„Carmina Burana“ auf dem Prinzipalmarkt
Wagemut wurde wunderbar belohnt

Münster -

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und ein Wagnis war es allemal, für eine Open-Air-Aufführung der „Carmina Burana“ Laien-Chorsänger ins Boot zu holen. Wer es sich zutraute, durfte mitmachen – und nach nur einem einzigen Tag Proben musste das Stück „in die Scheune“ gebracht werden. Der Wagemut wurde belohnt: Die Aufführung am Pfingstsonntag wurde ein voller Erfolg. Eine imposante Menschenmenge füllte den Prinzipalmarkt, um Carl Orffs beliebtem Chorwerk zu lauschen. Auch manches Giebelfenster wurde da geöffnet.

Montag, 10.06.2019, 15:56 Uhr aktualisiert: 10.06.2019, 16:08 Uhr
Nun sind die „Carmina Burana“ geschafft: Sinfonieorchester, Chorsänger und Generalmusikdirektor Golo Berg strahlen gelöst. Foto: Matthias Ahlke

Münsters GMD Golo Berg veranschlagte bei seiner Begrüßung die Mitwirkenden auf 700 bis 800. „Ich bin begeistert, wie musikalisch diese Stadt ist!“ Mochte die pompöse Anrufung der Schicksalsgöttin („O Fortuna“) zu Beginn auch noch etwas verhalten klingen, so war doch staunenswert, wie präzise die Einsätze kamen. Veritable Patzer waren sehr selten.

Das sprach für die exzellente Blitz-Einstudierung, die teils im Theater, teils auch tags zuvor auf der Bühne an der Lambertikirche stattgefunden hatte. Es sprach auch für die richtige Auswahl des Stückes – sind doch Orffs mittelalterliche Liedvertonungen kein musikalischer Achttausender. Durch barockes Fugendickicht mussten sich die Sängerinnen und Sänger nicht arbeiten – stattdessen genial einfache Melodik, die durch archaische Harmonien gewürzt und in mitreißende Tänze überführt wird.

„Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt

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  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt

    Open-Air-Spektakel auf dem Prinzipalmarkt: Die Aufführung von „Carmina Burana“ lockte am Pfingstsonntag tausende Besucher ins Stadtzentrum.

    Foto: Matthias Ahlke
  • In Begleitung des Sinfonieorchesters Münster...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...leitete Generalmusikdirektor Golo einen gigantischen Chor an.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Rund 600 Sängerinnen und Sänger gruppierten sich vor der Bühne, die kurz vor Lambertikirche auf dem Prinzipalmarkt stand.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Das Publikum erstreckte sich über den Prinzipalmarkt.

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  • Das Konzert auf dem Prinzipalmarkt war der spektakuläre Höhepunkt des dreitägigen Open-Air-Festivals „100 Jahre Münster Musik“.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Sehen Sie im Folgenden weitere Impressionen der „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke
  • „Carmina Burana“ - stimmgewaltige Open-Air-Aufführung auf dem Prinzipalmarkt mit tausenden Zuhörern Foto: Matthias Ahlke

Da schmettern die Fanfaren von jeder Burgzinne, da hüpft und jauchzt man auf dem Dorfplatz, da summen die Frauenstimmen sinnliche Vokalisen, da wird geflirtet, geküsst und gesoffen. Pralles Mittelalter eben, das heute so in den Bann schlägt wie bei der Erstaufführung 1937.

Auftritt mit Tücken

Aber Tücken hat der Chorsatz durchaus. Die vertrackten Rhythmen müssen ebenso gemeistert werden wie die beachtliche Höhe. Auch dies gelang verblüffend gut – wobei der Überhang der Frauenstimmen hier so vernehmbar auftrat wie in fast allen Laienchören der Stadt. Und die Laien blickten an diesem Abend „in die falsche Richtung“ (wie Berg anfangs schmunzelte), sangen also zum Publikum und verfolgten den Dirigentenstab auf Monitoren.

