Stadtgeflüster-Interview: Dominik Irtenkauf erfährt von Thomas Perschil, wie man Safari-Guide wird und warum Botswana so reizvoll ist Safaristi

Thomas Perschil wuchs in Fürth (Odenwald) auf. 1991 entschied er sich, für den Entwicklungsdienst zu arbeiten, und wurde in einer Berufsschule in Botswana bis 1997 eingesetzt. Es kam, wie es kommen musste: Er verliebte sich in Land und Leute. Es leben zwei Millionen Menschen in dem Land, das die anderthalbfache Größe von Deutschland einnimmt. 37 Prozent der Landesfläche bestehen aus Naturschutzgebieten und Tierparks. Perschil arbeitet in der Stadt Maun am Rande des Okavangodeltas als Safari-Guide.

Von Dominik Irtenkauf
Stadtgeflüster-Interview: Dominik Irtenkauf erfährt von Thomas Perschil, wie man Safari-Guide wird und warum Botswana so reizvoll ist: Safaristi
Thomas Perschil arbeitet seit 20 Jahren Vollzeit als Safari-Guide. Foto: Stadtgeflüster

Wie bist du zu dem Job gekommen, den du jetzt machst?

Einmal durch Reisen, weil ich mich schon immer für Afrika interessiert habe. Dann hat mich der Entwicklungsdienst interessiert, der mich nach Botswana in eine Berufsschule schickte. Von da aus ging’s weiter in den Tourismus.

 

Du meintest auch, du hast eine Ausbildung zum Safari Guide gemacht?

Richtig. Das ist hier auch nicht zum Spaß. Einerseits habe ich die südafrikanische Lizenz gemacht in den frühen 90ern und später auch nochmals in Botswana die sogenannte „Field Guide“-Ausbildung abgeschlossen. Man braucht, um hier Safaris zu führen, diese Lizenz.

 

Kann ich mir vorstellen, dass damit auch Unfug vermieden werden soll.

Ja, das ist auch eine Verantwortung. Man fährt ja mit Gästen übers Land. Dafür muss eine vernünftige Ausbildung vorliegen. Auch ein Erste-Hilfe-Kurs gehört dazu sowie ein Personenbeförderungsschein. Man lässt ja auch in Deutschland die Taxifahrer nicht wild losfahren und Gäste befördern.

 

Die Kenntnis über Flora und Fauna Afrikas ist sicher inbegriffen?

Ja. Man kann jetzt nicht sagen, dass Guide ein Beruf ist. Klar, am Ende des Tages ist es ein Job, vor allem auf dem Papier. Aber man muss da viel Liebe mitbringen. Ansonsten macht einem das nicht viel Spaß. Man sollte ein gewisses Grundinteresse zeigen. Man lernt jeden Tag was Neues in der Natur und muss ab und zu in Büchern was nachschlagen. Das ist ein permanentes Lernen.

 

Wie hat man sich diese Schulung vorzustellen? Inhaltlich, meine ich.

Das ist ein Riesenfeld. Tierwelt, Flora und Fauna von A bis Z. Auch praktische Dinge: Umgang mit den Gästen, ein paar Reparaturen am Jeep, die durchzuführen sind, Orientierung, Spurenlesen, all das, was dazugehört, wenn du in der Natur bist.

 

Legst du am Ende eine Prüfung ab? Probetouren?

Es gibt eine theoretische und eine praktische Prüfung. Man macht mit den Prüfern eine Pirschfahrt oder auch eine Fußpirsch. Danach gibt es noch die mündliche Prüfung. Das wird offiziell anerkannt. Dafür gibt es ein Zertifikat.

       

Welche Touren bietet ihr an? Sind die etabliert, oder kommt immer mal wieder was Neues dazu?

Wir haben feste Touren, die Standard und am beliebtesten sind. Die meisten Gäste kommen nicht mehrmals, die wollen diese Standardtouren wie den Tierpark Moremi oder den Chobe National Park zu besuchen. Die Touren richten sich nach dem Wetter der Jahreszeiten, in der Regenzeit fahren wir andere Streifzüge als in der Trockenzeit.

