Vortrag zu „100 Jahre Bauhaus“
Sakrales Statement für die Moderne

Münster -

Der Bau der Heilig-Geist-Kirche löste 1929 Empörung und Diskussionen aus, da er sich in seiner modernen Bauhaus-Architektur von den Sakralbauten in Münster total distanzierte. Architekt und Städtebauer Martin Korda zeigte jetzt in einem Vortrag Stärken und Schwächen des Konzeptes auf.

Dienstag, 11.06.2019, 16:30 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 16:50 Uhr
Der lange Turm ragt aus dem Baukörper der Heilig-Geist-Kirche hervor, die Zweckbestimmung des Balkons ist nicht bekannt. Foto: eo

Es waren prophetische Worte, mit denen Professor Martin Korda seinen Vortrag einleitete: „Als die Kirche gebaut wurde, war die Bauakustik kein Thema.“ Und in der Tat – wurde der Verstärker aufgedreht, war der Nachhall nahezu unerträglich. Beim Reduzieren war dann fast kein Wort mehr verständlich.

Darunter litt der Vortrag in der Heilig-Geist-Kirche zum Thema „100 Jahre Bauhaus“, veranstaltet vom Ortskuratorium der Denkmalstiftung. Aber: Für viele der zahlreichen Zuhörer begann das Erlebnis bereits mit dem Betreten der Kirche, der helle, klar gegliederte Raum überzeugte auf Anhieb.

Im Stil der neuen Sachlichkeit

Und das ist auch die Besonderheit des Sakralbaus: Er wurde vor 90 Jahren im Stil der neuen Sachlichkeit errichtet – zu einer Zeit, als in Münster neoromanisch und mit Baumberger Sandstein gebaut wurde, wie Kuratoriumsvorsitzende Sigrid Karliczek eingangs ausführte.

Architekt und Städtebauer Korda, früher Rektor der Fach hochschule, setzte sich ausführlich mit der Konstruktion auseinander, die nach außen durch ihren kubischen Baukörper bestimmt ist, während der hohe Turm fast den Charakter eines italienischen Campanile trägt. Er weist eine Art Balkon auf („die Zweckbestimmung kennt niemand“, so Korda), der wie eine Außenkanzel wirkt.

Kirchbau löste Empörung aus

Im Innern besticht die Kirche durch ihren weiten Raum, obschon sie in drei Schiffe gegliedert ist. Entsprechend der Skelettbauweise könnte man im Innern von Schiffs-Spanten sprechen, die beim Eintreten den Blick auf die Fenster verbergen. Dieses Bauprinzip verglich Korda mit dem Strebewerk der Hochgotik, das allerdings nicht nur sichtbar, sondern dominierend war.

Der Kirchbau löste 1929 zunächst Empörung und Diskussionen aus, da er sich von den überkommenen Sakralbauten total distanzierte. Im Zweiten Weltkrieg hat die Geist-Kirche auch Schäden hinnehmen müssen, die Rekonstruktion bewirkte aber keine Veränderungen.

700 Euro Spende

Der Vortrag dürfte für viele Besucher eine Bereicherung ihrer bisherigen Erfahrungen gewesen sein. Zumal es dann noch einen farbigen Akzent gab: Zwei Personen führten kirchliche „Arbeitskleidung“ vor, die deutliche Merkmale des Bauhausstils aufwiesen. Vor einem Jahr hatte die Geist-Kirche dazu eine Ausstellung veranstaltet.

Auch mit dem finanziellen Ergebnis des Vortrages war Sigrid Karliczek sehr zufrieden, es seien über 700 Euro an Spenden zusammen gekommen.

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