Der holländische Chor „intervocal“ war ebenso vertreten wie die Kinderchöre des Paulinums und der Domsingschule. Die tadellosen Solisten stellte das Theater: Bariton Filippo Bettoschi reißt viril die Tür zur „Schenke“ auf, wo sich Tenor Pascal Herington dann als quäkender Schwan am Spieß dreht. Und Sopranistin Marielle Murphy hüllt am Ende Amors Pfeile in Belcanto-Süße („Dulcissime!“). Die genialen Mikro-Ereignisse, die Orff etwa im Schlagzeug versteckt, bleiben ungehört, die Fanfaren aber tönen virtuos über den Prinzi. Und wenn die Lamberti-Uhr nach einem Fortissimo wie applaudierend schlägt, grinsen tausend Gesichter dazu.

 

 

Kommentar: Schulterschluss

Von der Jubiläums-Idee zum Wagnis, vom Wagnis zum bejubelten Open-Air-Konzert. Die von 600 Sängerinnen und Sängern gebotenen „Carmina Burana“ stießen am Sonntagabend in Münsters „Guter Stube“ auf ein kulturinteressiertes und zu Pfingsten punktgenau begeistertes Publikum. An drei Tagen boten Münsters Musikinstitutionen ein spannendes, abwechslungsreiches und jederzeit unterhaltsames Programm.

In Münster steckt ganz viel Musik: Golo Berg, der gewinnend moderierende Generalmusikdirektor, hat Recht mit der Feststellung, dass Münster eben nicht nur eine Stadt der Lebensart und der Wissenschaft, sondern auch eine „Stadt der Musik“ ist. Deutlich wurde: Musikschule, Musikhochschule und Sinfonieorchester warben nicht nur für die Musik. Sie praktizierten überzeugend den Schulterschluss für einen Musik-Campus, auf dem alle drei Institutionen ein neues Zuhause und optimale Proben- und Konzertbedingungen vorfinden können.

Dies war ein deutliches Signal an die Adresse der Verfechter mancher Seiten- und Sonderwege, die zugleich noch mit dem Hörster Platz oder dem Schlossplatz-Areal liebäugeln. Einstweilen bleibt, auch mit Blick auf die jüngste Verschiebung des Themas im Rat, das Prinzip Hoffnung. Darauf, dass die münsterischen Musikinstitutionen sowie Universität, Land und Stadt an einem Strang ziehen und schnell eine Entscheidung zugunsten eines Campus ohne faule Kompromisse herbeiführen. Münster wartet schon viel zu lange.

- Johannes Loy

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Imposanter Geburtstags-Festreigen

Die „Carmina Burana“ krönten mithin einen imposanten musikalischen Geburtstags-Festreigen, zu dem sich die Westfälische Schule für Musik, die Musikhochschule und das Sinfonieorchester Münster bereits vor zwei Jahren in ersten Planungen entschlossen hatten. Das alles begann am Samstag mit knalligen Bläsersätzen, bei denen Pauliner und das Musikschul-Ensemble „Brassissimo“ unter Alfred Holtmann den Ton angaben, und endete am Pfingstmontagabend mit Filmmusik, serviert vom Sinfonieorchester der Musikhochschule.

Überzeugende Werbung für einen Musik-Campus

Es ging den drei Musik-Säulen der Stadt, der Musikschule, der Musikhochschule und dem Sinfonieorchester, am zunächst windigen, dann doch frühsommerlichen Pfingstwochenende auch um Werbung in eigener Sache: für einen gemeinsamen „Musikcampus“, der drei Jahre nach den ersten Gesprächen zwischen Musikschaffenden, Politik, Universität, Stadt und Land immer noch auf einen finalen politischen Durchbruch wartet. Generalmusikdirektor Golo Berg sagte nachdrücklich und mehrfach: „Wir wünschen, dass wir unsere musikalische Kooperation auf einem Musikcampus intensivieren können.“ Musikschul-Direktorin Friedrun Vollmer ergänzte: „Wir versprechen uns Synergieeffekte, wenn wir räumlich auf einem Musikcampus zusammen- rücken können.“ Als Dritter in diesem Bunde war Stephan Froleyks, Prodekan der Musikhochschule, mit im Boot. Deren Sinfonieorchester setzte übrigens am Pfingstmontag-Abend mit populären Filmmusiken den Schlussakkord eines wunderschönen musikalischen Pfingstfestes.

- Johannes Loy

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