 

Wie lange dauert so etwas im Schnitt?

Sehr unterschiedlich. Die Touren können von fünf Tagen bis vier Wochen gehen. Die längeren sind meist privat gebucht. Von Leuten, die ein Interesse haben und dann auch länger in Botswana bleiben.

 

Manche Menschen bringen Safaris mit Großwildjagden in Verbindung. Das wird aber nicht mehr der aktuelle Stand sein?

Glücklicherweise wird das Jagen weltweit immer mehr verpönt. In Botswana wurde das 2014 abgestellt. Lediglich auf privaten Farmen können Jagden veranstaltet werden. Im Nationalpark und Umgebung darf in Botswana nicht mehr gejagt werden.

 

Das war früher anders?

Klar. Früher sah man die Bilder vom großen weißen Jäger, der durch den Busch pirscht, aber die Zeiten sind vorbei. In manchen südafrikanischen Staaten wie Simbabwe, Namibia und Sambia bieten sie noch Jagdsafaris an, aber in Zukunft wird es das nicht mehr lange geben. Das ist glücklicherweise auf dem absteigenden Ast.

 

Kannst du uns etwas von deinen Erlebnissen in anderen afrikanischen Ländern erzählen?

West- und Zentralafrika hat einen Riesenbevölkerungsdruck, auch auf die Reservate. Die Bevölkerung wächst, braucht mehr Land, mehr Essen. Daher werden die Parks da nicht mehr lange existieren. Hier im südlichen Afrika ist es ähnlich: Die Parks schrumpfen, wie zum Beispiel Serengeti. Die haben Probleme mit den Massai, mit ihren Hunden und Kühen drin, die Krankheiten übertragen.

 

Gibt es eine Lösung?

Wir fragen uns immer: Wie wollen wir das Problem lösen? Der Mensch ist das Problem, aber man kann ja ihm nicht verbieten, seine Villa oder Farm zu bauen. Es müsste in den Schulen mal langsam auf das Thema der Bevölkerungsdichte hingewiesen werden. Muss leider sagen, dass es in den Schulen, die ich kenne, immer noch kein Fach „Wildtiere erkennen und schützen“ gibt. Man müsste langsam da mal ansetzen.

 

In Johannesburg im Happy Gecko Guesthouse blätterte ich in einem Prospekt des Kruger Nationalparks, und das Wildereiproblem war da hochaktuell.

Ich weiß nicht, warum sie es in Südafrika nicht in den Griff bekommen. Klar möchte ich nicht unterstellen, dass dort etwa die Stellen korrupt seien. Das Problem ist, dass sie lange Grenzen mit Mozambique, Sambia, Simbabwe teilen und der Kruger Nationalpark über Grenzen hinweggeht. Das verlockt zum Wildern.

 

Wie sieht es damit in Botswana aus?

Die Armee hat in Botswana inzwischen einen Teil der Nashörner unter ihren Schutz gestellt. Das klappt sehr gut, muss ich sagen. Na, man sollte jedenfalls schon darauf achten. Wir haben auch Wilderer hier in Botswana, aber in geringen Maßen.

 

In Asien sind ja Teile der Tiere als Medizin sehr begehrt…

Ja, in Asien gilt das Nashorn leider als Potenzmittel. Vielleicht könnte man da anfangen, in den Schulen Bildung und Aufklärung zu betreiben. Das ist eine alte Tradition dort – ist halt immer schwierig, so etwas zu unterbinden oder abzuschaffen.

 

Eure Firma hört auf den Namen „Planet Wilderness“. Denkst du, dass zum Beispiel ein Ausflug ins Okavangodelta einem Ausflug auf einen anderen Planeten ähnelt?

Ja. Der Name rührt daher, dass Botswana eine Sonderstellung in Afrika einnimmt. Ein Viertel seiner Landesfläche hat es als Nationalparks oder Tierreservate ausgewiesen. Daher fühlen wir uns hier schon etwas auf einem Planeten, der noch viel Wildes und Buschoffenes hat. Das war die Idee, da liegst du richtig.

