentieren schlug er ein Treffen vor, indem er mich an einen Ort außerhalb der Stadt bestellte, von wo ich ihn von der Tankstelle aus anrufen sollte…

 

Ich bin echt baff. Darauf hast du dich eingelassen?!

(lacht) Was sollte ich machen? Mein ganzes Geld steckte in dem Projekt. Ich bin mit einem Taxi zu einem Ort zirka eine Stunde außerhalb von San Francisco gefahren, um Kinski von besagter Telefonzelle aus anzurufen. Er holte mich ab und fuhr mit einem Jeep durch diverse Gatter einen Berg hoch, bis wir sein Haus erreichten. Ich dachte, wenn mir hier was passiert, findet mich kein Mensch. Nach einer Weile in seinem Haus fuhr er weg in die Stadt. Mich aber sperrte er ein…

 

Was hat Kinski damit bezwecken wollen, ein ahnungsloses Mädchen in seinem Haus festzuhalten?

Er wollte vermutlich testen, wie ich reagiere. Ich tat das, was ich tun musste. Ich wollte raus. Das ging zur Haustür allerdings nicht, da er sie abgeschlossen hatte, zudem noch sein Schäferhund davorsaß. Ich bin dann hinten über den Balkon abgehauen. Verletzt hab‘ ich mich dabei auch noch. Bin in der Dunkelheit den Berg runter, bis ich die Landstraße erreichte. Neben der Telefonzelle gab es eine Kneipe, wo ich mir ein Taxi bestellte und zum Hotel zurückfuhr. Dem Team erklärte ich, dass es nichts wird mit dem Dreh, wir am nächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen würden.

 

Keine coole Aktion vom Kinski.  Ihr hattet allerdings nochmal Kontakt an dem Abend?

Ich rief die Nummer, die ich hatte, nochmals an. Kinski meldete sich mit einem Lachen und fragte, ob ich Angst gehabt hätte. Ich machte ihm klar, dass ich das alles total scheiße fand, dass sein Benehmen unmöglich sei. Woraufhin er erneut in Gelächter ausbrach, mir eine Adresse nannte, wo ich am nächsten Tag samt Team hinkommen sollte. Er gäbe uns drei Stunden Zeit für ein Interview.

 

Ihr habt eure Kameras eingepackt und seid trotz aller Erlebnisse am nächsten Tag zum Termin?

Natürlich. Dafür waren wir ja nach San Francisco geflogen. Wir trafen uns an einer Klippe und hatten effektiv drei Stunden Zeit, bis Kinski in sein Auto stieg und wegfuhr. Das ist die Geschichte – und ich habe ihn danach nie wiedergesehen.

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Désirée Nosbusch

Die 1965 in Esch an der Alzette geborene Désirée ist eine luxemburgische Moderatorin und Schauspielerin, die bereits als 12-Jährige ihren ersten öffentlichen Auftritt bei Radio Luxemburg als Moderatorin hatte. Unzählige Auftritte folgten – und werden folgen.

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