Giuseppe Verdis „Ein Maskenball“ eröffnet die Opernsaison
Der Mord am Machthaber

Münster -

Wer einmal die Tenor-Arie aus dem dritten Akt von Verdis „Maskenball“, „geschluchzt von Carlo Ber­gonzi oder geknödelt von einem Trio angesüffelter alter Männer in einem italienischen Eisenbahncoupé“, gehört hat, der weiß, was schmerzlich-schön ist, schrieb einst der Satiriker Eckhard Henscheid. „Un Ballo in Maschera“, wie das Stück im Original heißt, wird am 14. September (Samstag) im Großen Haus die neue Opernsaison eröffnen (italienisch mit deutschen Übertiteln).

Dienstag, 10.09.2019, 11:46 Uhr aktualisiert: 10.09.2019, 11:50 Uhr
Großes Kino erwartet die Zuschauer zur ersten Premiere der neuen Spielzeit am Theater Münster. Im Großen Haus wird der Maskenball von Verdi gegeben. Foto: Oliver Berg

Das Stück spielt „im Arbeitsraum eines heutigen Machthabers“, sagt Regisseur Marc Adam – nicht im Hause des Gouverneurs von Boston. Dorthin nämlich mussten Komponist Giuseppe Verdi und sein Librettist Antonio Somma ihr ursprüngliches Werk verlegen, weil die Zensur das Konzept nicht zuließ: Eigentlich ging es ihnen ja um den historisch verbürgten Mord am König Gustav III. von Schweden. Königsmord auf offener Bühne: Das wurde untersagt, und so mussten Verdi und Somma ihr Werk gewissermaßen maskieren, um es aufführen zu können.

„Das Stück zeigt lauter Maskeraden, wir haben ihm einfach noch eine hinzugefügt“, erklärt Marc Adam und verweist auf den titelgebenden Maskenball, bei dem der Tenorheld Riccardo am Schluss ermordet wird, oder auf Riccardos Verkleidung als Fischer, um die Wahrsagerin Ulrica auszuhorchen. Adam interessiert sich für die reale Geschichte des Schwedenkönigs Gustav III., der ein aufgeklärter Monarch war und sich für das Theater begeisterte. Deshalb beginnt die Inszenierung in Münsters Großem Haus auch mit einer Theaterprobe, die der Machthaber in seinen großzügigen Büroräumen stattfinden lässt. Kompliziertes Spiel im Spiel? Nein, versichert der Regisseur, man könne der Handlung leicht folgen.

Mit dem Dirigenten Golo Berg, der den „Maskenball“ sehr schätzt, hat sich Adam vor allem über die Figurenkonstellation ausgetauscht: Riccardo liebt Amelia, die Frau seines Freundes Renato. „Was für eine Liebe ist das, eine platonische, eine physische? Jedenfalls eine Liebe zwischen zwei erwachsenen Menschen, kein Romeo-und-Julia-Stück“, so Marc Adam. Der „Maskenball“ sei sicherlich kein so hochpolitisches Stück wie Verdis Schiller-Oper „Don Carlo“, aber doch mit einer so starken politischen Aussage, dass die Zensur einst heftig intervenierte. Zudem habe Verdi im „Ballo in Maschera“ sein komplettes dramatisches Können konzen­triert. Kein Wunder, dass Marc Adam das Werk, gerade jetzt während der Arbeit daran, neben „Don Carlo“ und Otello“ zu seinen drei Lieblingsopern zählt.

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Die Premiere ist am 14. September um 19.30 Uhr im Großen Haus. Karten: ' 5 90 91 00.

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