 

Mir ist aufgefallen, dass die Wildnis in die Zivilisation vorstößt. Elefanten etwa halten sich nicht an Zäune, und ein Botswaner schilderte mir empört die Verwüstungen, die Dickhäuter in seinem Garten angestellt hätten.

Man kann eigentlich nicht sagen, dass diese Parks ein Gehege sind. Sie sind nicht eingezäunt, sondern abgezäunt, um landwirtschaftliche Tiere von den Wildtieren zu trennen. Hauptsächlich wegen der Maul-und-Klauen-Seuche. Nun gut, der Elefant läuft halt überall hin. Botswana hat die größte Elefantenpopulation Afrikas. Den Konflikt „Farmer versus Wildtiere“ wird es immer geben, der war schon immer da. Wird es auch in Zukunft noch geben…

 

Gibt es denn Lösungen?

Das zu lösen, ist eine Riesenfrage: Wie macht man es am besten? Gerade versucht man, einen Korridor durch die Farmen zu verlegen, wo die Elefanten sowieso immer laufen. Da man weiß, dass die Tiere ihre Routen so gut wie nie verlassen. Man hofft, dass man damit das Problem lösen kann.

 

Beispiele?

Sambia hat angefangen, Farmen mit Chilipflanzen zu bestücken, weil Elefanten keinen Chili mögen. Das klappt hervorragend. Die riechen die Schoten – und drehen um!

 

Das hängt dann auch von der Wertschätzung der Botswaner für die Wildtiere ab!

Man muss es interessant machen. Für die lokale Bevölkerung Arbeitsplätze, auch Geschäftsmöglichkeiten schaffen. Da kriegt man das vielleicht noch in Griff. Aber man muss sich auf jeden Fall sputen. Uns läuft die Zeit weg.

 

Das ist ein großer Schatz. In Europa wurden der Bär und der Wolf zum Beispiel ausgerottet, und nun wachsen diese Populationen langsam wieder und werden später in wilder Laufbahn ausgesetzt.

Solange sich der Mensch nicht ändert, wird die Natur darunter leiden. Wir müssen jetzt so bald wie möglich anfangen. Das Wachstum wird immer angesprochen, aber es gibt nur so und so viel Platz, das Wachstum müsste irgendwann gedeckelt werden.

 

Du siehst also im Tourismus auch Schattenseiten?

Ja. Die Touristen sollten sich die Frage stellen: Muss ich da hin, um eine Liste der hippen Plätze abzuhaken – oder nehme ich das ernst? Man muss sich auch immer etwas denken, es ist nicht nur der Briefkopf, der sagt: Eco Tours oder Eco Safaris. Alles ist grün! Wir werden immerhin noch überall mit dem Flieger hingekarrt. Aber gut, das ist die moderne Zeit, aber man sollte sich mal Gedanken machen, wie man das besser hinbekommt.

 

Für die Leser von besonderem Interesse wären Anekdoten von dir, was du auf den Touren alles mitbekommen konntest. War es mal gefährlich?

Gefährlich wird es nur, wenn Unvernunft mitspielt, wenn man nicht aufpasst. Das ist wie beim Über-die-Straße-Gehen, links und rechts schauen, die Regeln einhalten. Da passiert einem auch nichts. Man trifft immer wieder auf einen Geisterfahrer, auch in der Natur, aber man versucht, Konfrontationen mit den Tieren zu vermeiden, den Sicherheitsabstand einzuhalten.

 

Dann bleibt nur noch, eine schöne Anekdote zu erzählen.

Zu Anekdoten kann ich nur sagen: Kommt vorbei, guckt’s euch an, die Anekdoten bekommt ihr am Lagerfeuer! (lacht)

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Thomas Perschil

Ist von der Natur Afrikas begeistert, hat für den Entwicklungsdienst gearbeitet und unterstützt in seiner Freizeit die botswanische Rock- und Metalszene. Seit 20 Jahren arbeitet er Vollzeit als Safari-Guide. Der Autor dieses Beitrags dankt Thomas Perschil ganz herzlich für die gelungene Safari im Moremi-Tierpark dieses Jahr und hofft auf ein baldiges Wiedersehen an der Südspitze des Kontinents.

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