Junges Theater Cactus zeigt „Der Garten“
Junge-Frau-Sein im digitalen Zeitalter

Münster -

Das Plakat zum Stück von Grafiker Erich Saar zeigt ein barockes, farbenfrohes Stillleben mit Verweisen auf den Inhalt der Produktion. Ein junges Mädchen in Unterwäsche ist hinter einem Weinglas zu entdecken, in dem eine Blume ertränkt ist. Rechts unten sieht der Betrachter eine Hand, die den Hals einer Kanne umfasst. „Der Garten“ heißt das neue Mädchenstück des Jungen Theaters Cactus. Doch es hat weniger mit Naturidylle zu tun. Stattdessen geht es um Sex und Macht.

Donnerstag, 20.06.2019, 10:36 Uhr aktualisiert: 23.06.2019, 18:08 Uhr
Für dieses Foto haben sich die Cactus-Akteurinnen in die Aa an der Kanalstraße begeben. Im neuen Mädchenstück geht es allerdings nur vordergründig idyllisch zu. Foto: Erich Saar

Der Hintergrund, der Sarah Christine Giese und Mareike Fiege, auf das Thema brachte, ist ein trauriger. Ein Giese bekanntes Kind wurde mit 13 Opfer von Cyber-Mobbing – konkreter: Pornografische Bilder wurde ihr aufs Handy geschickt mit anzüglichen Drohungen.

Wie sieht die Sexualität für junge Mädchen heute aus, und welchen Einfluss hat eine Erfahrung, wie sie die 13-Jährige gemacht hat? Fragen, die Giese und Fiege beschäftigten. Und sie zu ihrem nunmehr dritten gemeinsamen Mädchenstück bewogen. Das Oberthema: lautet: „Junge-Frau-Sein im digitalen Zeitalter“.

„Wir haben erst mal vorsichtig gefragt, wie junge Frauen dies heute erleben“, beschreibt Fiege. Das Ergebnis fiel anders aus als erwartet: „Sie fühlen sich den sozialen Medien nicht schutzlos ausgeliefert, haben zum Teil gute Mechanismen entwickelt. Nur einige hadern damit“, bilanziert Fiege.

Acht junge Frauen im Alter von 16 bis 23 Jahren haben die beiden Regisseurinnen für die von ihnen gemeinsam konzipierte Produktion gewonnen. Die ist erstmals mit einer Altersgrenze von 14 Jahren versehen. Denn das Stück thematisiert unter anderem den Missbrauch von Frauen und Mädchen und den gesellschaftlichen wie individuellen Umgang damit. „Der Garten“ ist aber kein Opferstück – und auch keines mit Männerhass auf der Bühne“, betonen beide Regisseurinnen.

„Das Ensemble war enger als sonst inhaltlich an dem Stück beteiligt“, schildert Giese. Am Anfang stand der Erfahrungsaustausch im Schutzraum der Gruppe. Das Gesagte – von großer Poesie und Authentizität geprägt, wie Fiege betont – wurde danach in Texte gekleidet. Gespräche mit Mitarbeiterinnen von Frauenhaus und Frauennotruf sowie Anleihen aus der feministischen Literatur vervollständigten die Textarbeit, die Fiege und Giese als Bestandsaufnahme bezeichnen. Für die körperliche Darstellung bekam das Ensemble Unterstützung bei Yoshiko Wari (Bodytalk).

Was die Inszenierung betrifft, arbeiten Fiege und Giese mit einem Kunstgriff. Nur so viel: Es wird um Frauen in Häusern gehen. Und um eine spezielle Frauengemeinschaft im Garten – für die unter anderem ein Kunstrasen auf der Bühne ausgerollt wird.

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„Der Garten“, Premiere am 27. Juni um 20 Uhr im Theater im Pumpenhaus, Gartenstraße 123. Weitere Termine: 28., 29. und 30. (mit Gebärdendolmetscher) Juni sowie am 1., 2. (Schulvorstellung um 10 Uhr), 3. und 4. Juli um 20 Uhr. Karten im WN-Ticket-Shop oder online.   | localticketing.de

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