Studiobühne: „Begegnung“ von Vinicius
„Sie war wie ein Atemzug“

Münster -

Man kann im gleichen Haus neben der Frau seines Lebens wohnen und trifft sie doch nie – verschiedene Arbeitszeiten. Es fehlte der „glückliche Moment“, ein Zufall, der (leider) nicht jedem zustößt.

Montag, 20.05.2019, 14:06 Uhr aktualisiert: 22.05.2019, 19:42 Uhr
Ina Prause, Marion Brandenburg und Michelle Fleermann tanzten das Tanztheaterstück „Begegnung“ von Vinicius. Foto: Günter Moseler

Man kann im gleichen Haus neben der Frau seines Lebens wohnen und trifft sie nie. Es fehlte der „glückliche Moment“, ein Zufall, der (leider) nicht jedem zustößt. Das interdisziplinäre Performance-Tanztheater-Projekt „Momentos“ stellt existenzielle Augenblicke ins künstlerische Zentrum seiner Arbeit: „Und dann gibt es die eine Begegnung, die das ganze Leben verändert.“ Unter dem Motto „Dance for erverybody“ fand in der Studiobühne die Premiere des Tanztheaterstücks „Begegnung“ von Vinicius statt.

Es begann im Kuschelmodus: Neben einer Liege eine Stehlampe aus „Großmutters Zeiten“, ein kleiner Tisch, auf der Bühne ein paar Kissen und (Umzug-)Kartons. Im Hintergrund säuselt eine ostinate Endlosschleifen-Musik. Der Anschein einer Wohnung, wie unberührt und unberührbar, durch die eine junge und zwei ältere Frauen sich wie in Trance bewegen. Immer wieder legen sie die Hand aufs Herz, tanzen allein oder miteinander, wie in unauflöslicher Harmonie vereint. Ein Umarmen, ein Betasteten des Körpers zwischen Sehnen und Selbstvergewisserung.

Damit betritt eine mysteriöse Unbekannte die Szene, unsichtbar und nur mit wenigen erratischen Sätzen beschworen wie umworben. Vielleicht auch ist eine der Tänzerinnen jene persona incognita, die als imaginäres Bild der anderen existiert. Manchmal vereinen sich die Tänzerinnen zu skulpturalen Formen, die sich dann wie in blindem Einverständnis auflösen. Buchstaben auf der hinteren Wand befinden sich in freiem Fall, so wie Gesprochenes sich verflüchtigt. Solotänze scheinen Erinnerungsbilder zu skizzieren: „Sie war wie ein Atemzug – und dann war sie schon wieder weg.“

Manchmal vermochte sich die Inszenierung der Abdrift ins Hohepriesterliche nicht zu entziehen. Eine meditative Waschszene schien auf antike Vorbilder und religiöse Implikationen anzuspielen. Großartig Mut und Hingabe der drei Tänzerinnen (Ina Prause, Marion Brandenburg, Michelle Fleermann), sich diesem Tanzexperiment anzuvertrauen. Herzlicher Applaus.

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