Sinfonieorchester und Schüler spielen „Symphonic+“
Unter Volldampf musiziert

Münster -

Es gehört zum Konzert im Theater wie das Reserverad zum Auto: das Programmheft, Vorschau, Erklärung, Gedächtnisstütze. Beim „Symphonic+“-Konzert im Großen Haus wurde großzügig darauf verzichtet, es werde „durchs Konzert moderiert“, hieß es. Vielleicht auch das sicherste Anzeichen dafür, dass die Jugend an diesem Spätnachmittag in der Überzahl vertreten war: Hier zählte blanke Begeisterung als Programm!

Sonntag, 12.05.2019, 16:36 Uhr aktualisiert: 15.05.2019, 19:06 Uhr
Eine Bühne fast voll mit Bläsern: Da konnte Dirigent Golo Berg schon spektakuläre Klänge ernten. Foto: Günter Moseler

Musiker und Musikerinnen des Blasorchesters Paulinum und „Brassissimo“ von der Musikschule hatten sich zur symphonischen Kooperation mit dem Sinfonieorchester Münster getroffen und präsentierten Musik unter Volldampf. Das Blasorchester unter Alfred Holtmann hatte die Bühne geentert und sich ohne den leisesten Startschuss in irgendetwas mit Rhythmus geworfen. Jubel über Jubel nach dem knalligen Schlusstakt, da eilte auch schon Generalmusikdirektor Golo Berg herbei, im flotten Plausch einigte man sich rückblickend auf „Gonna Fly Now“ aus dem „Rocky“-Film. Alles (ver-)lief auf Hochtouren, blieb Berg nur noch die hastige Frage: „Und was hören wir jetzt?“ Flapsig warf Holtmann Titel des Stücks und Name des Komponisten ins Parkett, davon blieb im ersten Rang „Jacop ter Han“ übrig, und schon donnerten und fauchten die Blechbläser wie von tausend Teufeln gejagt.

Straff synkopische Rhythmen, übersichtliche Harmonien, Drive und furchtloses Fortissimo blieben Trumpf an diesem Nachmittag. Golo Berg zeigte sich nachhaltig beeindruckt: „Brauchen Sie überhaupt noch ein Sinfonieorchester?“ „Natürlich brauchen wir ein Sinfonieorchester!“, parierte Holtmann, was wiederum Herrn Berg ein kokettes „Schmeichelhaft“ entlockte. Fazit beider Profis: Alle hätten profitiert, die Proben seien reibungslos verlaufen. Dann wurde ein „Epos“ angekündigt: „Ross Roy“, eine „Villa in Australien, wo Werte wie Treue, Solidarität und Toleranz herrschen“, so Holtmann. Das Stück von Jacob de Haan (also fast richtig gehört!) tobte sich im Breitwand-Sound aus, der mit zackigem Marschmodus, Klarinettensentiment und Glasperlenspiel im Schlagzeug pathetische Sonnenauf- und -untergänge vom Stapel ließ.

Auch für „Straight Fit“ von Thiemo Kraas wurden Blechbläserlawinen ausgelöst, von einer perfekten Dirigat-Choreographie Bergs kontrolliert. De Haans „Oregon“ schickte eine Lokomotive im gestreckten Galopp durch den Wilden Westen, nach der Pause betrat das Sinfonieorchester mit einem Piazzolla-Tango die Szene, ernst, schroff und mit einem Hauch Schostakowitsch versetzt. Für Piazzollas Tangohit „Libertango“, den alle gemeinsam spielten, erzählte Holtmann eine anrührende Geschichte über eine alte Dame, die in Venedig zu den Klängen des Orchesters Tango tanzte. Sirenenstimmung in den Streichern: „Sie wissen, was Sie zu tun haben!“, forderte Berg das Auditorium zum Tanz auf – die Zuhörer aber blieben auf den Plätzen und waren hingerissen von einem Konzert, das mehr als andere unter Beweis stellte: Begeisterung ist alles!

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