Theaterprojekt von Soglio und Kerklau mit Migranten und Geflüchteten
In der Liebe gewinnen oder verlieren beide

Münster -

Ein junger Mann und eine junge Frau stehen auf der Bühne und schauen ins Publikum. Noch mehr als die Zuschauer scheint sie aber der jeweils andere zu interessieren. „Was ich liebe . . .“ nennen Annelise Soglio und Manfred Kerklau ihr Theaterprojekt mit jungen Migranten und Geflüchteten erarbeitet haben.

Montag, 24.06.2019, 18:26 Uhr
„Was ich liebe . . .“ nennen Annelise Soglio und Manfred Kerklau ihr Theaterprojekt.  Das Theaterprojekt von Annelise Soglio und Manfred Kerklau hat jetzt Münster-Premiere im Kreativ-Haus. Foto: Helmut Jasny

Ein junger Mann und eine junge Frau stehen auf der Bühne und schauen ins Publikum. Noch mehr als die Zuschauer scheint sie aber der jeweils andere zu interessieren. Das merkt man an den verstohlenen Blicken, die sie sich zuwerfen. Doch dann gesellen sich andere Spieler dazu, sodass sie eine Gruppe bilden. Bei dem jungen Mann und der junge Frau ist jetzt alle Verlegenheit weg. Aber auch alle Gelegenheit.

„Was ich liebe . . .“ nennen Annelise Soglio und Manfred Kerklau ihr Theaterprojekt, das sie letztes Jahr mit jungen Migranten und Geflüchteten in Essen erarbeitet haben und das jetzt im Kreativ-Haus zu sehen war. Zehn Menschen aus sieben Nationen stehen auf der Bühne und setzen sich spielend, singend und tanzend mit dem Thema Liebe auseinander. Was das Publikum vorgeführt bekommt, sind Sehnsüchte, Wünsche und Träume auf der einen Seite und Enttäuschungen, Ängste sowie Schmerzen auf der anderen. „Liebe ist das einzige Spiel, bei dem beide zusammen gewinnen oder verlieren“, heißt es an einer Stelle.

So vielfältig wie die Gefühle sind auch die Bilder, die die Darsteller dafür finden. Amor schießt Pfeile auf Menschen, die zunächst schmerzhaft zusammenzucken, dann aber förmlich aufblühen. „Dance me to the end of love“ hört man Leonard Cohen singen, und das Ensemble wiegt sich hingebungsvoll zur Musik. Später, wenn der Rhythmus temperamentvoller wird, legt auch die Choreographie an Dynamik zu. Tanzende Paare wirbeln jetzt in allen möglichen Konstellationen über die Bühne, während andere Poetisches über die Liebe rezitieren.

Erfüllte Liebe kommt zur Sprache, aber auch vergebliche Liebe – sei es, weil die Sprache nicht passt oder die Kultur, der gesellschaftliche Status oder die Religion. Und dann gibt es noch die „Trotzdem-Liebe“, der das alles egal ist. Sie scheint die Art von Liebe zu sein, die bei den Spielern am besten ankommt. In euphorischem Tanz, mit huldvoll erhobenen Armen feiern sie sie – erst allein, nach dem Schlussapplaus dann zusammen mit den Zuschauern, die sie dazu auf die Bühne holen, sodass die Vorstellung in einem kleinen Happening ausklingt.

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