SPD feiert mit Malu Dreyer im Rathausfestsaal
Lob kommt sogar vom CDU-Oberbürgermeister

Münster -

Münsters SPD feierte am Mittwochabend ihr 100-jähriges Bestehen im Rat der Stadt Münster – und Münsters CDU-Oberbürgermeister Markus Lewe feierte mit. Zumindest ein wenig.

Donnerstag, 20.06.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 20.06.2019, 12:15 Uhr
Oberbürgermeister Markus Lewe (v.r.) begrüßte die SPD-Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson, die kommissarische SPD-Chefin Malu Dreyer und deren Mann Klaus Jensen. Foto: Oliver Werner

Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe ist bekannt dafür, dass er in seinen Reden sehr auf die jeweilige Gruppe eingeht, zu der er spricht. Dabei spart Lewe nicht mit Lob und lässt zu Ehrende auch schon mal mit lauter Stimme hoch leben.

Das war auch am Mittwochabend so. Da sprach Münsters bekanntester CDU-Politiker im Rathausfestsaal aus Anlass des Jubiläums „100 Jahre SPD im Rat der Stadt Münster“. Einige Hundert Sozialdemokraten (oder mit der SPD liebäugelnde Münsteraner), die zuweilen auch andere Umgangsformen der CDU erlebt haben, lauschten den Streicheleinheiten, die Münsters erster Bürger verteilte. Unter den Zuhörern war auch Malu Dreyer, eine der aktuell drei kommissarischen SPD-Vorsitzenden auf Bundesebene.

Dreyer kritisiert Umstände des Nahles-Rücktritts

Lewe lobte die SPD dafür, „untrennbar mit der Demokratiegeschichte der Stadt Münster verbunden“ zu sein. Viele positive Entwicklungen seien von der SPD mitentschieden worden, überdies habe die SPD die Werte der Demokratie auch zu einer Zeit verteidigt, „als es lebensgefährlich war“. Gemeint waren damit Parteienverbot und Unterdrückung während der NS-Zeit.

Deutschlands Chef-Sozialdemokratin war offensichtlich von dieser Rede beeindruckt, auf jeden Fall ging sie wiederholt auf die „tollen Worte des Oberbürgermeisters“ ein und erinnerte an das, was die konservativen Parteien in der Geschichte eben nicht geschafft hätten. „Wir sind die Partei, die das Frauenwahlrecht durchgesetzt hat. Wir sind die Partei, die gegen das Ermächtigungsgesetz (Hitlers) gestimmt hat.“

Doch die prominente Sozialdemokratin konnte vor so vielen SPD-Mitgliedern natürlich nicht die aktuellen Befindlichkeiten der Partei aussparen. Deutlich kritisierte Dreyer die Umstände des Rücktritts der früheren SPD-Chefin Andrea Nahles. Sie sprach von „Heckenschützen“ und „übler Nachrede“. „Das geht nicht, was da stattgefunden hat.“

Kernthemen der SPD sind Arbeitnehmerfragen

Ihre unmissverständliche Forderung: „Wir brauchen einen besseren Umgang miteinander.“ Ausgesprochen genervt zeigte sich die kommissarische Vorsitzende von der obligatorischen Dauerkritik mancher Parteikreise am eigenen Spitzenpersonal. „Wenn wir nicht vorleben, wofür wir stehen, dann haben wir ein Problem.“

Um aus der Defensive zu kommen, müsse die SPD das beherzigen, wofür sie jahrzehntelang gestanden habe: „Wir sind eine Reformpartei.“ Kernthemen für eine neue sozialdemokratische Politik müssten Arbeitnehmerfragen sein. Exemplarisch nannte sie die Arbeitsbedingungen von Paketzustellern und von anderen Kleinverdienern in der Gesellschaft. Große Datenkonzerne hingegen würden das Geschäft machen. „Wir müssen die Kapitalisten von Google, Facebook und Amazon zähmen.“

Übrigens: Bei der Dreyer-Festrede konnte man dem CDU-Mann Markus Lewe dann doch anmerken, dass er Teil einer SPD-Veranstaltung war. Er applaudierte meist nur ganz leise.

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