Apotheke entwickelt Antibiotika-Pass
So hilfreich wie die Notfalldose

Münster -

Immer öfter bilden Patienten Resistenzen gegen Antibiotika. Und weil oft der Überblick über die verschriebenen Mittel fehlt, hat die Margareten-Apotheke nun eine Idee entwickelt. Auf diese schaut auch die Apothekerkammer mit großem Interesse.

Dienstag, 23.04.2019, 15:10 Uhr aktualisiert: 23.04.2019, 15:46 Uhr
Sie geben in der Margareten-Apotheke den neu entwickelten Antibiotikapass aus (v.l.): Tatjana Forsmann, Tatjana Sellin, Apotheken-Inhaberin Sylke Bergmann und Nadine Telgenbüscher. Foto: hö

Antibiotikaresistenzen nehmen zu, und vielen Patienten fehlt längst der Überblick, warum und von welchem Arzt ihnen welches Antibiotikum verschrieben wurde. Deshalb ist die Apothekerkammer in Münster nun hellhörig geworden und blickt mit großem Interesse auf das Konzept eines Antibiotika-Passes, den die Margareten-Apotheke entwickelt hat. „Eine großartige Idee“, lobt der Geschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Michael Schmitz. „Wir überlegen, wie allen 1911 Apotheken in Westfalen-Lippe (89 in Münster) solche Pässe bereitgestellt werden können.“

Ähnlich wie man es mit der Starterausstattung mit Notfalldosen getan habe. In diesen Dosen, die im Kühlschrank gelagert werden sollen, sind alle wichtigen Patientendaten aufgeführt: welche Medikamente der Patient braucht, ob er Allergien oder Vorerkrankungen hat – damit der Notarzt sofort richtig reagieren kann.

Überblick verschaffen, Resistenzen eindämmen

Seit zwei Wochen gibt die münsterische Margareten-Apotheke ihren neu entwickelten Antibiotika-Pass an Patienten aus. „Das war längst überfällig“, gibt Inhaberin Sylke Bergmann das Feedback der Kunden wider. „Unser Ziel ist es, mit dem Antibiotika-Pass den Patienten einen Überblick über alle verabreichten Antibiotika zu verschaffen und Resistenzen einzudämmen“, so Bergmann.

Mitunter kämen in kurzer Folge von unterschiedlichen Ärzten verschriebene Antibiotika zusammen, bei grippalen Infekten, nach einer Zahn-OP, einer Blasenentzündung oder im Zuge der Versorgung durch einen Notarzt.

Ähnlich wie der Röntgen-Pass

Der Antibiotika-Pass ist laut Bergmann das Ergebnis einer Projektarbeit der beiden angestellten Apothekerinnen Anna Fischer und Jessica Flühe. Ähnlich wie beim Röntgenpass wird hier jedes verordnete Antibiotikum, die darin enthaltenen Wirkstoffe, Einnahmezeiten, die Erkrankung, Unverträglichkeiten und Allergien sowie der behandelnde Arzt eingetragen. Ergänzt wird der Pass auf der Rückseite um Verhaltensregeln bei der Einnahme von Antibiotika. Piktogramme geben an, ob Sonneneinstrahlung oder Milchprodukte gemieden werden müssen. „Mit dem Pass möchten wir das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Substanzen stärken“, betont Bergmann.

Die Fachleute für Arzneimittel füllen bei der pharmazeutischen Beratung vor Ort den Pass aus und geben Hinweise, „ob beispielsweise der Darm beim Wiederaufbau einer gesunden Bakterienflora unterstützt werden muss“.

Konzept zieht Kreise

Ein Pass-Konzept, das bereits Kreise zieht. Über ein Fachportal hat sich „der Deutsche Apotheker Verlag an uns gewandt“, freut sich Bergmann. „Wir haben die Urheberrechte und sind derzeit in Verhandlungen.“

Der Pass kommt in einer Zeit intensiver wie kritischer Debatten zum übermäßigen Einsatz von Antibiotika. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hatte unlängst gewarnt, das Risiko-Nutzen-Verhältnis beim Einsatz von Präparaten genau zu prüfen, die sogenannte Fluorchinolone enthalten. Wochenlang nach der Behandlung dürfe kein Sport betrieben werden – „wegen der Gefahr von Sehnenrissen“, weiß Bergmann.

Der Antibiotikapass ist nach Einschätzung der Apothekerkammer jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung. Schmitz: „So einfach wie genial und für viele eine gute Arbeitshilfe.“

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