Festkommers des Katholischen Studentenvereins Ravensberg
Flammendes Plädoyer für Europa

Münster -

Dass alteingesessene Studentenvereine viel an Tradition zu bieten haben, ließ sich am Samstag beim 100. Stiftungsfest des Katholischen Vereins Ravensberg schon rein optisch ausmachen. Doch sie sind auch der Zukunft zugewandt – am besten einer europäischen, wie die Einladung für Elmar Brok, dem langjährigen EU-Parlamentarier, als Gastredner verdeutlichte.

Dienstag, 11.06.2019, 16:15 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 16:20 Uhr
Viel Tradition, viel Europa: Elmar Brok spricht beim 100. Stiftungsfest des Katholischen Studentenvereins Ravensberg. Foto: Andreas Hasenkamp

20 Abordnungen anderer studentischer Vereine und Verbindungen kamen am Samstag zum Festkommers des Katholischen Studentenvereins Ravensberg nach Münster. Auf den Stufen vor dem Speicher 10 entsteht ein erstes Foto mit allen; der Fotograf bittet schnell noch einige der Damen in die erste Reihe.

Dann marschieren sie mit ihren Fahnen ein, teils mit Krügen in der Hand, in die acht Reihen vor den anderen 300 Gästen, von Aachen bis München angereist, von Bochum bis Würzburg. Etwas erhöht sitzen die fünf Ravensberger, die den Vorsitz beim Festkommers haben, in der Mitte ihr Sprecher, David Lukas Stark, Jubelsenior bei diesem 100. Stiftungsfest.

Platz in der Gesellschaft

Die drei von der Helenia-Monasteria sind nicht die einzigen Frauen unter ihnen, nicht alle in den Abordnungen stammen aus Europa; der Jubelsenior sagt, er sei kein Katholik. Aus Ostwestfalen stammt er, ebenso der Festredner, Elmar Brok.

Bis der kommt, singt der Saal, auch „Gaudeamus igitur“, prima usque finem. Tradition versteht Stark mit Bernard Shaw: „Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“ So fänden die katholischen Verbindungen noch heute einen Platz in der Gesellschaft, Zuspruch und Zulauf.

Zustimmendes Klopfen für Brok

„Non licet telephonari“ ist eine Regel des Kommers, „Silentium“, bis der Jubelsenior „Colloquium“ ansagt. Dennoch ist Gelegenheit zum Reagieren, als Brok, frei redend, eine Stunde über die europäische Idee spricht. Für „Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur“ gibt es reges Klopfen; auch für Adenauers entschlossenes „Wir machen mit“ zur Montanunion,  das Brok bündelt in: „Die Bürger wollen Entscheidungen“ – wieder Klopfen.

„Europa war immer schon mit Krisen verbunden“, daran erinnert Brok, und dass man Europa 1980 eine „Eurosklerose“ bescheinigt habe: Da gehe nichts mehr. Das gemeinsame Handeln in der Finanzkrise 2008 kontrastiert Brok mit dem Desaster 1929, „weil man sich nicht gegenseitig half, sondern nur Schwierigkeiten machte“.

Früher Telgte, heute Paris

Irland, Portugal, Spanien – sie seien wieder auf Wachstumskurs, „und niemand ist Pleite gegangen“ – Klopfen. Eine jährliche Kosten-Nutzen-Analyse möge der Bundestag endlich beschließen, damit Schluss sei mit Märchen. Die EU sei durch die Harmonisierung „eine Entbürokratisierung-Veranstaltung“, Unternehmen exportierten heute so leicht von Münster nach Paris wie früher von Münster nach Telgte.

„Dass wir in Brüssel auch manchmal Unsinn beschließen, das ist so“, sagt Brok, und „manche Handelsverträge sind unfair“. In Afrika müsse die EU Perspektiven bieten – Klopfen. Auch bei Steuern und Wehrtechnik müsse man gemeinsam handeln, „im IT-Bereich wieder führend werden“.

Das Wort „Klima“ fällt nicht. „Gemeinsam müssen wir es machen“, appelliert er, auch mit Blick auf Menschenwürde und Freiheit.

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