Pfarrer Stefan Jürgens schrieb ein Buch
Kleriker, Krise, Credo

Zwei Priester, zwei Bücher. Nach Thomas Frings, der die Heilig-Kreuz-Gemeinde in Münster verließ, um sein Pfarrer-Sein und die herkömmliche Pfarrseelsorge völlig neu zu überdenken, hat jetzt auch Stefan Jürgens eine Zwischenbilanz verfasst. Jürgens, der in diesen Tagen Münster verlässt und demnächst in Ahaus wieder Landpfarrer werden möchte, analysiert den Klerikerstand und die derzeitige Verfassung der Kirche schonungslos kritisch. Aber er gibt auch viele wertvolle Hinweise für einen spirituellen Aufbruch.

Dienstag, 17.09.2019, 15:48 Uhr

Seltsam. Priester, die in der münsterschen Heilig-Kreuz-Pfarre Dienst leisteten, schreiben nach ihrem Rückzug ein Buch. Das war bei Thomas Frings so („Aus. Amen. Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein.“) und ist auch bei Stefan Jürgens, den es aufs Land zieht, der Fall. Er hat es in der akademisch geprägten, aber ihn offenbar nicht besonders inspirierenden Stadtpfarrei ebenfalls nicht länger ausgehalten und nun Zwischenbilanz gezogen. Aber: Seine Berufung zum Pfarrdienst in Zeiten kriselnder Kirche und Gottesvergessenheit stellt er nicht grundsätzlich in Frage. Wohl aber das klerikale System, das, so eine Quintessenz des Buches, angesichts von Machtspielen, Missbrauch und Heuchelei, insbesondere in Fragen der Sexualität, an sein Ende gekommen sei.

„Wer dieses System miterlebt hat und immer noch Priester werden will, ist berufen!“ Das hat der damalige Domorganist dem Orgelschüler Stefan Jürgens mit auf den Weg gegeben. Der junge Mann aus dem Emsland kam durch seine Eltern, die wie selbstverständlich ihren Glauben lebten, durch Bindung an die Kirchenmusik und eben nicht durch klerikale Vorbilder zur Entscheidung, Priester zu werden. Diese erlebte er eher in einer Bandbreite vom despotischen Narzissten bis zum verwahrlosten Isolani.

Es ist Stefan Jürgens, der gerne Theologie studierte und damit auch seinen jungen Glauben neu erdete und erweiterte, nicht verborgen geblieben, dass sich im Borromaeum und im Priesterseminar Parallelwelten auftaten. Verdruckste oder halboffen gelebte Homosexualität, Seilschaften, Kriecherei. Das alles hat den jungen Mann geschockt, aber nicht von seinem Weg abgehalten. Es spricht für Jürgens, dass er nach den zum Teil entlarvenden Analysen stets einen Neuaufbruch in prägnanten Plädoyers skizziert. Stichworte: Schluss mit der Heuchelei, ein menschlicher Umgang mit Sexualität, Gelassenheit, Kontemplation, spirituelle Erdung, ein einfacher Glaube, eine zu Herzen gehende Liturgiesprache, Nähe zu den Menschen, Fähigkeit zum Delegieren, kollegiales Miteinander von Klerikern und Laien. Am Ende des Buches, das viele Schattenseiten benennt, aber eben auch Aufbrüche schildert, steht ein eindrucksvolles Glaubensbekenntnis des Priesters Stefan Jürgens. Lesenswert!

Zum Thema

Stefan Jürgens: Ausgeheuchelt: So geht es aufwärts mit der Kirche. Herder-Verlag, 192 Seiten, 20 Euro.

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