Hinterlassenschaften vom 1. Mai
Müllberge an den Aasee-Kugeln

Münster -

Unmengen an Müll haben Feiernde am 1. Mai an den Aasee-Kugeln hinterlassen. AWM und Grünflächenamt räumten erst am Donnerstagnachmittag auf – um ein Zeichen gegen die seit Jahren zunehmende Vermüllung am Aasee zu setzen.

Donnerstag, 02.05.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 02.05.2019, 19:15 Uhr
Tausende überwiegend junge Menschen haben am 1. Mai rund um die Aasee-Kugeln gefeiert. Viele von ihnen ließen ihren Müll einfach zurück. Am Donnerstag räumten AWM und Freiwillige gemeinsam auf. Foto: ohw

Stellenweise türmt sich der Müll auf der Wiese an den Aasee-Kugeln bis zu einem halben Meter hoch. Leere Alkoholflaschen mischen sich mit Papptellern, auf denen Essensreste kleben, Plastikverpackungen, in denen sich noch Würstchen befinden, und abgebrannten Einweggrills. Überall liegen Scherben, immerhin: Eine Handvoll Studenten hat sich am Donnerstagmittag eingefunden, um einen Teil des Mülls, den das Partyvolk am 1. Mai hinterlassen hat, einzusammeln.

Die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) haben nämlich den Bereich an den Aasee-Kugeln nicht, wie sonst üblich, am frühen Morgen gereinigt, sondern den Müll erst einmal liegengelassen – um ein Zeichen gegen die seit Jahren zunehmende Vermüllung zu setzen.

"Asozial"

„Einfach nur Chaos“, so fasst Ulrich Kleine-Bösing vom Grünflächenamt die Lage am Tag danach zusammen. Stadtrat Matthias Peck bezeichnet das Verhalten jener, die am Abend zuvor nach Hause gegangen sind, ohne sich um ihren „Wohlstandsmüll“ zu kümmern, gar als „asozial“.

Müll am Aasee nach dem 1. Mai 2019

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    Nachdem am 1. Mai 2019 Tausende am Aasee den Feiertag verbrachten, sind am Morgen danach die Grünflächen rund um den See stark vermüllt.

    Foto: Oliver Werner
  • Leere Flaschen, Einweggrills, Plastikteller - am Aasee quollen die Müllbehälter am 2. Mai über.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Stadtwerke haben in diesem Jahr eine Aktion zur Sensibilisierung für das Müllproblem gestartet: Mit Absicht ließen sie den Müll zunächst liegen un reinigten die Grünflächen erst am Nachmittag, um den Menschen die Verschmutzung vor Augen zu führen.

    Foto: Oliver Werner
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  • Foto: Oliver Werner

Am Donnerstagnachmittag haben sich AWM-Mitarbeiter, Anlieger und Mitstreiter der Initiative „Pro Aasee“ zusammengefunden, um die Spuren des Vortages zu tilgen. Bis zu sechs Tonnen Abfall werden wohl zusammenkommen, schätzt AWM-Sprecherin Manuela Feldkamp. Unter den Teilnehmern der Reinigungsaktion entbrennt eine Diskussion, warum die überwiegend jungen Menschen ihren Müll einfach liegen gelassen haben.

Kapazität der Müllcontainer nicht ausgenutzt

Die Mutmaßungen reichen von „Protest“ über „Egoismus“ bis zu „Bequemlichkeit“. An mangelnden Müllbehältnissen ist das Aufräumen jedenfalls nicht gescheitert, sagt Feldkamp. Von den sieben unterirdischen Müllcontainern (Fassungsvermögen: jeweils 1000 Liter) seien einige nicht mal zu einem Viertel gefüllt gewesen. Und einige der 25 orangen Mülltonnen, die jeweils 240 Liter fassen, seien gar komplett leer gewesen.

Auch der Vor-Ort-Einsatz von 23 städtischen Mitarbeitern am 1. Mai war offenbar nur begrenzt erfolgreich. „Je betrunkener die jungen Leute sind, umso weniger sind sie mit Appellen erreichbar“, sagt ein Stadt-Mitarbeiter. Derweil zeigt sich Kleine-Bösing erschüttert, dass selbst Lebensmittel, die nicht mehr benötigt wurden, einfach weggeschmissen wurden.

Gravierende Probleme nur am Aasee

Der Bereich rund um die Aasee-Kugeln war am 1. Mai das Epizentrum der Vermüllung. Anderswo im Stadtgebiet verlief der Maifeiertag in Sachen Müll erheblich entspannter, berichtet Ulrich Kleine-Bösing vom städtischen Grünflächenamt. „Zwischen dem Segelclub Hansa und der Torminbrücke waren ebenfalls Tausende Menschen unterwegs – doch sie sammelten ihren Müll ein, packten ihn in Tüten und stellten ihn neben den bereits vollen Mülltonnen ab“, berichtet Kleine-Bösing. Ähnlich hätten sich die Menschen in den innerstädtischen Parks verhalten. Beispiel Südpark: Auch hier sei der Großteil des Mülls nach der Party neben die Sammelbehälter gestellt worden. Ein ähnlich erfreuliches Bild bot sich nach Beobachtungen unserer Zeitung auch entlang des Dortmund-Ems-Kanal sowie im Wienburgpark: Müll auf den Grünflächen stellte in diesen Bereichen die Ausnahme dar.

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Wie geht es weiter? Peck setzt auf einen Lerneffekt bei jenen, denen am 1. Mai alles egal war. Derweil planen die AWM weitere Aktionen, um die Menschen zu sensibilisieren. Dass die AWM demnächst erneut Müll vorübergehend liegen lassen, sei nicht geplant.

Kommentar: Bittere Erkenntnis

Der Aasee ist für alle da – auch für jene, die dort am 1. Mai feiern wollen. Dass ein Großteil der jungen Leute, die es am Mittwoch krachen ließen, seinen Müll weder vor Ort entsorgte noch mitnahm, ist einfach unfassbar. Waren sie einfach nur zu betrunken – oder haben sie ganz bewusst so gehandelt? Frei nach dem Motto: Mir doch egal, was andere denken, Hauptsache, ich habe Spaß.

Viele von denjenigen, die am Mittwoch am Aasee „feierten“, sind im gleichen Alter wie jene, die seit Monaten freitags für Klima- und Umweltschutz demonstrieren. Die Erfahrung vom 1. Mai zeigt, dass die berechtigten Anliegen von „Fridays for Future“ bei Teilen der eigenen Generationen offenbar auf Gleichgültigkeit stoßen. Eine bittere Erkenntnis.

Es bleibt fraglich, ob die publikumswirksame Aktion von AWM und Stadt Wirkung zeigt. Der nächste Feiertag kommt bestimmt – und mit ihm der nächste Müllberg. Dann kann die „Fridays-for-Future“-Generation beweisen, was für sie wirklich wichtig ist. Martin Kalitschke

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