Lehren aus dem Fischsterben 2018
Neue Pumpen und weniger Fische

Münster -

Im August 2018 gab es ein massenhaftes Fischsterben im Aasee als Folge eines akuten Sauerstoffmangels. Mit Hilfe eines abgestimmten Maßnahmenplans möchte sich die Stadt Münster 2019 schützen.

Montag, 13.05.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 14.05.2019, 06:45 Uhr
Mit einem Bündel an Maßnahmen soll ein erneutes Fischsterben im Aasee verhindert werden. Foto: Oliver Werner

Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will die Stadt Münster verhindern, dass sich ein katastrophales Fischsterben wie im August 2018 im Aasee wiederholen kann.

Erarbeitet wurde das Konzept von dem Umweltforscher Prof. Dr. Dietrich Borchardt aus Magdeburg, den die Stadt im vergangenen Jahr damit beauftragt hatte, die Ursachen des Fischsterben zu erforschen. Borchardt betonte, dass die Probleme im Aasee 2018 „ein Extremfall waren, aber kein Einzelfall“. Angesichts des Klimawandels steige ohnehin die Gefahr kritischer Situationen.

Hier die Maßnahmen im Detail:

► Frühwarnsystem: Auf der Basis der ständig ermittelten Daten (Wassertemperatur, Algenwachstum, Wasserzufluss, Sauerstoffgehalt und mehr) wird die Wasserqualität kontinuierlich bewertet. Wenn absehbar eine kritische Situation entstehen könnte, leitet die Stadt mit einem Vorlauf von sieben bis zwölf Tagen Akutmaßnahmen ein.

► Pumpen: Nach Rücksprache mit Prof. Borchardt und entsprechenden Recherchen bei den Herstellerfirmen wird die Stadt Münster in den kommenden Wochen etwa vier bis fünf Sauerstoffpumpen zu einem Stückpreis von rund 100 000 Euro kaufen. Sie kommen mit dem besagten Vorlauf von fünf bis zwölf Tagen zum Einsatz, um Sauerstoff in den See zu pumpen. So können sich „Sauerstoffinseln“ bilden, die den Fischen das Überleben ermöglichen.

Fischsterben im Aasee

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  • Fischsterben im Aasee
Foto: Matthias Ahlke
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► Hegeplan: Einer der Ursachen für das Fischsterben des vergangenen Jahres lag – Ironie der Geschichte – in dem hohen Fischbestand. Der Grund: Wenn sich viele Fische im Wasser befinden, werden viele Wasserflöhe gefressen. Wasserflöhe aber fressen Blaualgen und verhindern so das für Fische sehr gefährliche Massenwachstum von Blaualgen. Die Stadt Münster und der Fischereiverband, so Borchardts Empfehlung, dürfen zukünftig Quantität und Zusammensetzung des Fischbestandes nicht mehr dem Zufall überlassen.

►Sedimente: Derzeit läuft eine Überprüfung des schlammigen Aaseegrundes. Sollte die Gefahr bestehen, dass sich unter Sonneneinstrahlung Nährstoffe aus den Sedimenten lösen, muss die entsprechende Schicht abgetragen werden. Ergebnisse zur Notwendigkeit sollen im Herbst vorliegen. Die Maßnahme wäre sehr kostspielig.

► Nährstoffzufuhr: Langfristig muss die Stadt laut Gutachter daran arbeiten, die Phosphatzufuhr über den Oberlauf der Aa zu reduzieren. Badewasserqualität werde der Aasee aber nie erreichen.  

Kommentar: Keine einfachen Lösungen

Gemessen an der Aufregung des vergangenen Jahres war der Auftritt des Magdeburger Gutachters Prof. Dr. Dietrich Borchardt am Montag vor der Presse gänzlich unspektakulär. Das Fischsterben im Aasee, mit dem Münster im August bundesweit die Negativ-Schlagzeilen beherrschte, war für den Experten ein extrem komplizierter Vorgang.Entsprechend differenziert fielen seine Vorschläge aus, um vergleichbare Ereignisse für die Zukunft auszuschließen. Wobei der Umweltforscher selbst hier noch mahnend anmerkte, dass es angesichts global steigender Temperaturen keine absolute Sicherheit vor einem Fischsterben gebe.Gleichwohl kann man sicher sein, dass die Stadt Münster im Krisenfall besser vorbereitet wäre. Die 2018 mühsam herbeigekarrten Pumpen werden angeschafft und kommen bei Bedarf auch vorsorglich zum Einsatz.Aber selbst wenn das Fischsterben 2018 ein singuläres Ereignis bleibt, so bleibt der Aasee doch ein kompliziertes Flachgewässer. Den Status eines Badesees wird er nie erreichen können, und auch der üppige Fischbestand gehört der Vergangenheit an. Klaus Baumeister

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