Ernährungsprojekt von FH-Studierenden
„SimSimBalls“: Kleiner Vitaminstoß für Uganda

Münster -

„Iss das, das ist gesund für dich!“ – mit diesem Satz bringt man deutsche Kinder dazu, die Nahrung zu verweigern. Wie also überzeugt man mangelernährte Kinder in Uganda, in Münster entwickelte Vitaminbällchen zu probieren? Hinfahren und selber rollen . . .

Dienstag, 21.05.2019, 18:20 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 18:31 Uhr
Die Studierenden Wieland Buschmann und Jolien Maltzahn von der FH Münster setzen ihr Rezept für „SimSimBalls“ um. Die vitamingeladenen Bällchen bestehen aus Hirse, Sesam, Erdnuss, Banane und Orange. Foto: FH Münster

Jolien Maltzahn und Wieland Buschmann ist die Zufriedenheit anzusehen. Die Studierenden der Fachhochschule (FH) Münster waren kürzlich in Uganda. Dort haben sie laut Pressemitteilung den ersten großen Schritt in ihrem Projekt „SimSimBalls“ verwirklicht, mit dem sie im Oktober den Wettbewerb „Students4Kids“ gewonnen hatten. In diesem Wettbewerb der Assmann-Stiftung für Prävention und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung überzeugten sie mit einem umfassenden Konzept, wie der Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen bei Kindern in Uganda bekämpft werden könne.

Mit dem Preisgeld von insgesamt 10 000 Euro setzen sie nun ihre Idee rund um die „SimSimBalls“ um. „Die entscheidende Frage war, wie die Sesambällchen, die wir in Deutschland entwickelt hatten, bei den Kindern ankommen werden“, erzählt die Masterstudentin Maltzahn. Ganz gespannt seien die beiden im Kinderkrisenhaus in Gulu im Norden des Landes eingetroffen. Maltzahn hatte bereits während einer früheren Projektarbeit über den Verein „Lichtstrahl Uganda“ Kontakte zu der Einrichtung aufgebaut.

Immer wieder nachgenommen

In dem Haus haben der Oecotrophologie-Student und die Studentin im Master „Ernährung und Gesundheit“ zunächst mit einigen Frauen und einer Köchin aus dem Ort die Bällchen als Zwischenmahlzeit frisch hergestellt. Am dritten Tag haben die Frauen die Zubereitung allein in die Hand genommen, berichtet der Student. Die Kinder hätten sie zunächst teils neugierig, teils schüchtern beobachtet. „Anfangs fanden sie komisch, was wir machen“, sagt Buschmann. „Dann haben sich einige aber auch Handschuhe übergezogen und mit uns die ,SimSimBalls’ gerollt. Vorsichtig haben sie dann die Bällchen probiert – und sie gleich gemocht.“ Sie hätten immer wieder welche nachgenommen.

Wie sich die Bällchen auf die Nährstoffversorgung und den Gesundheitsstatus der Kinder auswirken, wird derzeit erhoben – die Ergebnisse stehen noch aus. Die Bällchen sollen Mikronährstoffe wie Eisen, Zink, Vitamin C, Kalzium und Niacin liefern. Sie bestehen aus Hirse, Sesam, Erdnuss, Banane und Orange.

Bällchen auch in Münster zu kriegen

„Vor Ort mussten wir unsere Rezeptur und die Maßeinheiten überarbeiten“, berichtet Buschmann. Denn die heimischen Orangen seien viel saftiger, die Hirse viel fester. Die Zutaten sollen auf einem Stück Land wachsen, das 30 Minuten vom Kinderkrisenhaus entfernt ist. Maltzahn und Buschmann haben auch den Gärtner getroffen, um mit ihm zu besprechen, wie das Land zu bewirtschaften sei.

„Die Saat ist gesät“, freut sich der 27-Jährige über den erfolgreichen Start. Besonders dankbar sind beide für das Preisgeld und das helfende Netzwerk. Der Kinderarzt Prof. Joachim Gardemann und der Ernährungswissenschaftler Prof. Guido Ritter vom Fachbereich „Oecotrophologie – Facility Management“ der Fachhochschule begleiten sie fachlich. Mit dem Verein „Lichtstrahl Uganda“, der vor Ort gut vernetzt ist, sind die Studierenden in ständigem Austausch.

Die Bällchen sollen auch in Münster verkauft werden: Für jedes verkaufte Bällchen soll ein Euro direkt in das Projekt zurückfließen, heißt es. „Mit einem ,SimSimBall’ können wir den Arbeitsplatz einer Frau einen Tag lang bezahlen“, sagt Maltzahn.

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Die „SimSimBalls“ sollen in den Filialen der ­„Roestbar“ erhältlich sein.

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