Einführung im Januar 2020
Wertstofftonne löst gelben Sack ab

Münster -

Jahrelang wurde diskutiert, nun steht fest: Im gesamten Stadtgebiet löst ab kommenden Jahr die Wertstofftonne den gelben Sack ab. Einige Fragen sind allerdings noch offen.

Donnerstag, 23.05.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 10:45 Uhr
Ludger Steinmann (v.l., Leiter Betriebsausschuss), Patrick Hasenkamp (Betriebsleiter AWM), Matthias Peck (Nachhaltigkeitsdezernent) und Christian Wedding (stellvertretender Betriebsleiter AWM) freuen sich, dass Münster 2020 die Wertstofftonne bekommen wird. Foto: Oliver Werner

Bis zu 8,5 Millionen gelber Säcke werden jährlich in Münster verwendet. Doch damit ist zum 1. Januar des kommenden Jahres Schluss. Münster bekommt die Wertstofftonne. Die kann einiges mehr als der gelbe Sack, wird aber nach derzeitigem Stand jährlich auch zusätzliche Kosten zwischen 2,38 Euro und – in Ausnahmefällen – 74,80 pro Haushalt verursachen (siehe Infokasten).

„Die gelben Säcke sind ein Quell des Ärgers“, sagt Patrick Hasenkamp, Betriebsleiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster (AWM). Trotz dieser Erkenntnis waren die Verhandlungen um die Einführung einer Wertstofftonne jahrelang nicht erfolgreich. Unter anderem seien die Gespräche mit den Vertretern des Dualen Systems am Abholrhythmus gescheitert, der, so Hasenkamp, liege in vielen Städten bei vier Wochen. In Münster wird nun aber alle zwei Wochen abgeholt werden.

Das gehört in die Wertstofftonne

Für Hasenkamp ist die Wertstofftonne ein Durchbruch, denn bislang sei es „schwer vermittelbar“ gewesen, warum stoffgleiche Dinge verschieden entsorgt werden müssen. Das habe mit der Wertstofftonne endlich ein Ende. Denn nicht nur Verpackungen mit dem grünen Punkt, sondern auch Kunststoffe wie Eimer, Gießkannen oder Spielzeuge können in der Wertstofftonne entsorgt werden.

Die Kosten

Die Anschaffung der Tonnen sowie der Mehraufwand bei der Abholung verursachen laut Angaben der AWM Mehrkosten. Diese sollen durch eine Gebührenerhöhung auf die Restmülltonne aufgefangen werden.

Auf die kleinste Tonne (35 Liter), werden nach derzeitig vorliegenden Zahlen 2,38 Euro aufgeschlagen, auf eine 90-Liter-Reststofftonne 6,12 Euro. Für 120 Liter Restmüll werden 8,16 Euro fällig. Bei einem 1100-Liter-Müllbehälter kommen 74,80 Euro hinzu.

Zudem kündigen die Abfallwirtschaftsbetriebe für die Restmülltonne eine rund zehnprozentige Steigerung der Gebühren für 2020 an. Diese stehe jedoch nicht in Bezug zu der Wertstofftonne, sondern sei nach Jahren ohne Erhöhung notwendig, so Christian Wedding.

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Zudem gehören auch Metalle wie Aluminiumfolien, Töpfe und Pfannen oder etwa Werkzeuge in die Wertstoffe, die bis Anfang 2020 mit grauem Korpus und einem orangefarbenen – ganz korrekt einem melonenengelben – Deckel an alle Haushalte ausgeliefert werden wird. Elektrogeräte, darauf weisen die AWM explizit hin, sind kein Fall für die Wertstofftonne.

Wer leert die Tonnen?

Rund 55.000 dieser Tonnen werden für das gesamte Stadtgebiet benötigt. Dabei ist schon jetzt klar, dass im Innenstadtbereich sowie in der Aaseestadt und Pluggendorf die Tonne von den AWM geleert wird. Die restlichen 78 Prozent des Stadtgebiets befinden sich derzeit noch in der Ausschreibung.

Auf „50 zu 50“, beziffert Hasenkamp die Chance, dass auch hier die AWM den Zuschlag bekommen. Er wolle aber auch nicht ausschließen, dass ein größerer Anbieter hier ein Angebot vorlege, was vielleicht sogar unter den verursachten Kosten liege. In der Branche, so die Botschaft, wird mit Haken und Ösen operiert.

Keine Beschwerden im Testgebiet

„Für Münster ist die Wertstofftonne eine tolle Nachricht“, äußerte sich Nachhaltigkeitsdezernent Matthias Peck und fügte hinzu: „Es ist ein Beitrag zum Klimaschutz, wenn auch nur ein kleiner.“

In Hiltrup und Kinderhaus, wo bereits seit 2012 Pilotprojekte zur Wertstofftonne durchgeführt werden, gebe es keinerlei Beschwerden, macht Christian Wedding, stellvertretender Betriebsleiter der AWM deutlich. Dennoch rechnet Wedding auch mit Problemen und nennt vor allem den zusätzlichen Platzbedarf für eine vierte Tonne als möglichen Stein des Anstoßes. Wer wirklich keinen Platz dafür habe, an den würden die AWM aber auch weiterhin gelbe Säcke ausgeben.

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