„Fahrradhauptstadt trifft Bundeshauptstadt“
Berlin hospitiert in Münster

Münster -

Die Polizei Münster und die Polizei Berlin gehen gemeinsame Wege, wenn es um die Sicherheit und Kontrolle von Radfahrern geht. Erstmals hospitieren nun Radpolizisten aus der Hauptstadt bei ihren Kollegen in Münster. Ziel ist neben dem Erfahrungsaustausch der Aufbau eines Netzwerkes.

Dienstag, 26.03.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 26.03.2019, 07:41 Uhr
Gemeinsam auf Streife: Radpolizistin Nicole Pollert und ihr Berliner Kollege Sascha Reichenberger. Dazwischen (v.l.) Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, Berlins Verkehrspolizeichef Markus von Stegen und die münsterische Bundestagsabgeordnete Sybille Benning. Foto: hpe

Berlin hat mehr als zehn Mal so viele Einwohner, wie die Westfalenmetropole. Trotzdem gibt es dort mit 19 Radpolizisten nicht mehr uniformierte Zweirad-Streifen, als im vergleichsweise kleinen Münster. Nachholbedarf ist also angesagt, wenn es um die koordinierte Überwachung der Radfahrer in Berlin geht.

Unter dem Motto „Fahrradhauptstadt trifft Bundeshauptstadt“ startete am Montag in Münster ein bundesweit einmaliges Kooperationsprojekt beider Polizeibehörden, die Idee dazu hatte Münsters Bundestagsabgeordnete Sybille Benning.

Mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer

„Die Infrastruktur ist bei uns in Berlin lange nicht so ausgeprägt wie in Münster, mehr Verkehrssicherheit für Radfahrer ist für uns deshalb die große Herausforderung der Zukunft“, so Markus van Stegen, Chef des Verkehrsbereichs im Polizeipräsidium Berlin. Weil immer mehr Berliner auf das Fahrrad umsteigen, eigene Radwege nicht selbstverständlich sind und sich deshalb bislang Radler alle Freiräume nehmen, die der Verkehrsraum so hergibt, sind die Unfallzahlen auf einem hohen Level.

Regeln auf Fahrradstraßen

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  • 1 Schild dpa

    Was ist denn eine Fahrradstraße? Mit diesem Schild können viele Verkehrsteilnehmer wenig anfangen. 1997 wurden durch die sogenannte Fahrrad-Novelle der Straßenverkehrsordnung die Regeln für Fahrradstraßen festgelegt:

    Foto: dpa
  • Als Fahrradstraßen werden Straßen bezeichnet, die vorrangig für den Radverkehr vorgesehen sind.  Sie sollen Vorteile gegenüber dem Kfz-Verkehr schaffen und so auch zu mehr Sicherheit für Radfahrer führen.

    Foto: Jan Hullmann
  • In Deutschland ist die Nutzung einer solchen Fahrradstraße dem Radverkehr vorbehalten. Radfahrer dürfen hier auch nebeneinander fahren.

    Foto: Michael Grottendieck
  • Soll die Straße auch durch andere Fahrzeuge befahren werden, muss dies durch Zusatzzeichen ausgeschildert sein. So kann zum Beispiel der Autoverkehr für Anlieger oder nur in eine Richtung erlaubt sein.

    Foto: Jan Hullmann
  • Radfahrer haben auf einer Fahrradstraße Vorrang vor Autos und anderen Fahrzeugen, welche diese Straße benutzen. Doch dies bedeutet nicht, dass Fahrradfahrer auch an Kreuzungen Vorfahrt haben, hier gilt – sofern nichts anderes ausgeschildert wurde – „rechts vor links“.

    Foto: Jan Hullmann
  • Andere Kraftfahrer müssen sich auf der Fahrradstraße dem Radverkehr anpassen, sodass ein Behinderung oder Gefährdung der Radfahrer vermieden wird. Das gilt insbesondere auch für Überholvorgänge. Dabei muss ein ausreichender Seitenabstand - laut Rechtsprechung mindestens  1,5 Meter - eingehalten werden.

    Foto: Tobias Denne (Archiv)
  • Auf einer Fahrradstraße muss die Geschwindigkeit von Kraftfahrzeugen  immer angepasst sein. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit auf Fahrradstraßen beträgt darüber hinaus immer 30 km/h. Darauf weist auch dieses Schild am Lindberghweg in Münster hin.

    Foto: Stadt Münster (Archiv)
  • Zu den zwölf bestehenden Fahrradstraßen in Münster sollen noch zehn weitere hinzukommen.

    Foto: Martin Kalitschke, Grafik: Jürgen Christ

Van Stegen: „Wir haben erst seit fünf Jahren Radpolizisten in Berlin, haben uns aber durch stringentes Einschreiten schon viel Akzeptanz in der Bevölkerung geschaffen.“ Auf dieser guten Basis wolle man nun aufbauen. „Wir kommen nach Münster, um Praxiserfahrung zu sammeln und zu lernen“, so Berlins oberster Verkehrspolizist.

Was die Gäste in Münster machen

Drei Tage hospitieren Sascha Reichenberger und Ronny Theil bei ihren radelnden Kollegen in Münster, werden die brisante Situation an Unfallhäufungsstellen wie dem Ludgerikreisel kennen lernen und sind am heutigen Dienstag bei gezielten Schwerpunkt-Überwachungsmaßnahmen in der City mit dabei.

Polizeipräsident Hajo Kuhlisch will aus dem Pilotprojekt ein „festes Netzwerk“ zwischen den Behörden knüpfen, im Sommer werden Radpolizisten aus Münster für einige Tage in Berlin Streife fahren. „Wir können Vorgehensweisen optimieren, voneinander lernen und Informationen austauschen, die letztlich für mehr Sicherheit im Radverkehr sorgen können“, so Kuhlisch.

Benning ist auf dem Weg von der Wohnung zum Bundestag häufig mit dem Rad in Berlin unterwegs und „schon zwei mal über den Lenker abgegangen“, wie sie sagt. Berlin sei eben stark auf den Autoverkehr ausgelegt und „die Interpretationen der Rechtsnormen schwierig“.

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