Neue Fahrradstraßen in Münster
Bismarckallee verändert sich

Münster -

Mehr Rot auf der Straße, die neuen Fahrradstraßen kommen. Es gibt die nächsten konkreten Vorschläge.

Mittwoch, 05.06.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 09:54 Uhr
So soll sich die Bismarckallee auf ganzer Länge als Fahrradstraße präsentieren, die für Autos befahrbar bleibt. Als solche wird nach Vorschlag der Stadtverwaltung auch der Abschnitt zwischen Weseler Straße und Körnerstraße ausgewiesen. Parken ist dann Aasee-seitig nicht mehr erlaubt. Foto: Stadt Münster

Es wird ernst: Die neuen Qualitätsstandards für Fahrradstraßen, die der Rat in seiner Juli-Sitzung endgültig beschließen will, sollen nach einem Vorschlag der Stadtverwaltung als Nächstes auf der Bismarckallee und der Goldstraße umgesetzt werden. Damit befasste sich am Dienstagabend die Bezirksvertretung Mitte und stimmte diesem Ansinnen nach hitziger Diskussion fast einstimmig zu.

Die Fahrradstraßen der neuen Generation in Münster sollen nach niederländischem Vorbild rot eingefärbt werden – allerdings nur die jeweils mindestens vier Meter breite Fahrgasse, sodass links und rechts ein grauer Sicherheitsstreifen verbleibt. Gegenüber einmündenden Nebenstraßen sollen die ausgewiesenen Fahrradstraßen bevorrechtigt sein. Das Parken von Autos wird dort künftig in der Regel nur noch auf einer Straßenseite möglich sein.

Bismarckallee wird zur Fahrradstraße

Das wird genau so für die Bismarckallee am Aasee gelten, die jetzt auch im Abschnitt zwischen Weseler Straße und Körnerstraße zur Fahrradstraße wird. Sie wird dann auf ganzer Länge bis zum Ring nach den neuen Qualitätsstandards umgestaltet – mit der Folge, dass das bisherige Parken an der Aasee-Seite der Bismarckallee nicht mehr erlaubt sein wird: 86 Kfz-Parkmöglichkeiten entfallen dadurch. Davon betroffen seien aber vornehmlich Auswärtige, die diese kostenlosen innenstadtnahen Abstellplätze nutzten, heißt es dazu vom Amt für Mobilität und Tiefbau. Die Kosten für die Veränderungen auf der Bismarckallee belaufen sich nach Berechnung der Verwaltung auf 520.000 Euro.

Regeln auf Fahrradstraßen

1/8
  • 1 Schild dpa

    Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ

Weitere Fahrradstraßen bereits in Planung

Künftig will man die Fahrradstraßen in Münster nicht mehr einzeln betrachten. Sie sollen unter anderem als Bestandteil der Velo-Routen den Radverkehr in die Innenstadt bündeln und darüber hinaus eine Netzfunktion sicherstellen. Deshalb soll die rote Route auf der Bismarckallee über die Weseler Straße hinaus verlängert werden: Die Straße "Am Kanonengraben" soll in einem nächsten Schritt als Fahrradstraße ausgewiesen werden, wie es heißt.

Ähnliches passiert rund um die in die Velo-Route Münster-Greven eingebundene Goldstraße, die ebenfalls rot eingefärbt wird. In deren Verlängerung sollen im weiteren Schritt die Holsteiner Straße und die Mecklenburger Straße als Fahrradstraßen ausgewiesen werden. Um die nötige Breite für eine Fahrradstraße zu bekommen, fallen auf der Goldstraße 85 Pkw-Stellplätze weg. Auf der nordwestlichen Straßenseite wird weiter aufgesatteltes Parken möglich sein und so markiert. Aus Sicht der Verwaltung bedeutet dies nur „eine geringe Einschränkung für den ruhenden Verkehr“.

Im Bereich zwischen der Einmündung Bohlweg und der Abzweigung Hörsterplatz wird der Straßenraum neu aufgeteilt. Der östliche Gehweg wird auf zwei Meter verschmälert, angrenzend wird ein Parkstreifen baulich angelegt, wie es heißt. Zusammen mit der Goldstraße kostet dies 375 .000 Euro.

Hitzige Diskussion in der Bezirksvertretung – SPD uneins

Gleich fünf Vorlagen zur Verbesserung für den Radverkehr standen auf der Tagesordnung der Bezirksvertretung Mitte. Und dabei übte insbesondere die SPD massive Kritik an den Vorschlägen der Stadtverwaltung. „Übertriebenen Aktionismus“ warf SPD-Bezirksvertreterin Monika Mayweg dieser vor. 86 Parkplätze auf der Bismarckallee zugunsten einer Fahrradstraße zu streichen, sei „nicht tragbar“.

Mayweg stimmte wie SPD-Vertreter Thomas Schmidt gegen die Vorlage, die aber eine breite Mehrheit über das schwarz-grüne Ratsbündnis hinaus fand. Zuvor hatte Schmidt seine Fraktionsvorsitzende Marita Otte offen brüskiert. Otte wollte den Beschluss zur Bismarckallee mit dem aus ihrer Sicht überfälligen Einstieg in die Planungen einer Fahrradstraße auf der Aegidiistraße verbinden. Schmidt stimmte demonstrativ dagegen. CDU und Grüne zeigten sich dagegen bei den Abstimmungen weitgehend geschlossen. Bei Goldstraße und Bismarckallee soll jedoch über mehr Anwohnerparkplätze nachgedacht werden, um in diesem Bereich den Wegfall von Stellplätzen zugunsten der Fahrradstraße abzumildern.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6666795?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Anwohner parken im Parkhaus
Viele parkende Autos schränken die Nutzung der Schillerstraße als Fahrradstraße stark ein. Die Stadt Münster möchte das Anwohnerparken in diesem Bereich einschränken. Eine Möglichkeit könnten Anwohnerparkplätze im Parkhaus Bremer Platz sein.
Nachrichten-Ticker