Statistik für 2018
Mehr Menschen kehrten der Kirche den Rücken

Münster -

Die Zahl der Kirchenaustritte ist im Stadtdekanat Münster im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: 1436 Katholiken erklärten ihren Austritt, das waren 387 mehr als im Vorjahr.

Freitag, 19.07.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 21.07.2019, 12:30 Uhr
582 Jugendliche und Erwachsene wurden 2018 im Stadtdekanat Münster gefirmt – 102 weniger als im Vorjahr. Foto: Bischöfliche Pressestelle/Gudrun Niewöhner

40 Personen, die die Kirche früher einmal verlassen hatten, traten im Stadtdekanat im vergangenen Jahr wieder in die katholische Kirche ein, berichtet das Bistum Münster in einer Pressemitteilung. Hinzu kamen 25 Eintritte aus anderen christlichen Konfessionen.

Taufen auf Vorjahresniveau

Ungefähr gleich geblieben ist die Zahl derjenigen, die durch die Taufe neu in die Kirche aufgenommen worden sind. 2018 waren dies 1122 Menschen, im Vorjahr 1135. Wie die Bischöfliche Pressestelle am Freitag weiter mitteilte, lag die aktuelle Katholikenzahl im Stadtdekanat Münster Ende 2018 bei 143.244, (2017: 144.464).

Weniger Besucher in Sonntagsmessen

Einen leichten Rückgang gab es im vergangenen Jahr im Stadtdekanat Münster bei den Menschen, die sonntags an der Messe teilnehmen. 2018 waren es 11.910 Katholiken und damit 505 weniger als im Vorjahr.

Zahl der kirchlichen Trauungen sinkt

Ebenfalls leicht zurückgegangen sind die kirchlichen Trauungen (2018: 289; 2017: 303) und die Erstkommunionen (2018: 974; 2017: 1033). Gesunken ist auch die Zahl der Firmung (2018: 582; 2017: 684). Gestiegen sind hingegen die Bestattungen: (2018: 1301; 2017: 1255).

Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren.

Dr. Felix Genn, Bischof von Münster

Der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, erklärt zu der Statistik: „Die Zahlen lassen sich nicht schönreden. Die Menschen stimmen mit den Füßen darüber ab, ob sie uns für glaubwürdig und vertrauensvoll halten und ob die Gemeinschaft in der katholischen Kirche ihnen grundsätzlich als notwendig für ein gutes und gelingendes Leben erscheint. Für viele gilt das leider nicht mehr. Wir haben an Relevanz für das Leben der Menschen verloren.“

Studie zum sexuellen Missbrauch

Sicher seien die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, bei vielen Menschen das auslösende Moment gewesen, um zu sagen: Jetzt reicht es mir endgültig, so Genn weiter. „Die Verbrechen, die Priester an Kinder und Jugendlichen begangen haben, können wir nicht ungeschehen machen. Wir können nur alles in unserer Macht Stehende tun, um die Vergangenheit schonungslos aufzuarbeiten und um Betroffene erfahren zu lassen, dass sie im Mittelpunkt der Aufarbeitung stehen. Und natürlich müssen wir alles tun, um sexuellen Missbrauch künftig zu verhindern: von Anstrengungen im Bereich der Prävention bis hin zu Änderungen bei den systemischen Faktoren, die sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigen.“

Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen.

Dr. Felix Genn, Bischof von Münster

Die Austritts-Zahlen zeigen laut Bischof Genn auch: „Wenn wir nicht schon sehr bald nur noch eine kleine Minderheit sein wollen, bleiben große Herausforderungen, denen wir uns beherzt stellen wollen. Nicht, um einfach dem Zeitgeist hinterherzulaufen, sondern um Kirche in der Zeit und mit den Menschen zu sein.“ Die Menschen müssten erfahren können, dass die katholische Kirche dialog- und veränderungsbereit sei, „dass wir nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern dass wir für sie da sein möchten“.

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