Von Telgte nach Münster
Stadt stellt Konzept einer ersten Veloroute vor

Münster -

Nach dem Verlust des Titels „Fahrradhauptstadt“ steht Münster unter Druck. Oberbürgermeister Markus Lewe und Stadtbaurat Robin Denstorff stellten am Donnerstag ein Maßnahmenpaket vor – mit Fahrradstraßen und Velorouten.

Freitag, 24.05.2019, 07:00 Uhr
Sie stellten die Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs vor (v.l.): Michael Grimm (Tiefbauamt), Stadtbaurat Robin Denstorff, Oberbürgermeister Markus Lewe sowie Gerhard Rüller (Tiefbauamt). Foto: Oliver Werner

„Karlsruhe und Freiburg, zieht Euch warm an!“ Der Stachel der Enttäuschung, dass Münster den Titel „Deutsche Fahrradhauptstadt“ abgeben musste, sitzt offenbar tief. Auf jeden Fall gab sich Oberbürgermeister Markus Lewe am Donnerstag bei einem Pressegespräch kämpferisch, als er mit Stadtbaurat Robin Denstorff Maßnahmen zur Förderung des Fahrradverkehrs in Münster vorstellte. Die „nächste Etappe“ im Wettbewerb um den Hauptstadttitel sei eingeläutet, so der Oberbürgermeister.

Drei konkrete Maßnahmenpakete, die allesamt in den kommenden Jahren eine Wirkung entfalten sollen, wurden vorgestellt. Konkret gemeint sind damit der Ausbau bei den Fahrradstraßen, gepaart mit Verbesserungen an den bestehenden Fahrradstraßen. Ferner möchte die Stadt perspektivisch einen 27 Kilometer langen, durchgehend asphaltierten Radweg entlang des Dortmund-Ems-Kanals schaffen.

9,8 Kilometer lang

Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen als dritte Maßnahme die Velorouten, die im Verlauf des kommenden Jahrzehnts Münster mit den Nachbarkommunen verbinden sollen. Der konkrete Verlauf der Veloroute nach Telgte wurde bei dem Pressegespräch vorgestellt. Sie führt – grob gesprochen – über die Achse Bohlweg, Dieckstraße, Kanalschleuse, Dingstiege, durch den Boniburger Wald, quer durch Handorf und dann weiter über die Kötterstraße in Richtung Stadtgrenze Telgte. Auf münsterischem Stadtgebiet ist die Veloroute 9,8 Kilometer lang, insgesamt sind es zwölf Kilometer.

Zum Standard dieser Veloroute soll ein geregelter Winterdienst und eine Beleuchtung gehören, sodass Radler die Veloroute zu jeder Tages- und Jahreszeit benutzen können. Die Beleuchtung ist laut Denstorff so konzipiert, dass sie per Bewegungsmelder eingeschaltet wird und sich dann auch wieder ausschaltet. Sprich: Wenn im Niemandsland zwischen Münster und Telgte niemand unterwegs ist, dann bleibt die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet.

Erste Arbeiten schon dieses Jahr

Für die Veloroute sind Ausgaben in Höhe von knapp vier Millionen Euro veranschlagt, erste Arbeiten sollen bereits in diesem Jahr beginnen, die weiteren Arbeiten sukzessive folgen.

Auch wenn die Veloroute über Handorf nach Telgte etwas länger ist als der direkte Weg entlang der B 51, so glauben die Verantwortlichen doch an einen Erfolg. Nicht zuletzt deshalb, weil es möglich sei, nahezu ampelfrei von Münsters Innenstadt bis nach Telgte zu radeln.

Die Route sei zusammen mit den Telgtern erarbeitet worden, versicherte Gerhard Rüller vom städtischen Amt für Mobilität und Tiefbau. Sprich: Es ist sichergestellt, dass das Wissen Telgter Berufspendler, die per Rad zu ihrem Arbeitsplatz in Münster kommen wollen, in die Planung eingeflossen ist. Modulartig soll die Veloroute – wie weitere – umgesetzt werden.  

