Manfred Lütz: Kirchenkrise, Jammer und Perspektivwechsel
„Der Fachmann für das Kurze“

Münster -

Manfred Lütz (64) treibt vieles um. Das ewige Jammern oder die „programmierte Frustration“ in der Kirche. Eine Christenheit, die sich im öffentlichen Disput fast immer im Rückwärtsgang befindet. Das ist nichts für den ratternden Rheinländer, Psychiater, Chefarzt, Vatikanberater und Bestsellerautor, der auf Einladung von Weverinck-Management im Theater Münster eineinviertel Stunden am Stück dozierte. Mit variabler Trefferquote und wechselndem Heiterkeitserfolg.

Mittwoch, 06.02.2019, 16:04 Uhr
Umringt von Lesern: Manfred Lütz signierte nach der Lesung im Kleinen Haus sein bei Herder erschienenes Buch „Der Skandal der Skandale“ über „Die geheime Geschichte des Christentums“. Foto: Loy

Zwei Kernthesen. Erstens: Die Leute glauben nicht mehr an Gott. Zweitens: Die Christen schämen sich sicherheitshalber für die eigene Geschichte, „obwohl sie sie gar nicht kennen!“ Diesem Umstand will Lütz abhelfen. Dazu diente ihm als Vorlage das Buch „Toleranz und Gewalt“ (Aschendorff-Verlag) des münsterischen Kirchenhistorikers Arnold Angenendt, der schon 2007 gängige Geschichtsklischees analysierte und widerlegte.

Nach einigen Wortkaskaden über lustige Rheinländer und dröge Westfalen kommt Lütz zu dem, was er bei Angenendt entdeckt und, als „Fachmann für das Kurze“, knackig zusammengefasst hat. Toleranz? Die sei im Urchristentum schon im Weizen/Unkraut-Gleichnis angelegt. Internationalität und Aufnahme der Fremden? Sei im Christentum durch die Vorstellung vom Menschen als Gottesgeschöpf grundlegend. Gewalt? Sei nicht in erster Linie von Päpsten und Kirchenführern ausgeübt worden, sondern, wie etwa bei den Kreuzzügen, Ausfluss eines haltlosen Mobs gewesen. Hexenverbrennung? Eine Erfindung weltlicher Gerichte in einer gottloser werdenden Neuzeit. Skandale? Ja, die habe es immer wieder gegeben, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie sie Kirche und Christentum gerne pauschal aufs Butterbrot geschmiert würden. Arnold Angenendt verfolgt den Vortrag im Publikum, fühlt sich, wie er sagt, korrekt zitiert.

Manfred Lütz tritt forsch auf, so wie man ihn kennt, zuweilen etwas penetrant in seiner Rolle als Apologet der Institution Kirche. Das große „Ja, aber“ ist sein rhetorisches Standard-Florett. „Skandale? Ja, aber ...“ Das wiederholt sich, nutzt sich etwas ab, und da es keine Pause gibt, beginnt so mancher Zuhörer nach einer Stunde zu ermatten. Zumal Lütz ausgiebig für fast alle seine Buchtitel wirbt.

Wer Lütz öfter gehört hat, merkt: Der zwischen jovialem Kabarett-Ton und kirchenhistorischem Vortrag wechselnde Gast tritt im Vergleich zu früheren Jahren nicht mehr ganz so triumphalistisch auf. Der kirchliche Missbrauchsskandal hat auch ihn schwer getroffen. Weil Menschen dadurch nicht nur das Vertrauen in die Kirche, sondern „auch das Vertrauen in Gott“ verloren hätten, so wettert Lütz.

Am Ende seines Vortrags bündelt er richtige Erkenntnisse. Menschen hätten Sehnsucht nach Spiritualität und Gebet. Die Kirche solle sich zehn Jahre ein Bußschweigen über Themen der Sexualität auferlegen. Und er wirbt, wie im Kirchenlied, für einen Perspektivwechsel. Hinfort vom Jammern, hin zum frohen Verrichten des Tagwerks: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen, verricht das Deine nur getreu!“ Da bringt der Lütz wieder eine spirituelle Saite in den Zuhörern zum Schwingen. Und dann signiert er ganz viele Bücher.

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