Neue Reihe „Mondaynightmusic“ eröffnet
Der Schwan im Italo-Western

Münster -

Bereits der Name dieses Quartetts hebt alle Seriosität aus den Angeln: „Uwaga!“

Dienstag, 08.10.2019, 18:44 Uhr
Die Uwagas (v.l.): Christoph König und Maurice Maurer (Geige), Miroslav Nisic (Akkordeon) und Bassist Matthias Hacker Foto: zin

Bereits der Name dieses Quartetts hebt alle Seriosität aus den Angeln: „Uwaga!“ – was auf Polnisch „Achtung!“ oder auch „Vorsicht!“ bedeutet. Was diese fantastischen Vier einst auf polnischen Straßenschildern lasen und stracks übernahmen, traf ihren Musikstil irgendwie gut. Und dieser Stil traf im Landesmuseum den Geschmack des Publikums. Was die Schelme an Geige, Viola, Bass und Akkordeon zelebrieren, ist im Kern stets „Gypsy Jazz“, der sich mit Vorliebe über das seriöse Klassik-Repertoire hermacht – um am Ende alles in eine brodelnde Balkan-Suppe zu verwandeln. Wer die Vier schon einmal „pur“ erlebt hat, weiß das.

Am Montagabend spielte „Uwaga!“ in der neuen Reihe „Mondaynightmusic“ mit süffig-sinfonischer Glasur – fantastisch geliefert vom Sinfonieorchester Münster unter Leitung von Stefan Veselka. Derlei machen die Vier gern, und es „erdet“ das Parodistische ebenso, wie es den Klang gleichsam adelt. Das war sozusagen „Uwaga royal“.

Apropos royal: Die berühmte „alternative Nationalhymne“ der Briten gehört zu Uwagas Glanzstücken – der erste „Pomp and Circumstance“-Marsch von Sir Edward Elgar. Das pompös gravitätische Schreiten des Streicherthemas kennt jeder. Umso mehr Laune macht es dann, wenn die Geiger es rhythmisch aus dem Tritt bringen, mit Pizzicati würzen, mit groovendem Bass antreiben und alles mit folkloristischen Akkordeonklängen überschütten. Da kann das Orchester gar nicht anders, als sich in eine fetzige Big Band zu verwandeln.

Umgekehrt jedoch ist der Spaß geringer, wenn der „Brühwürfel“ dieser Balkansuppe (also die klassische Vorlage) dem Ohr weniger geläufig ist. Wenn etwa Mozarts e-Moll-Violinsonate für Uwagas Saitensprünge herhalten muss, ist das nicht minder toll gemacht, aber eben weniger witzig. Immer witzig sind indes die Frotzeleien, die Christoph König und Maurice Maurer (die zwei Geiger), Miroslav Nisic (am Akkordeon) und Bassist Matthias Hacker fürs Publikum und füreinander parat haben.

Was gab es sonst noch? Einen „Swan Fake“, in welchem Tschaikowskys russische Sehnsucht mit Akkordeon plus Orchester fast nach Italo-Western klang. Man konnte erfahren, dass Sibelius’ Violinkonzert sich vorzüglich als Czardas macht. Und dass Gustav Mahler mit seinem berühmten Adagietto eine waschechte Jazz-Blues-Ballade geschrieben hatte. Uwaga!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6988564?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Wie Lebensmittelkontrollen ablaufen
Ein Lebensmittelkontrolleur überprüft bei einer Betriebskontrolle die Temperatur von chinesischen Nudeln. Kontrolleure messen Temperaturen: Das Essen in der Pfanne muss heiß sein. Bei über 70 Grad sterben viele Bakterien ab.
Nachrichten-Ticker