Liederabend im Franz-Hitze-Haus
Eintauchen in Liebesglück und Liebesleid

Münster -

„Er, der Herrlichste von allen“ oder „Lass mich in Demuth verneigen dem Herren mein“: Sind das Verse, die eine Frau heute noch ernsthaft in den Mund nehmen kann, wenn sie von ihrem Geliebten schwärmt? Darüber ließe sich trefflich streiten. Fest steht, dass Robert Schumann zu Adelbert von Chamissos Gedichtzyklus „Frauenliebe und -leben“ ganz wunderbare Musik geschrieben hat. Und vielleicht sind die darin vertonten Gefühle doch gar nicht so altmodisch, „auch wenn wir sie heute ganz anders ausdrücken würden“, wie Deborah Rawlings am Donnerstagabend im Franz-Hitze-Haus zu bedenken gab.

Freitag, 12.04.2019, 17:16 Uhr
Rosen gab es als Dankeschön für ein großartiges Konzert für die Sopranistin Katrin Arnold (l.) und die Pianistin Deborah Rawlings. Foto: cws

Sopranistin Katrin Arnold jedenfalls tauchte ein in Liebesglück und Liebesleid, in starke Emotionen, die Deborah Rawlings am Klavier sensibel unterfütterte – ein wirklich ideales Duo für diesen facettenreich angelegten Liederabend. Robert Schumann markierte dessen Schwerpunkt, aber daneben gab es Benjamin Brittens Zyklus „On this Island“, der klanglich den Blick in eine ganz andere Welt richtet, und Richard Strauss‘ „Mädchenblumen“ – auch nicht unbedingt etwas für Feministinnen, wie Deborah Rawlings zu Recht bemerkte.

Letztlich aber geht es doch darum, die Ohren und über sie die Herzen des Publikums zu erreichen. Ganz unmittelbar und ohne erst den Verstand zu befragen. Das schafft das Lied, das vermögen Wort und Klang in ihrer innigsten Verbindung. Wenn Katrin Arnold von Schumanns „Rose“ erzählt, Brittens raue Küstenlandschaft nachzeichnet oder Strauss‘ bizarre „Wasserrose“ betrachtet, entstehen ausdrucksstark-imaginäre Bilder vor dem geistigen Auge. Melancholische Atmosphäre zieht herauf im „Requiem“, dann wieder quirlige Lebenslust im Lied von der „Sennin“. All diese ganz unterschiedlichen Empfindungen transportiert Katrin Arnold mit völliger Natürlichkeit. Ihr in allen Lagen ebenmäßig timbrierter und unangestrengter Sopran verströmt Wärme und Intensität, hat Kern auch im zarten Piano und meistert problemlos sowohl sprunghafte als auch mit Koloraturen gesättigte Phrasen.

Der Münchner Komponist Markus Höring, Jahrgang 1969, hat Arnold „Drei Lieder“ gewidmet: Zeitgenössisches auf tonalem Fundament, expressiv, sehr textbezogen, dicht. Im Verein mit ihrer Klavierpartnerin Rawlings gelang es Arnold, dieser Musik wie all der anderen an diesem Abend ein Maximum an Wahrhaftigkeit zu verleihen. Großartig!

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