Sechstes Rathauskonzert des Sinfonieorchesters
Mit Launen eines Teenagers

Münster -

Kaum tauchen im Programm Komponisten auf, die nicht vertraut sind wie Familiennamen – bleibt das Publikum zu Hause. Für das schwach besuchte letzte Rathauskonzert der Saison wurden drei Komponisten präsentiert, von denen einer sogar leibhaftig mitspielte.

Freitag, 24.05.2019, 22:33 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 23:00 Uhr
Thorsten Schmid-Kapfenburg, Friederike Wiechert-Schüle und Lutz Wagner (v.l.) im Rathauskonzert. Foto: Günter Moseler

Kaum tauchen im Programm Komponisten auf, die nicht vertraut sind wie Familiennamen – bleibt das Publikum zu Hause. Für das schwach besuchte letzte Rathauskonzert der Saison wurden drei Komponisten präsentiert, von denen einer sogar leibhaftig mitspielte: Thorsten Schmid-Kapfenburg, der begütigend anmerkte: „Ich komme auch in die Jahre“, als könne er so stillschweigend vorauseilende Verdächtigungen als Publikumsschreck entkräften.

Dabei erwiesen sich seine „Neun Miniaturen“ für Violoncello und Klavier als unterhaltsame Duo-Musik, der im Repertoire versierte Musiker blieb im Charakter dieser heiteren („Scherzo“), süffig melodischen („Aria 1“) oder auch bizarren („Valse macabre“) Stückchen spürbar. Schmid-Kapfenburg ließ es im Klavierpart perlen, Lutz Wagner bot weit gespannte Kantilenen, Pizzicati wie Peitschenhiebe und im „Lamento“ melodramatisches Vibrato molto.

Die „Sieben Bagatellen für die Jugend“ Schmid-Kapfenburgs firmieren unter einem rätselhaften Titel: Als Junge habe er ein Faible für Fantasiewörter gehabt; „Näsäviisas“ allerdings stamme aus dem Finnischen und bedeute „Neunmalkluger“. Der hübsche kleine Zyklus für Flöte, Violoncello und Klavier erinnerte im „Scherzo delirante“ an aufgekratzte Launen eines Teenagers, während das von türkischer Folklore inspirierte „Arkadašlik“ die Furore der Jugend widerzuspiegeln schien. Friederike Wiechert-Schüle, Lutz Wagner und Schmid-Kapfenburg spielten den aphoristisch-spitzzüngigen Gestus pointiert aus.

Eugène Bozzas „Ballade“ für Posaune und Klavier brachte eine Grandeur ins Spiel, eine großzügig elegische Weite, die auch ins Dramatische umschlagen konnte. Ein motivisches Moll-Dur-Zitat des Gershwin-Prelude cis-moll wurde im Ostinato-Modus spannungsvoll ausgebaut, dabei Jazzschleifer und Glissandi für die Posaune integriert, von Jochen Schüle klangschön phrasiert.

Das Konzert endete wie es begann: mit Musik des Amerikaners Eric Ewazen. Sein Trio für Flöte, Posaune und Klavier bevorzugt bequeme Kadenz-Tonalität, sanguinisches Temperament und Melodien zum Nachpfeifen – Musik im stilistischen „Hier-und-Da“. Raffiniert statt Raffinesse, Tricks, die diese Musik ticken ließen wie ein Uhrwerk auch im finalen Trio, das Namjeong Kim (Violine), Gernot Sülberg (Trompete) und Schmid-Kapfenburg mit virtuoser Attacke bewältigten. Ein Konzert ohne Rathaus-Behaglichkeit – toll!

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6637583?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
SCP-Krise ist mit dem trüben Auftritt gegen Viktoria Köln endgültig da
Der Anfang vom Ende: Mike Wunderlich (links) traf zum 1:0 für Köln, Okan Erdogan und Torwart Max Schulze Niehues konnten nicht mehr eingreifen.
Nachrichten-Ticker