Science Slam
Menschen sind auch nur Moleküle

Münster -

Wissenschaft ist kompliziert und nicht alltagstauglich. Falsch! Am Dienstagabend konnten sieben junge Akademiker beim Science Slam beweisen, dass sich die kompliziertesten Phänomene durch ganz gewöhnliche Erfahrungen erklären lassen.

Mittwoch, 15.05.2019, 16:32 Uhr
Moderator Christoph Tiemann interviewt Gewinnerin Lilian Szych nach dem Science Slam. Foto: Melina Liethmann

„Da geht man als Chemikerin ein Mal unter Leute und es eskaliert gleich so,“ sagt Lilian Szych erstaunt. Gerade hat sie den Münsteraner Science Slam gewonnen und nimmt ihren Preis, das goldene Gehirn, von Moderator Christoph Tiemann entgegen.

Die Aula am Aasee ist am Dienstagabend komplett ausverkauft. Hunderte sind gekommen, um sieben jungen Akademikern zu lauschen, die an diesem Abend wissenschaftliche Themen informativ und vor allem unterhaltsam auf die Bühne bringen. Sie alle haben zehn Minuten Zeit, ihre Forschungsprojekte und Lieblingsthemen vorzustellen. Anschließend darf das Publikum durch Punktevergabe über den Sieg entscheiden.

Marabel Riesmeier, Christian Jaster, Lilian Szych, Johannes Feindler, Wiebke Schick, Elisabeth Verweyen und Anne Vortkamp slammen über vermeintlichen Klebstoff aus der Steinzeit, Batterien, die Chemie in Beziehungen, Wein und Glück. Das Ergebnis ist eindeutig: Lilian, die sich selbstironisch als „schlecht im Umgang mit Emotionen“ bezeichnet, überträgt während ihres Auftritts chemische Bindungen auf menschliche Beziehungen.

Wenn eine Freundin nach einem Beziehungsende weinend vor ihr sitze, frage sie sich manchmal schon, warum ein Mensch eigentlich tropft. „Bei jeder Bindung, egal ob chemisch oder menschlich, ist der energetische Zustand am Anfang am höchsten. Eine Trennung ist dann eigentlich nichts anderes mehr als eine Substitutionsreaktion. Man bindet sich eben an ein neues Molekül, also einen neuen Partner.“

Das Publikum ist begeistert, applaudiert lautstark und amüsiert sich prächtig. Am Ende gibt es die volle Punktzahl. Gerechnet hat Lilian damit nicht, denn es ist das erste Mal, dass sie auf der Bühne steht. Sie studiert Chemie in Rostock und ist am Dienstag extra für den Science Slam nach Münster gekommen. „Weil ich gerne Beziehungsdiskussionen führe und Chemie mag, habe ich für meinen Auftritt beides miteinander verbunden.“

Organisiert wird der Science Slam jedes Semester von der Hochschulgruppe Weitblick. Die Studierendeninitiative engagiert sich weltweit für fairen Zugang zu Bildung. Alexander Noak, Gruppenleiter bei Weitblick und Mitorganisator des Abends, freut sich vor allem darüber, dass dieses Mal so viele Frauen teilnehmen. „Fünf von sieben Teilnehmenden sind Frauen. Das hatten wir vorher noch nie!“

Der nächste Science Slam soll den Veranstaltern zufolge im November 2019 stattfinden.

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