27 Kilometer Kanalroute

Auf einer Länge von 27 Kilometern soll der Kanalseitenweg auf dem kompletten münsterischem Stadtgebiet zu einer Alltagsradroute auch für Berufspendler ausgebaut werden – „mit entsprechend komfortabler Infrastruktur“, wie Planungsdezernent Robin Denstorff ankündigt.

Die Pläne in Absprache mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sehen auf der gesamten Nord-Süd-Strecke auf jeweils einer Kanalseite eine mindestens drei Meter breite, asphaltierte Fahrbahn vor mit sensorengesteuerter Beleuchtung, sodass genügend Platz für Radfahrer und Fußgänger sein soll.

2020 soll auf den ersten Teilabschnitten mit dem Bau begonnen werden. Insgesamt kostet der Ausbau zu einer „durchgängigen und attraktiven Fahrradroute“ (Denstorff) elf Millionen Euro, davon muss die Stadt acht Millionen tragen. Im Zuge der Kanalerweiterung auf der Stadtstrecke wird der neue Betriebsweg entsprechend ausgebaut. Dirk Anger

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Neue Fahrradstraßen - neuer Standard

Fahrradstraßen in Münster sollen besser erkennbar, sicherer und komfortabler werden. Das sieht ein Vorschlag aus dem Amt für Mobilität und Tiefbau vor, über den der Rat am 3. Juli entscheidet. „Wir müssen konsequenter mit dem Thema Fahrradstraße umgehen“, betont Planungsdezernent Robin Denstorff.

Dafür sollen einheitlich neue Qualitätsstandards sorgen: Auf den Fahrradstraßen ist eine mindestens vier Meter breite Fahrgasse vorgesehen, die rot eingefärbt wird, wie es erstmalig auf der Wilhelmstraße umgesetzt wird. Pkw-Parken soll häufig nur auf einer Straßenseite möglich sein, Auto-Schleichverkehr ausgebremst werden.

„Fahrradfahrer sind hier zu Hause, Autofahrer zu Gast“, so Denstorff. Als Nächstes werden Goldstraße und Bismarckallee (ab Weseler Straße) als Teilstrecken der Velo-Routen nach Greven und Senden umgestaltet.

Auch „Zwischenschritte“, etwa auf der Schillerstraße, sind in der Planung.

Kommentar: Endlich erfahrbar

Es hat gedauert, aber das mag teils der Komplexität der Materie geschuldet sein: Jetzt aber liegen konkrete Pläne für den Ausbau des Radwegenetzes in und um Münster auf dem Tisch – inklusive der ersten von 13 Velo-Routen, die nach und nach Münsters Innenstadt mit den Nachbarorten verbinden werden. Die Richtung stimmt jedenfalls, und anders ist das Ziel, den Radler-Anteil im Verkehr von 40 auf 50 Prozent zu steigern, kaum mehr erreichbar.

Dass es an der einen oder anderen Stelle Kritik geben wird, liegt in der Natur der Sache: Denn Radfahrer bekommen auf bestimmten Abschnitten wie dem Bohlweg Vorrang. Schließlich verlockt nur ein attraktiv ausgebautes Wegenetz zum Umstieg auf das ökologisch vorteilhafte Verkehrsmittel. Davon profitieren am Ende aber auch diejenigen, die weiterhin mit dem Auto auf Münsters Straßen unterwegs sind. Denn hier wird wegen des Bevölkerungswachstums nicht mehr Platz sein.

Das Zusammenspiel von rot gefärbten Fahrradstraßen,  Velo-Routen und einer Kanalstrecke wird langsam erfahrbar. Das hilft, die Akzeptanz zu steigern. Der Weg für ein gesamtstädtisches Mobilitätskonzept, das über das Fahrrad hinausgeht, ist aber noch weit. Dirk Anger

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